Fußball: Holzheim gegen Kapellen - historisches Duell

Fussball : Die Wiedergeburt eines alten Kreisklassikers

Nach mehr als 40 Jahren begegnen sich Holzheim und Kapellen in der Fußball-Landesliga endlich mal wieder auf Augenhöhe.

Wir schreiben das Jahr 1973: Unter dem mit Regionalliga-Erfahrung ausgestatteten neuen Trainer Richard Wadewitz beendet der SC Kapellen seine Saison in der damals noch als Bezirksklasse geführten Bezirksliga auf dem zweiten Platz – ein Riesenerfolg für die Jungs aus dem Erftstadion. Besser war nur die Holzheimer SG, die mit 47:13 Punkten und dem imponierenden Torverhältnis von 100:38 den Titel und damit den Aufstieg in die Landesliga perfekt macht.

Ja, die HSG und der den Fußballkreis 5 Grevenbroich/Neuss nun schon seit Jahren dominierende SCK agierten tatsächlich mal auf Augenhöhe. Willi Kollenbroich, seit Montag 71 Jahre alt und in Holzheim längst auf dem Weg zu einem lebenden Denkmal, erinnert sich an packende Duelle der beiden Ortsnachbarn. Er spielte noch gegen den jungen Kalli Rösgen, den viele Experten noch heute für den besten Libero im Kreisgebiet halten. Allerdings mit für ihn mäßigem Erfolg. „Er hat mir damals meine Grenzen aufgezeigt.“ Erst in der Spielzeit 1976/77 trennten sich die Wege der Lokalrivalen: Während die HSG, die 1975 kurz vor dem Aufstieg in die Verbandsliga gestanden hatte – am Ende belegte die von Willi Traut gecoachte Mannschaft um Norbert Weindling und „Pattex“ Slowak hinter dem 1. FC Viersen und und dem VfL Benrath den dritten Rang – die Runde nur auf dem elften Platz abschloss, startete der SCK durch, holte sich mit 54:6 Punkten und 81:25 Toren in überlegener Manier den Titel. Vom Vizemeister SC Schiefbahn trennte die Truppe von Richard Wadewitz sage und schreibe 17 Zähler.

Dieses Team war noch aus einem anderen Grund außergewöhnlich: In Jupp Breuer, unter dessen Führung es Kapellen bis in die Spitze der Oberliga Niederrhein brachte, Peter Kempermann oder auch Paul und Norbert Rösgen bot es zahlreiche Akteure auf, die sich in den kommenden Jahren in ehrenamtlichen Funktionen ganz maßgeblich um den Fortbestand des Vereins kümmern sollten. Schon damals als Geschäftsführer im Einsatz war der erst 2016 aus seinem Amt verabschiedete Hans-Peter Brings.

Und die Holzheimer SG? Nach dem Höhenflug in der Saison 1974/75 meldete sich die komplette Mannschaft aufgrund von Streitigkeiten mit einem zu dominanten Sponsor ab. Weil guter Rat teuer war, schickte der Verein daraufhin die eigentlich in der „1. Kreisklasse“ (heute Kreisliga A) kickende Zweitvertretung ins Rennen. Die war trotz aller Mühen erwartungsgemäß chancenlos, stieg 1976 mit 5:55 Punkten und 25:115 Toren als Tabellenletzter ab. Die Erinnerung an die „Goldenen Jahre“ unter seiner Regie ist bei Willi Traut jedoch bis heute wach. Beim „Oldie-Treff“ der einstigen Helden vor fast genau zwei Jahren im Restaurant Lenzen schwärmte er mit glänzenden Augen: „Vor allem ist mir die große Begeisterung und Unterstützung der Holzheimer Fans in Erinnerung geblieben. Bei jedem Spiel war die Bezirkssportanlage schwarz vor Zuschauern.“ Als Kapellen 2004 unter Trainer Horst Steffen als Meister gemeinsam mit dem TuS Grevenbroich – mit Bayer Dormagen auf Platz drei stellte der Fußballkreis 5 die Topteams der Landesliga, Gruppe 2 – in die Verbandsliga aufrückte, musste die HSG im Aufstiegskampf der Kreisliga A Uedesheim den Vortritt lassen. Erst 2007 kehrte der Traditionsklub mit Jörg Gartz auf der Trainerbank in die Bezirksliga zurück. Dort reichte es dann immerhin zum zehnten Platz.

In der Saison 1974/75 scheiterte die Holzheimer SG nur knapp am Aufstieg in die Verbandsliga: (h.v.l) Hans Schrills, Günter Göres, Trainer Willi Traut, Norbert Weindling, Peter Schäfer, Franz Schönen, Uli Kotturz. (v.v.l.) Walter Bein, Charly Kurvers, „Pattex“ Slowak, Dieter Cöln, Hans-Dieter Krieger, Günter Mielke, Unbekannt. Foto: HSG

Mit dem heutigen Duell auf der Johann-Dahmen-Sportanlage lebt der alte Klassiker also wieder auf.  Trotz der eigenen 1:4-Niederlage zum Saisonstart beim VfB Solingen geht Kollenbroich davon aus, dass der SCK in Holzheim  zieht. Im Gegensatz zu früher, als noch nicht jeder Zuschauer mit dem eigenen Pkw  anreiste, könnte es diesmal allerdings Probleme beim Parken geben. Kollenbroichs mit einem Schmunzeln verbundener Rat: „Am besten kommt man mit dem Rad und trinkt nach dem Spiel noch ein ein, zwei Bierchen ...“

Mehr von RP ONLINE