Fußball: Kapellen fertigt Holzheim im Derby 6:1 ab

Gußball : Kapellen zerlegt Holzheim im Historien-Duell

Mehr als 40 Jahre hatten die Landesliga-Fußballer des HSG auf dieses Spiel gewartet – und verlieren dann vor 500 Zuschauern mit 1:6.

Mit dem Schlusspfiff ging im Vereinsheim an der Reuschenberger Straße das Bier aus. Eine kleine Katastrophe, vor allem aus monetärer Sicht, viele der knapp 500 Zuschauer hätten den angenehm lauen Sommerabend in geselliger Runde sicher noch gerne mit der ein oder anderen Gerstensaftkaltschale garniert. Auch das aktive Personal der gastgebenden Holzheimer SG musste bei der Frustbewältigung auf andere Mittel zurückgreifen. Keine leichte Aufgabe, schließlich galt es für die todtraurigen Landesliga-Kicker die üble 1:6-Pleite (Halbzeit 0:3) im historischen Duell mit dem SC Kapellen zu verarbeiten.

Dass seine Schützlinge beim ersten (Pflichtspiel-) Wiedersehen mit dem mittlerweile in jeder Beziehung enteilten Ortsnachbarn nach mehr als vier Jahrzehnten in arge Schwierigkeiten geraten könnten, hatte HSG-Trainer Guido van Schewick schon seit der 1:4-Schlappe am Sonntag zum Saisonauftakt beim VfB Solingen befürchtet. Mit Blick auf die angespannte personelle Situation, die natürlich auch Auswirkungen auf die physische und psychische Verfassung  der Mannschaft hat, stellte er darum bereits unmittelbar nach dem Schlusspfiff erstaunlich nüchtern fest: „Wir sind noch nicht bereit für die Landesliga.“ Mit der Betonung auf „noch“, darauf legt der in Holzheim für die Öffentlichkeitsarbeit zuständige, während der Partie aber am Grillstand unabkömmliche Willi Kollenbroich großen Wert: „Im Moment fehlen uns einfach zu viele Stammspieler, allen voran Tom Nilgen. Das wäre in etwa so, als wenn Kapellen Robert Wilschrey, Lennart Ingmann, Stephan Wanneck und Alexander Hauptmann ersetzen müsste.“

In der Verfassung von Mittwoch hätten die ohnehin bemerkenswert tief besetzten Gästen indes wahrscheinlich auch diese Ausfälle kalt gelassen. Denn bei der Video unterstützten Aufarbeitung des als unbefriedigend abgespeicherten 1:1 am Samstag gegen den MSV Düsseldorf hatten die SCK-Fußballer ganz offensichtlich gut aufgepasst. „Trainer Oli Seibert und ich haben die Fehler klar angesprochen – und die Jungs haben das Geforderte heute optimal umgesetzt“, bestätigte der Sportliche Leiter Jörg Ferber. Von Anfang an war auf dem Platz ein Klassenunterschied zu erkennen, dabei hatte Seibert sein Team gegenüber der holprigen Vorstellung gegen Hillal lediglich auf zwei Positionen verändert: Für den jungen Ibrahim Kanat war der Ex-Nievenheimer Nils Dübbert in der Innenverteidigung an die Seite von Kapitän David „Panzer“ Dygacz gerückt, Alexander Hauptmann besetzte diesmal gleich die Position von Maximilian Kuznik im Angriffszentrum.

 Der SCK trumpfte derartig dominant auf, dass die fast hilflos wirkenden Hausherren gar nicht zum Atemholen kamen. Die Tore fielen fast zwangsläufig: Zwar beharrte van Schewick hinterher in seinem Resümee darauf, dass die mustergültig in Position gebrachten Dennis Schreuers (24.) und Alexander Hauptmann (28.), der nach einem von Keeper Nico Bayer nach vorne abgewehrten Schuss des fleißigen Can Yücels in Abstaubermanier zur Stelle war, bei ihren Treffern zur 2:0-Führung „klar im Abseits“ gestanden haben sollen, an der Berechtigung des Zwischenstands ließ er allerdings keinen Zweifel: „Abseitstore hin oder her, wir hatten null Chance, Kapellen hat doch nur in unserer Hälfte gestanden.“ Mit dem wunderbaren Kopfballtreffer Hauptmanns nach Flanke von Maik Ferber zum 3:0 (42.) setzten die Gäste auch eine weitere Vorgabe in die Tat um:  „Wir wollen den Zuschauern schönen Fußball anbieten“, so Jörg Ferber.

Holzheims erste und einzige Möglichkeit des ersten Abschnitts vergab Yannick Joosten, als er unmittelbar vor dem Pausenpfiff alleine vor dem Tor an SCK-Schlussmann Felix Burdzik scheiterte. Nach Wiederbeginn hätte auch der flinke Maurice Girke gleich zweimal für eine Resultatsverbesserung sorgen können, ja müssen (61./67.), doch ernstlich ins Wanken geriet der SCK auch im zweiten Durchgang nicht mehr. Mit Treffern von Nils Dübbert nach einer nur unzureichend geklärten Ecke (65.), Lennart Ingmann mit Stephan Wanneck als Vorbereiter (75.) und abermals Hauptmann (80.) zum 6:0 belohnte sich der ehemalige Oberligist für eine runde Leistung.

In aller Freundschaft: Vor dem geschichtsträchtigen Lokalderby stellten sich beide Teams und das Schiedsrichtergespann zum Gruppenfoto. Foto: Woitschützke, Andreas (woi)
Gut gelaunte Zuschauer: Das Bier in Holzheim schmeckte so gut, dass die Fässer schon mit dem Schlusspfiff leer waren. Volle Hütte: Knapp 500 Zuschauer sahen, wie sich der Holzheimer Oliver Esser gegen die Kapellener Manu Ioannidis (l.) und Maik Ferber voll ins Zeug legt. Foto: Woitschützke, Andreas (woi)

Van Schewick sah immerhin noch das Tor von Marcus Buchen zum 1:6 (90.) – und mahnte alle mit den Fußballern verbundenen Menschen in Holzheim zur Geduld. „Man muss uns jetzt einfach die Zeit geben, in der Landesliga anzukommen. Uns bleibt nichts anderes übrig, als hart zu arbeiten, um es in Zukunft besser zu machen.“      

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