Jüchen : Feuerwehr-Passat fährt in Hamburg

Der alte Einsatzleitwagen der Freiwilligen Feuerwehr Jüchen ist jetzt als Oldtimer auf den Straßen Norddeutschlands unterwegs. 24 Jahre lang hat der Volkswagen im Einsatz gestanden, nun pflegt ihn ein Hamburger Oldtimerfreund.

Zu etlichen Einsätzen war der VW Passat Variant ausgerückt. Doch nach 24 Jahren im Dienst der Feuerwehr Jüchen wurde der Einsatzleitwagen, dessen Anlasser zum Schluss öfter streikte, vor etwa zwölf Jahren ausgemustert und durch einen Nachfolger ersetzt. Lange Zeit war in Jüchen unbekannt, ob das Feuerwehrfahrzeug, das am Dienstende gerade mal 30 000 Kilometer auf dem Tacho hatte, überhaupt noch existiert.

Doch der rot-weiße Wagen hat ein zweites "Leben". Die Aufschrift "Feuerwehr Jüchen" mit dem Gemeindewappen ziert noch heute die Türen des 36 Jahre alten Pkw. Nachdem der Passat mehrmals seinen Besitzer wechselte, wurde der Oldtimerliebhaber Lutz Baumgaertner aus Hamburg 2007 über das Internet auf das Auto aufmerksam und kaufte es in Schwelm bei Wuppertal. Noch heute besucht er regelmäßig Oldtimertreffen und gewinnt mit seinem Feuerwehrwagen im Jüchener Originalzustand sogar Preise bei Szenetreffen.

"Der Passat aus der ersten Serie des Herstellers VW scheint das deutschlandweit einzige Modell in Feuerwehr-Bauart zu sein", sagt Baumgaertner, der sich auf einige Aussagen von Fachleuten in speziellen Passat-Sammlerkreisen beruft. Das Fahrzeug mit Erstzulassung Mitte der 1970er Jahre bereitet ihm in seiner Freizeit sehr viel Freude. "Mich reizt die historische Bauart sehr", sagt der 45-Jährige, der auch mit dem einwandfreien Zustand des Autos sehr zufrieden ist. "Der VW riecht sogar noch so, als hätte man ihn gerade erst am Werk abgeholt", sagt der Hamburger. In Ahrensburg, nur ein paar Kilometer von seinem Wohnort entfernt, hat er damit bei einem Oldtimertreffen sogar einen Ehrenpreis gewonnen. "Das ist ein echter Hingucker", sagt Baumgaertner, der berichtet, dass er mit dem Wagen nahezu überall auffällt. Neben seinem zweiten Oldtimer, einem Mercedes 280SE aus den frühen 70ern, ist er auch noch ein begeisterter Modellautosammler. "Meinen Feuerwehrwagen habe ich mir aus verschiedenen Modellen im Maßstab 1:60 selbst zusammengebastelt", sagt er stolz.

"Es ist ein ganz anderes Fahrerlebnis als bei den modernen Autos", sagt Baumgaertner zum Passat. Er ist begeistert von der originalen, zeitgenössischen Technik und von der Form seines Autos. Umso lieber fährt der Hamburger bei gutem Wetter: "Es ist für mich zu einer echten Faszination geworden", erzählt er. Die Feuerwehr-Atmosphäre weiß er immer noch sehr zu schätzen – auch wenn Martinshorn und Funkanlage nicht mehr funktionstüchtig sind. Wie Baumgaertner erzählt, sei sein Feuerwehrauto sogar bisher immer ohne Schwierigkeiten durch die TÜV-Prüfung gekommen. "Völlig problemlos hat er bestanden. Nicht einmal Rostspuren weist er auf", sagt er. "Das zeugt von einer sehr guten Pflege der Feuerwehr."

Er würde es sich sehr wünschen, bei der nächsten Jubiläumsfeier der Feuerwehr in Jüchen vor Ort sein zu können, um zeigen zu können, was aus dem alten Einsatzwagen der Gemeinde geworden ist – und dass er immer noch so wie am ersten Tag über die Straßen rollt.

(NGZ)