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Fußball: SC Kapellen geht mit Kraft und Mut den Umbruch an

Fußball : Mit Kraft und Mut in den Umbruch

Der SC Kapellen besinnt sich auf alte Stärken, baut mit selbst ausgebildeten Fußballern eine neue Mannschaft auf. Die soll den Landesligisten in die Zukunft tragen. Ganz ohne Erfahrung geht es dabei allerdings nicht.

Das Bild stimmt tatsächlich. Fünf Jahre nach dem nie richtig verdauten Abstieg aus der Oberliga hat der SC Kapellen in diesem Sommer kein Stein auf dem anderen gelassen. Das gilt sowohl für die 2019 vom Erft- in Jupp-Breuer-Stadion umbenannte Anlage an der Weimarstraße als auch für die in der Landesliga kickende Erstvertretung. „Es gab jetzt den richtigen Umbruch“, sagt Trainer Björn Feldhaus, der mit seinen Schützlingen am Sonntag (Anpfiff 15 Uhr) zum Start der Punktspielrunde in Wülfrath zu Gast ist.

Der in der wegen Corona annullierten Saison 2020/2021 beim A-Kreisligisten SV Glehn beschäftigte Rückkehrer ist mit seiner Vergangenheit im Jugendbereich beim 1. FC Mönchengladbach und dem SCK sicher eine gute Wahl, den schwierigen Neuaufbau einer Mannschaft mit Perspektive, die vom stets kritischen, aber sachkundigen Umfeld an der Erft wieder mit ganzem Herzen unterstützt wird, zu managen. Auf diesem Weg sieht der 38-Jährige den Verein schon einen guten Schritt vorangekommen. „Alle identifizieren sich wieder mit dem Klub.“ Die ohnehin alternativlose Rückbesinnung auf den eigenen Nachwuchs, „auf lange Sicht, das haben auch viele andere Vereine gemerkt, kann es keine andere Lösung geben“, will er, natürlich in Abstimmung mit dem Vorstand um Philip Breuer, nun auch gegen die zu erwartenden Widerstände mit breiter Brust durchboxen. „Denn wir gehören wahrscheinlich zu den drei jüngsten Mannschaften der Liga.“

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Dass er trotzdem das gute Gefühl hat, „schon eine homogene Truppe mit guter DNA zu haben“, liegt ganz stark an den verbliebenen Routiniers: Kicker wie Robert Wilschrey (32 Jahre), Alexander Hauptmann (33) und David Dygacz (34) aus der Ü30-Fraktion bilden mit ihrer Erfahrung das Fundament, das dem Nachwuchs Halt geben soll, ehe er in zwei, drei Jahren auf eigenen Füßen stehen kann. Auch Can Yücel, Manu Ioannidis, Nils Mäker, Maik Ferber, Nils Dübbert und Yannick Ebert sind in dieser Spielklasse zu Hause.

Die Vorbereitung war ein Traum, zumindest, was die Spielergebnisse anbelangt: Nur das Duell mit dem Oberligisten TuRU Düsseldorf ging mit 1:2 verloren. „Und auch das war unnötig“, stellt Feldberg fest. Zuletzt gab es in den Vergleichen mit Teams aus der Oberliga Siege in Nettetal (2:1) und gegen den TSV Meerbusch (3:0) sowie zum Abschluss ein 2:2-Unentschieden gegen den SC Düsseldorf-West. Für den Coach indes kein Anlass, in Euphorie auszubrechen. „Klar, wenn du in der Vorbereitung nur auf die Mütze bekommst, heißt das, dass irgendwas falsch läuft, aber eigentlich sind die Testspielergebnisse für mich zweitrangig  – vor allem mit Blick auf die Urlaubs- und Impfgeschichten. In unseren Spielen, aber auch bei den Beobachtungen der Konkurrenten, habe ich festgestellt, dass sich das Aussehen einer Mannschaft binnen zwei Wochen komplett verändern kann. Das hat natürlich Auswirkungen auf die Aussagekraft von Ergebnissen.“ Grundsätzlich ist mit der Form seiner Schützlinge, von denen er beim SCK selber viele in der Jugend ausgebildet hat, aber zufrieden. „Sie entwickeln sich zügig, sogar schneller als wir das erwartet hatten. Ich bin mir sicher, wir können in dieser Saison eine gute Rolle spielen.“ Indes gibt er sich keinen Träumereien hin. Er richtet sich auf „ein brutal schweres Jahr ein. Aber Prognosen, auch was die Qualität der anderen Mannschaft anbelangt, sind kaum möglich. Vielleicht lässt sich da nach fünf Spieltagen mehr sagen.“ Ganz wichtig ist für ihn, von Anfang an hellwach zu sein. „Ich gehe momentan nicht davon aus, aber wenn die Saison wegen Corona nach der Hinrunde abgebrochen und gewertet würde, hättest du keine Chance mehr, Boden gutzumachen  – und das bei einer 15er-Gruppe mit bis zu fünf Absteigern.“ 

 Umso negativer ins Kontur könnten Personalprobleme schlagen. Zum Start muss der SCK auf den verletzten Thomas Lavia verzichten. Neuzugang Dzenan Sinanovic ist nach seiner Roten Karte im letzten Spiel für den TuS Grevenbroich vor mehr als acht Monate (!) noch gesperrt. Besonders bitter: Auch der fest eingeplante Nachwuchskicker Alexander Stübben gehört fürs Erste nicht mehr dem aktiven Kader an. Nach seiner Erkrankung hatte der 19-Jährige hart an seiner Rückkehr auf den Platz gearbeitet, doch nun bremst ihn eine hartnäckige Knieverletzung aus. Seinem Heimatverein bleibt er als Trainer der U12 indes auf jeden Fall erhalten. Feldberg, der Stübben schon in der SCK-Jugend trainiert hatte, bedauert diesen Rückschlag sehr: „Eine traurige Geschichte. Alex würde uns sportlich und menschlich sicher weiterhelfen. Er ist ein Vollblutfußballer mit einem Riesenherzen.“