Jüchen : Für ein Leben ohne Schulden

Immer mehr Jüchener geraten in die Schuldenfalle. Wie Jugendliche sich davor schützen, zwischen Ausgaben für Kleidung, Party und Auto den Überblick zu verlieren, zeigte ihnen jetzt ein Präventionsprojekt der Caritas.

Für Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren schnappt die Schuldenfalle immer leichter zu – das wissen auch die Mitarbeiter der Schuldnerberatung des Caritasverbandes für den Rhein-Kreis Neuss. "Vor allem die neuen Kommunikationsmittel wie Handy und Internet sind gefährliche Taschengeldfresser", sagt Hans-Joachim Kremmers (49), Schuldner- und Insolvenzberater der Caritas.

Deshalb startete jetzt das Präventionsprojekt "Knete, Krisen, Kompetenzen" in den beiden neunten Klassen der Ganztagshauptschule (GTHS) Hochneukirch. Sozialwissenschaftler und Berater Joachim Steinberg (52), der das Projekt für die Schüler anbietet, klärte mit den Schülern in vier Einheiten, wie viel Geld sie zur Verfügung haben, wofür sie es ausgeben und erklärte ihnen die verschiedenen Begriffe rund um das Thema. In der letzten Einheit ging es darum, wie es überhaupt zu Schulden kommt. Dazu hatten die Schüler bereits ihre eigenen Vorstellungen und trafen es ziemlich genau auf den Punkt: "Kaufsucht, unbezahlte Rechnungen und Haben-wollen sind Ursachen für Schulden", waren sie sich einig. Lebhaft diskutierten sie das Problem. "Kosumwünsche, die in jedem von uns stecken, nutzt die Werbung aus. Gerade ihr als Jugendliche seid da besonders anfällig. Für euch bedeutet Lifestyle, In-Sein und Dazugehören viel", erklärte der Berater. "Werbung fördert, dass wir etwas kaufen, was wir gar nicht brauchen – sei es Kleidung, ein Handy oder ein teures Auto."

Erst wenn das Konto gesperrt sei oder der Gerichtsvollzieher vor der Tür stehe, merken die meisten, dass die Schuldenfalle zugeschnappt hat. "Dann nützt es nichts, eine so genannte Umschuldung zu machen. Das führt zu enormen Zinsen." Wichtig sei es dann, die Einnahmen zu erhöhen und Kontakt mit den Gläubigern aufzunehmen. "Viele machen den Fehler, die zahlreichen Briefe gar nicht erst zu öffnen, weil sie es nicht ertragen können, erneut die Forderungen zu lesen – das ist der falsche Weg."

Die Gemeindeverwaltung will besonders junge Menschen auf die drohende Überschuldung aufmerksam machen und hat deshalb das Projekt nach Hochneukirch geholt. "Nachhaltig das Kaufverhalten der Jugendlichen ändern, damit sie nicht die Fehler wiederholen, die möglicherweise ihre Eltern gemacht haben", beschreibt Kremmers das Ziel. Die Tendenz von Jugendlichen, die zu ihm in die Schuldnerberatung kommen, sei steigend. "Oft geht es um Handykosten, Schwarzfahren oder unbedachte Klicks im Internet, die ihnen ein Klingelton-Abonnement bescheren. Dem wollen wir entgegenwirken."

(NGZ)