Korschenbroich : Frühschichten in St. Georg

In der Vorbereitung auf das Osterfest sollen Frühschichten in St. Georg weiterhelfen. Um 6.30 Uhr beginnt der Morgen mit einem gemeinsamen Gebet in der Pfarrkirche. Monika Schmitz kümmert sich um den Inhalt.

Das Lexikon macht es kurz und bündig: "In der Kirche gibt es in der Fastenzeit zusätzliche liturgische Formen der Vorbereitung auf Ostern, indem sich Gemeinden oder Gruppen mehrmals in der Woche oder täglich morgens zu Wortgottesdiensten – so genannten Frühschichten – versammeln." Auch die katholische Frauengemeinschaft (kfd) St. Georg pflegt diesen Brauch. Ihre Mitglieder treffen sich in der Karwoche jeweils um 6.30 Uhr in der Liedberger Kirche zur Andacht. "Was ihr dem Geringsten tut" – das Leitwort des Misereor-Hungertuchs 2011 – ist das Thema dieser Treffen mit Bibellesung, Gebet und Liedern. Danach gibt es Tee oder Kaffee für alle.

Monika Schmitz, geistliche Begleiterin der kfd, freut sich über die Resonanz auf dieses Angebot: "Am Montag waren wir zu zwölft. Damit sind wir zufrieden, denn die Teilnehmerzahl hat sich kontinuierlich gesteigert. Und es kommen ja auch nicht immer die gleichen. Das wechselt von Tag zu Tag."

Schmitz, die die in Würzburg angebotene "Theologie im Fernkurs" studiert hat und am Deutschen Liturgischen Institut in Trier ausgebildet worden ist, kann sich gut daran erinnern, dass die Idee, Frühschichten auszurichten, nach der Gründung der kfd in der Liedberger Gemeinde St. Georg aufs Tapet kam. "Uns war es vor allem wichtig, auch andere religiöse Formen über den Gottesdienst hinaus anbieten zu können", so die Expertin. Am Ende der Veranstaltung drückt sie den Frauen "einen Impuls für Zuhause" in die Hand. Dabei handelt es sich um kleine Pappkärtchen mit den jeweiligen Themen des Tages. Am Montag und gestern ging es um Solidarität und Gewaltfreiheit, heute steht Verantwortung im Mittelpunkt, morgen geht es angesichts des bevorstehenden Festes der Auferstehung Jesu Christi um das "Neue Leben".

Das Betrachten des Misereor-Hungertuchs setzt viele Assoziationen frei, die bei der Vorbereitung auf Ostern in einer Frühschicht weiterhelfen können. Arbeitslosigkeit, Krankheit und Tod ziehen sich wie rote Fäden durch das Werk von Sokey Edorh aus dem afrikanischen Togo, aber auch hoffnungsvolle Aspekte werden nicht ausgespart.

"Eigentlich ist das Hungertuch ein Foto von Lomé", so der renommierte Künstler, der aus der gleichnamigen Hauptstadt Togos stammt. Armenviertel, die bis an riesige Öltanks reichen, große Häuser und viele Menschen auf bunten Straßen hat Edorh gemalt. Aktuelle Elemente wie Bootsflüchtlinge runden das Hungertuch ab. Trotz aller großen und kleinen Katastrophen steht über allem der Königsthron Gottes. Thema des Bildes "Was ihr dem Geringsten tut" ist schließlich Christi Rede vom Weltgericht nach dem Matthäus-Evangelium. Und da bekamen Durstige zu trinken, Hungrige erhielten Brot, und Kranke wurden besucht. Auf dem Hungertuch von Edorh wird das schon Realität.

(NGZ)