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Korschenbroich: Förderschüler: Streit um Kosten

Korschenbroich : Förderschüler: Streit um Kosten

4100 Euro zahlt die Stadt pro Schuljahr für die Fahrtkosten von Förderschülern. Zwei Schüler reisen aus Kaarst, einer aus Meerbusch an. Im Ausschuss kritisierte Bürgermeister Dick jetzt: "Inklusion heißt auch, am Wohnort zu lernen."

Eine ruhige, harmonische Sitzung erlebten die Mitglieder des Ausschusses für Bildung, Familie, Jugend und Sport — bis circa zehn Minuten vor Ende des öffentlichen Teils: Niemand hatte ihn zu einer Stellungnahme aufgefordert, spontan attackierte Bürgermeister Heinz Josef Dick die Bezirksregierung. "Für mich ist es keine Inklusion, wenn Förderschüler aus Kaarst oder Meerbusch in Korschenbroich beschult werden, und wir als Stadt zuvor noch nicht einmal gefragt werden und die Fahrtkosten bezahlen müssen."

Inklusion, so fuhr Dick fort, bedeute für ihn nicht nur gemeinsames Lernen in regulären Klassen, sondern insbesondere, dass förderbedürftige Schüler in ihrem eigenen sozialen Umfeld, bei ihrer Familie und ihren Freunden aufwachsen dürften. Nur zwei Plätze neben dem Verwaltungschef saß als Gast Schulrätin Christa Banisch, die auf Kreisebene für die Haupt- und Förderschulen zuständig ist. Dick würdigte sie, während er sprach, keines Blickes.

Dick attackiert Bezirksregierung

Der Bürgermeister knüpfte mit seinem Kommentar an eine Mitteilung der Schulamtsleiterin Michaele Messmann an: Für vier Kinder mit Förderbedarf, hatte Messmann kurz zuvor den Ausschuss informiert, zahle die Stadt die Fahrtkosten. Ein Kind reise aus Meerbusch an, zwei aus Kaarst, eines stamme aus Korschenbroich. Pro Schuljahr beliefen sich die Kosten auf 4100 Euro.

Christa Banisch bat zunächst um Nachsicht, der Inklusionsprozess sei noch nicht abgeschlossen. "Es gibt immer Gründe, warum Förderschüler nicht an ihrem Wohnort unterrichtet werden. Oft ist es der Wunsch der Eltern, den wir berücksichtigen. Normalerweise aber sprechen wir mit den Kommunen und Schulen vorher", verteidigte sich die Schulrätin.

Dem widersprach mit Nachdruck Wolfgang Grüe, Schulleiter der Andreas-Schule — der Schule, an dem der Förderschüler aus Meerbusch lernt. "Nein, die Schulen werden nicht gefragt", entgegnete Grüe. "Und ihnen wird dann der Schwarze Peter zugeschoben. Wir können nicht sagen, es wäre besser für die Kinder, an ihrem Heimatort eine Schule zu besuchen. Wir haben keinen Einfluss, die Schüler werden zugewiesen." Er traf einen Nerv. "Sagen Sie nicht, die Kinder werden zugewiesen", fiel Christa Banisch dem Schulleiter erregt ins Wort. Sie wiederholte den Satz mehrmals.

Unterstützung erfuhren Dick und Grüe schließlich auch vom Ausschussvorsitzenden Albert Richter (SPD). "Ich muss dem Bürgermeister vollkommen zustimmen", sagte Richter, bevor er die Diskussion beendete. "Bei der Inklusion sollten Kinder dort unterrichtet werden, wo sich ihr soziales Umfeld befindet."

(NGZ/rl)