Reitsport : Für Neuss kann die EM kommen

Die Voltigiererinnen vom "Team Neuss" sind weiter als ihr Verband: Während die Schützlinge von Trainerin Jessica Schmitz gestern ihre neue Kür der Öffentlichkeit vorstellten, weiß noch keiner, wann und wo die Europameisterschaften überhaupt stattfinden in diesem Jahr.

Voltigieren ist so ein bisschen wie Theaterspielen: Zwischen Üben im stillen Kämmerlein und Auftritt im Rampenlicht besteht oft ein himmelweiter Unterschied. Und weil das so ist, wagen sich Voltigierer bereits im Experimentierstadium in die Öffentlichkeit. "Denn vor Publikum aufzutreten, ist für Pferde und Aktive immer etwas anderes", sagt Jessica Schmitz.

Die 29-Jährige muss es wissen. Schließlich bestritt sie nicht nur mit sechs Jahren ihr erstes Voltigiertraining beim RSV Neuss-Grimlinghausen, drei Jahre später hatte sie bereits den Sprung in die erste Mannschaft geschafft. Mit der wurde sie drei Mal Welt- und zwei Mal Europameisterin.

Heute gehört Jessica Schmitz längst zu den Großen in der Trainerszene – erfolgreicher ist eigentlich nur Vorgängerin Agnes Werhahn, die sie deshalb immer mal gerne um Rat fragt. Seit einem Jahrzehnt ist sie für die A-Gruppe des RSV, der Einfachheit halber "Team Neuss" genannt, verantwortlich, führte sie zu vier Deutschen Meisterschaften und dem WM-Titel 2006 in der Aachener Soers.

Was in ihrer Medaillensammlung als Trainerin noch fehlt, ist der Titel eines Europameisters. Das möchten Jessica Schmitz und das "Team Neuss" in diesem Jahr nachholen. Um dieses Unterfangen zu erreichen, unterbrechen Antje Hill und Simone Wiegele sogar ihre erfolgreiche Solokarriere, die sie im Oktober vergangenen Jahres mit Silber und Bronze bei den Weltreiterspielen in Kentucky krönten – trainiert von Jessica Schmitz natürlich. "Weil es mit der Gruppe einfach mehr Spaß macht", sagt das Trio übereinstimmend.

Wie viel Spaß, davon konnten sich die hundert Besucher überzeugen, die gestern Mittag trotz nasskaltem Wetter und Pfützen-übersätem Zugang den Weg in die Starsky-Halle auf dem Nixhof gefunden hatten. Dort gab das "Team Neuss" schon mal einen kleinen Einblick in seine neue Kür, die es nach Möglichkeit bis zu den Europameisterschaften führen soll. Rund gefeilt ist sie noch lange nicht: "Wir haben diesmal ein bisschen später angefangen", sagt Simone Wiegele – auch aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre heraus. Da hatte das Team nämlich die gute Frühform nicht immer halten können oder war wie im Pleiten-, Pech- und Pannen-Jahr 2010 durch Verletzungen zurückgeworfen worden.

Im Moment sind alle fit, und die richtig gute Verfassung, "die benötigen wir erst im Mai", sagt Jessica Schmitz und nahm deshalb die ein oder andere Unebenheit in der gestrigen Darbietung gelassen hin. Hauptsache, Pferd und Voltigierer haben sich schon mal ans Publikum gewöhnt. Wie wichtig das sein kann, zeigte sich zuvor beim Juniorteam, dem Deutschen Meister von 2010: Ein verrutschter Gurt brachte nicht nur die Voltigiererinnen zu Fall, sondern ließ auch den zwölfjährigen Remake mächtig unruhig werden.

Der S-Gruppe blieb solches Missgeschick erspart. Ohnehin sind die Voltigierer viel weiter als ihr Verband. Denn während die Kür des Team Neuss schon Gestalt angenommen hat, hat der immer noch keinen Ausrichter für die Europameisterschaften gefunden.

(NGZ)
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