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Jüchen: Feuerwehr übt 24 Stunden den Ernstfall

Jüchen : Feuerwehr übt 24 Stunden den Ernstfall

Für die Jugendfeuerwehr war es ein wichtiger Test: Die jungen Ehrenamtler simulierten spektakuläre Großeinsätze.

Dichter Rauch dringt aus einer Lagerhalle, vier Personen werden in den Flammen vermisst und schreien um Hilfe. Schnell rückt die Feuerwehr an und beginnt mit den Rettungs- und Löscharbeiten. Zum Glück handelt es sich nur um eine Übung, doch trotzdem ist die Aufregung groß. "Wasser marsch!" heißt es vom ersten Angriffstrupp der Jugendfeuerwehr Jüchen, die beim 24-Stunden-Berufsfeuerwehrtag zum gestellten Hallenbrand nach Kelzenberg ausrückte.

"Das Einsatzszenario soll möglichst realistisch auf die Jugendlichen wirken", sagt Gemeindejugendfeuerwehrwart Julian Jungheim. Mit seinen Kollegen hatte er im Vorfeld eine Reihe von Einsätzen für die 23-köpfige Jugendgruppe organisiert, die Eindrücke vom Alltag der Berufsfeuerwehrleute sammeln sollen.

"Die Jugendfeuerwehr begibt sich mit nachgebauten Atemschutzgeräten, Handscheinwerfern, Schlauch und Strahlrohr in der Halle auf Personensuche, während ein anderer Trupp das Gebäude von außen kühlt", sagt Timo Landers, aktives Mitglied der Löschgruppe Kelzenberg. Er begleitet die Jugendfeuerwehr bei der 24-Stunden-Aktion und weiß, worauf es ankommt. Der 23-Jährige war selbst acht Jahre lang Mitglied der Jugendfeuerwehr und steht der Gruppe jetzt mit Tipps zur Seite. Mitten im Geschehen helfen auch Michelle Faust (11) und Christina Lingens (14) bei den Löscharbeiten. Ob Feuerwehr nicht Männersache ist? "Nein", sagen beide entschlossen, "das können Frauen doch genauso gut."

Während Michelle bereits zum zweiten Mal beim Berufsfeuerwehrtag dabei ist, ist es für Christina die Premiere. "Unsere Betreuer haben ganze Arbeit geleistet: Die Einsätze sind spannend, abwechslungsreich und von Routine ist keine Spur", sagt die 14-Jährige, während ihr Kamerad Kevin Steins (14) eine inzwischen aus dem simulierten Feuer gerettete Person "reanimieren" muss. "Die Jugendfeuerwehr arbeitet in diesem Jahr erstmals sehr eng mit den Maltesern in Jüchen zusammen. Die Jugendlichen sollen dabei auch den Alltag der Lebensretter kennenlernen, denn in vielen Städten gehört auch die Rettungsdienstarbeit zur Berufsfeuerwehr", erläutert Feuerwehr-Chef Heinz-Dieter Abels, der sich gemeinsam mit Bürgermeister Harald Zillikens ein Bild von der Übung machte. "Ich bin hier, weil ich den Nachwuchs-Feuerwehrleuten zeigen möchte, dass sie wichtig sind", sagt Zillikens. "Wir müssen rechtzeitig für Nachwuchs in der Feuerwehr sorgen."

Doch nicht nur tagsüber ertönt in der Feuerwache Jüchen der Alarmgong: Es ist 4.07 Uhr am frühen Morgen, als das Einsatzstichwort "Vermisste Person" die Jugendlichen aus dem Schlaf reißt. Schnell schlüpfen sie in ihre Einsatzkleidung, rennen zu ihren Löschfahrzeugen und fahren zur Einsatzstelle, die diesmal auf ein verlassenes Gelände bei Alt-Holz führt. Weil das Areal unübersichtlich und vor allem stockdüster ist, geht schnell die Anforderung nach Verstärkung in der Einsatzzentrale ein — es folgt eine Nachalarmierung.

Diesmal müssen auch Michelle und Christina ausrücken. Beide haben kaum ein Auge zugemacht. Bei diesem Einsatz begleitet die 22-jährige Nina Pferdmenges von der Löschgruppe Waat als erfahrene Feuerwehrfrau die Staffelbesatzung auf dem großen Löschfahrzeug und gibt Ratschläge, wie man bei einer Personensuche vorgeht. Zur Suche kommt eine Wärmebildkamera zum Einsatz, der nach gut einer Stunde erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Auch wenn es sich bei den "vermissten Personen" in Wirklichkeit um zwei aktive Feuerwehrleute handelte — realistisch war diese Übung auf alle Fälle.

(cka)