Korschenbroich : Fluglärm kein Thema mehr?

Die Lärmschutzkommission wurde 2003 von der Bezirksregierung eingesetzt. Nachdem die Ausbaupläne für den Verkehrslandeplatz vom Tisch sind, soll das Gremium jetzt aufgelöst werden. Die Bürgerinitiativen sind dagegen.

Das Thema Verkehrslandeplatz Mönchengladbach gehört im Norden Korschenbroichs seit Jahren zu den Aufregerthemen. Auch wenn der geplante Ausbau des Regionalflugplatzes seit Herbst 2010 endgültig vom Tisch ist, bahnt sich die nächste Verstimmung an. Die Bezirksregierung Düsseldorf will die 2003 installierte Lärmschutzkommission mit der nächsten Sitzung im Mai auflösen. Kein Verständnis dafür hat Martin Rothe aus Kleinenbroich. Für ihn sind die Probleme vor Ort noch lange nicht gelöst.

"Wir halten an der Lärmschutzkommission gemäß Paragraph 32 b des Luftverkehrsgesetzes fest", erklärt Martin Rothe. Die Flugplatzgegner und Initiativen haben sich seinerzeit zu dem Verein Airpeace zusammengeschlossen. Auch nach dem Aus für den Flugplatz ist der Verein "zum Schutz der Menschen um den Verkehrslandeplatz Mönchengladbach" noch im Einsatz. Das hat Rothe jetzt veranlasst, aktiv zu werden. In einem Brief bittet er die Bezirksregierung "um den Erhalt der Fluglärmkommission am Verkehrslandeplatz in Mönchengladbach". Nur so könnten die Interessen der Bevölkerung qualifiziert vertreten werden. Für ihn gibt es zwei große Probleme: "die vermehrte Lärmbelästigung durch die Triebwerksläufe der RAS-Werft und die Lärmbelastung durch die Flugschule über bebauten Gebieten".

Auch Wolfgang Houben (61) will an der Kommission festhalten. Er vertritt dort die Stadt Korschenbroich, zunächst als Mitglied, seit Herbst 2009 als Vorsitzender. Das Ratsmitglied sieht in dem intensiven Schulflugverkehr – er spricht von über 40 000 Flugbewegungen pro Jahr – und der Lärmbelästigung durch die Werftaufträge triftige Gründe für eine künftige Kommissionsarbeit. Einen versteckten Vorstoß zu einer Flugplatzerweiterung schließt Houben aus. Das Thema hat sich für ihn erledigt: "Der Düsseldorfer Airport hat 2010 erklärt, für zehn Jahre für die Verluste in Gladbach aufzukommen. Damit ist der Flugplatz-Ausbau vom Tisch."

"Lärmschutzkommissionen sind grundsätzlich nur an großen Flughäfen vorgesehen", erklärt Stefanie Paul, Sprecherin der Bezirksregierung Düsseldorf, auf Anfrage. Sie meint mit Blick auf die anderen Verkehrslandeplätze im Regierungsbezirk: "Wir wollen gleiche Verhältnisse schaffen."

Während Wolfgang Houben noch auf Post aus Düsseldorf wartet, flatterte dem Vize-Landrat Hans-Ulrich Klose die Einladung zur Kommissionssitzung bereits gestern in Korschenbroich auf den Tisch. Daraus geht klar hervor, dass die Bezirksregierung die Kommission am 3. Mai auflösen will. Ein Beirat wird als "Kommunikationsplattform" empfohlen. Klose wurde von der Nachricht überrascht. Er will jetzt prüfen, ob es einen juristischen Anspruch auf den Fortbestand der Lärmschutzkommission gibt.

(NGZ)