Lokalsport: Funkels Rekordshow beginnt beim VfR Neuss

Lokalsport : Funkels Rekordshow beginnt beim VfR Neuss

Der umjubelte Meistertrainer von Fortuna Düsseldorf stieg mit den Grün-Weißen in der Fußballsaison 1989/90 in die Verbandsliga auf.

Das weiß mittlerweile jeder Fußball-Fan: Mit dem 2:1-Erfolg des Zweitligisten Fortuna Düsseldorf am Samstag in Dresden machte Friedhelm Funkel den sechsten Bundesliga-Aufstieg seiner Karriere perfekt. Weitestgehend unbekannt ist allerdings, dass die einmalige Rekordshow an der Hammer Landstraße in Neuss ihren Ursprung nahm. Funkel selber geht sogar noch einen Schritt weiter: "Die beiden Jahre beim VfR 06 Neuss waren die Voraussetzung dafür, dass ich überhaupt Trainer geworden bin. Die Zeit mit dieser geilen Truppe hat mir erst den Mut gegeben, den Schritt zu wagen."

Foto: Andreas Woitschützke

Bei seinem Heimatverein hatte Funkel 1988 zusätzlich zu seinem Engagement als Profi des FC Bayer 05 Uerdingen (jetzt KFC Uerdingen) den Einstieg ins Trainergeschäft gewagt. Bereits in seiner zweiten Saison 1989/90 führte der damals 35-Jährige die Grün-Weißen als souveräner Meister der Landesliga mit 52:8 Punkten und einem Torverhältnis von 93:30 in die Verbandsliga, zu dieser Zeit die vierthöchste Spielklasse in Deutschland. Einen Triumph, den der Neusser trotz seiner großen Erfolge nicht vergessen hat. "Natürlich, natürlich weiß ich das noch", versicherte er, als ihn die NGZ gestern Mittag trotz Aufstiegsstress ans Smartphone bekam: "Diese zwei Jahre beim VfR will ich nicht missen." Die Namen seiner Schützlinge gehen ihm darum immer noch leicht über die Lippen: "Eddy Hagedorn, Dirk Schneider, Willi Schmitz, Frank Klein, Thomas Maassen ... Guido Bennecke, klar."

Ein gutes Stichwort. Guido Bennecke saß gestern noch in einem Café auf den Ramblas von Barcelona, zauberte aber ohne zu zögern ein Foto von der Aufstiegsfeier 1990 aus seinem Handy. Der 52-Jährige, seit knapp drei Jahren Direktor für Vertrieb und Marketing bei einem der führenden Anbieter für Reisesoftware in Berlin, wusste schon damals um die außergewöhnlichen Fähigkeiten Funkels als Pädagoge. "Klar, die Mannschaft war wirklich gut, aber für den Unterschied sorgte der Trainer. Er hat Sachen gemacht, die ich noch nie erlebt hatte - und danach auch nie wieder erlebt habe."

Er erinnert sich noch gut daran, wie die Mannschaft nach einem Sieg mal "total happy" zusammengekommen sei, nur um dann zu einem schweißtreibenden Straftraining verdonnert zu werden. "Und nach einer grausamen Halbzeit gegen das Schlusslicht sagte er in der Kabine während der gesamten 15-minütigen Pause keinen Ton - totales Schweigen. Wir sind dann rausgegangen und haben das Spiel noch mit 7:0 gewonnen."

Was Friedhelm Funkel, der Mitte der 1960er Jahre auf dem als Alemannenloch bekannten Sportplatz an der Alemannenstraße (Neusserfurth) an fast schon legendären Fußballschlachten beteiligt war, allerdings wirklich besonders macht, sind seine menschlichen Qualitäten. Der Wahl-Krefelder bekennt sich zu seinen Wurzeln, hat den Kontakt zur Heimatstadt und zu seinen Spielern nie verloren. "Wenn er seine Mutter besucht, kommt er auch regelmäßig bei mir im Büro vorbei", sagt der inzwischen als Coach des A-Kreisligisten Polizei SV Düsseldorf tätige Jörg Gartz, der in der Neusser Innenstadt ein Reisecenter leitet. Dirk Schneider, von Funkel in die erste Mannschaft des VfR 06 geholt und 1989/90 mit 18 Toren am Aufstieg beteiligt, ergänzt: "Er ist wie ein Vater, der seine Jungs verteidigt. Halt einer vom alten Schlag, wie Jupp Heynckes. Diese menschliche Komponente geht im Fußball, wo sich alles nur noch ums Geld zu drehen scheint, so ein bisschen verloren. Nicht bei ihm. Er hat eine ganz besondere Art und Weise, mit seinen Spielern umzugehen. Wer mal unter ihm trainiert hat, vergisst ihn nie mehr." Genauso empfindet Guido Bennecke: "Der Aufstieg ist fest in seiner DNA angelegt. Er verliert nie die Ruhe. Natürlich kann er auch mal laut werden. Aber er ist immer locker, ja auch lustig und stets kommunikativ. Er ist einfach ein super, super, super Typ! So einem gönnt man den Erfolg, selbst als Gladbach-Fan."

Nach dem Coup 1990 mit dem VfR wäre er, versichert der Meistertrainer glaubhaft, gerne noch eine weitere Saison bei seinem Team geblieben. "Aber ich musste mich schweren Herzens trennen, die Verpflichtungen in Uerdingen ließen das einfach nicht zu." Dirk Schneider ist sich jedoch sicher: "Würde sich die alte Mannschaft noch mal treffen, er würde auf jeden Fall kommen."

(NGZ)
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