Jüchen : Fläche für Bürgerwald gesucht

In der kommenden Woche werden 24 neue Bäume in den beiden Bürgerwäldchen gesetzt. Das Areal am "Hamscher Hof" ist damit belegt. Jetzt sucht die Gemeinde nach einer dritten Fläche, denn die Nachfrage ist groß.

Am "Hamscher Hof" in Jüchen und beim Neubaugebiet "Rederhof" hat die Gemeinde Jüchen zwei Bürgerwäldchen angelegt. Die Nachfrage ist so groß, dass das Jüchener Areal mit 89 Bäumen bereits dicht bepflanzt ist; die letzten fünf werden am 17. April gesetzt. Jetzt wird ein geeigneter Platz für ein drittes Wäldchen gesucht. "Diese Fläche muss einige Kriterien erfüllen", so Gemeindesprecher Norbert Wolf.

Seit neun Jahren können Jüchener, Vereine und Institutionen Bäume kaufen und pflanzen, um an besondere Ereignisse zu erinnern. Die Fläche am "Hamscher Hof" wird mit 94 Laubbäumen voll bepflanzt sein. "Für weitere Anpflanzungen müsste zunächst eine Erweiterungsfläche zur Verfügung gestellt werden", so Wolf. Am Rederhof werden künftig 54 Bäume wachsen.

Ein Baum des Gedenkens

Eine Eiche dort hat für Dieter Ohlmann (71), den Vorsitzenden des Fördervereins vom Gemeindearchiv, eine außergewöhnliche Bedeutung. Dieser Baum erinnert an den 1879 geborenen Heinrich Schlösser aus Stessen. Der Kunstschlosser und Lokalpolitiker, der SPD und danach KPD in Gemeinderat und Kreistag vertrat, wurde im November 1943 von den Nationalsozialisten hingerichtet, nachdem er sich für eine bessere Behandlung eines französischen Kriegsgefangenen eingesetzt hatte.

"Eigentlich haben wir dafür gekämpft, dass entweder eine Straße im Neubaugebiet oder das gesamte Bürgerwäldchen den Namen von Heinrich Schlösser tragen sollte", erzählt Ohlmann. Doch nachdem diese Idee keine politische Mehrheit gefunden hatte, habe er sich für einen Baum des Gedenkens entschieden — eine Ergänzung zur Gedenktafel. Was den geschichtsinteressierten Ohlmann dennoch freut: "Karl-Heinz Sablonski, Heinrich Schlössers Urenkel, hat den Baum 2011 gepflanzt. Und ich konnte mit dieser Eiche den Wunsch von Heinrich Schlösser in seinem Abschiedsbrief erfüllen."

Neben der individuellen Bedeutung für die Baumstifter verweist Norbert Wolf auf den ökologischen Nutzen, gerade in einem waldarmen Gebiet wie dem Rhein-Kreis Neuss: "Neues Grün ist wichtig, da täglich für Straßenbau, Siedlungsentwicklung und Gewerbe große Teile der Landschaft versiegelt werden." Junge Bäume wie Stieleiche, Traubeneiche, Rotbuche oder Spitzahorn werden in den beiden Wäldchen ihre Äste ausbreiten.

Die Suche nach einer Fläche für ein neues Bürgerwäldchen wird nicht einfach: "Das Areal muss nicht nur eine gewisse Größe aufweisen, sondern auch über ausreichend Abstand zur Wohnbebauung verfügen", sagt der Rathaussprecher.

(NGZ/rl)