Jüchen : Förderschüler suchen Alternative

Wenn die Martin-Luther-King-Schule in Frimmersdorf schließt und mit der Dormagener Schule am Chorbusch fusioniert, dann wird der Schulweg für Jüchener Jugendliche sehr lang. Sie suchen schon jetzt nach Alternativen.

Rund 30 Kinder und Jugendliche besuchen die Martin-Luther-King-Schule in Grevenbroich-Frimmersdorf. Noch. Denn vor dem Hintergrund der Inklusion — Schüler mit Handicap sollen an allgemeinbildenden Schulen unterrichtet werden — und sinkender Schülerzahlen droht der Förderschule für Lernen das Aus. Der Plan der Bezirksregierung Düsseldorf: Sie soll mit der Dormagener Förderschule Am Chorbusch fusionieren. Für die Jüchener Schüler nicht unproblematisch: Wegen der zu erwartenden längeren Fahrzeiten haben die ersten fünf von ihnen bereits die Förderschule verlassen — und eine nahe Alternative in Mönchengladbach-Odenkirchen gefunden.

"Wir gingen zunächst davon aus, dass die Martin-Luther-King-Schule bereits zum kommenden Schuljahr schließen wird", erläutert Bürgermeister Harald Zillikens vor den Mitgliedern im Schulausschuss. "Doch heute hat uns die Stadtverwaltung Grevenbroich mitgeteilt, dass das Thema im Schulausschuss vertagt wurde und dass die Schule mindestens bis zum Schuljahr 2014/15 bestehen bleibt." Eine Fusion am Standort Dormagen bedeutet für die Förderschüler aus Jüchen deutlich längere Schulwege. "Gerade für Kinder und Jugendliche aus Jüchen wäre der Standort Dormagen sehr ungünstig", sagt auch Anne Becker, Leiterin der Martin-Luther-King-Schule. Ihr Schulweg wäre viel aufwendiger.

Da die Zukunft der Förderschule in Grevenbroich unsicher ist, haben sich Jüchener Eltern und Schüler bereits Gedanken über mögliche Alternativen gemacht. Fünf King-Schüler sind bereits in die Nachbarstadt Mönchengladbach gewechselt, an die Förderschule Wiedemannstraße im Stadtteil Odenkirchen, wie Schulleiterin Doris Waßen am Freitag bestätigt: Nach Absprache mit Neuss habe sie sich bereiterklärt, die Luther-King-Schüler aufzunehmen. Für Waßen "ist die Kooperation mit der Gemeinde Jüchen nichts Neues". "Wir haben auch die Kapazität, um weitere Kinder und Jugendliche aufzunehmen", sagt sie. Denn die räumliche Nähe sei gegeben: "Mit dem Bus dauert der Schulweg von Jüchen gerade mal 20 Minuten."

Im Schulausschuss ließ das drohende Ende der Frimmersdorfer Förderschule Georg Broens, den Leiter der neuen Sekundarschule Jüchen, mit dem Kopf schütteln: "Ist wirklich geplant, die Förderschule sofort zu schließen und nicht schrittweise auslaufen zu lassen?", fragte er Bürgermeister Harald Zillikens. Dieser bestätigte die Pläne, die Schule nicht sukzessiv auslaufen zu lassen. Georg Broens nannte diese Entscheidung "unverständlich": "Man kann doch eine Schule nicht von heute auf morgen schließen." Auch er habe bereits Gespräche mit betroffenen Eltern geführt: "An der Sekundarschule haben sich schon zwei Eltern gemeldet, die sehr in Panik waren." Auch die neue Schulform gibt die Möglichkeit für integrativem Unterricht.

(NGZ/ac)