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Feldhockey: HTC SW Neuss verpasst sich eine weitere Frischzellenkur

Hockey : HTC verpasst sich weitere Frischzellenkur

Lässt es die Corona-Pandemie zu, startet der Hockey-Zweitligist aus Neuss am 5. September in die erweiterte Spielzeit 2019/2021.

Thore Langheinrich und Ben Dammer, beide gerade mal 18, dazu die nur ein Jahr älteren Tim Hagedorn und Samir Khelil, unterstützt von den schon etablierten Konstantin Hayner (20) im Tor und Cedric Heimbach (22) im Sturm – schon in der mit der Rückkehr ins Oberhaus gekrönten Hallensaison hatte beim HTC SW Neuss der Nachwuchs Hauptrollen übernommen. Im angeschlagenen Kapitän Jan Mausberg (21) fehlte sogar noch eine trotz ihrer Jugend längst unverzichtbare Führungskraft. Das lässt hoffen, dass der Deutsche Vizemeister von 2008 (Halle) den schon vor Jahren angekündigten personellen Umbruch tatsächlich schaffen kann.

Am alten Stamm nagt der Zahn der Zeit Den unter Trainer Matthias Gräber endlich mit aller Konsequenz eingeschlagenen Weg hat das Funktionsteam um Stephan Busse in der Corona-Pause fortgesetzt. „Wir haben weiterhin versucht, uns zu verjüngen“, bestätigt der Manager, „um dem möglichen abrupten Cut – bei gleichzeitigem Karriereende der ‘Alten’ – gut entgegenzuwirken.“ Im Klartext: Solange die erfahrene Garde mit Ex-Weltmeister Sebastian Draguhn (36), Ivo Otto (31), Abbas Haider (30), Mario Stümpel (29) und Carsten Merge (28) noch zur Verfügung steht, sollen sich die „Jungen Wilden“ in Position bringen können, den Staffelstab zu übernehmen. Busse: „Damit uns Basti & Co. noch möglichst lange mit ihrer Routine helfen können, brauchen wir frisches Blut.“

Neue Ausrichtung Für den Coach steht daher fest, dass sich der Spielstil gegenüber der nur auf Platz sieben abgeschlossenen Hinserie definitiv verändern wird. „Die Zeiten von, ‘gib’ Basti den Ball, der macht das schon irgendwie’, sind vorbei. Wir brauchen in unserem Spiel mehr Ballkontakte, müssen variabler werden.“ Klappen sollte die Umstellung besser rasch, denn auch wenn sich Draguhn wie kein Zweiter mit dem HTC und seinem Umfeld identifiziert, als Jurist im Vollzeitjob und zweifacher Familienvater sind seine Tage eng getaktet. Auch der aufgrund seiner Dynamik ungemein wertvolle Ivo Otto wird Ende des Jahres zum ersten Mal Papa. Zu ihrer Entlastung zieht Gräber den wieder deutlich agileren und damit laufstärkeren Mario Stümpel ins Mittelfeld.

Das Talent Gräber trägt als Kind des Ruhrgebiets sein Herz auf der Zunge, legt sich bei der öffentlichen Bewertung von Finn Langheinrich aber Zurückhaltung auf. „Er macht schon viele gute Sachen, ist aber noch zu ballverliebt.“ Es gilt jedoch als sicher, dass der 16-Jährige, der in der Halle sämtliche Heimspiele seines Bruders Thore an der Jahnstraße verfolgte, die Mannschaft auf Anhieb verstärken wird. Der ehemalige U16-Nationalspieler kommt wie Tim Hagedorn aus Wuppertal und schaffte Anfang des Jahres bei der DM-Endrunde in der Halle im Trikot des DSD Düsseldorf den Sprung ins All-Star-Team.

Jung und ehrgeizig Gekommen, um zu bleiben ist auch Julius Fingerhut (18), der beim Nachbarn Düsseldorfer HC bestens ausgebildet wurde und daran gewöhnt ist, im Jugendbereich um nationale Titelehren zu spielen. Auch erst 19 Jahre ist Verteidiger Moritz Poganiuch (Düsseldorfer SC.99). Die Neuauflage der Frischzellenkur macht Busse großen Spaß: „Die Corona-Krise hat es uns nicht leicht gemacht, uns zu verstärken. Zum Glück hatten wir schon während der Hallensaison die Fühler ausgestreckt. Wir sind mit dem Erreichten sehr zufrieden.“ Die Neusser Talente Moritz Simon, Vincent Schornstein, Luca Karst und Torhüter Clemens Schütte, zuletzt als Teamkollege von Finn Langheinrich Deutscher Jugendmeister mit dem DSD (alle Jahrgang 2003), drängen ebenfalls in den Zweitliga-Kader. Mit 29 Jahren zwar nicht mehr ganz taufrisch, aber trotzdem prädestiniert für den Titel „Wundertüte der Saison“ ist Rückkehrer Florian von Schreitter (THC Klipper Hamburg).

Polen-Connection Jacek Kurowski kehrt studienbedingt wohl erst im Frühjahr nach Neuss zurück, aber auf Qualität aus dem östlichen Nachbarland muss der HTC auch in diesem Herbst nicht verzichten: Szymon Grinda (Mittelfeld) und Goalie Jakub Hanzel (beide Jahrgang 2001) arbeiteten bereits in Deutschland und wollen nach erfolgreicher Initiativbewerbung nun testen, ob sie stark genug für die zweithöchste Spielklasse sind. Busse: „Sie haben die komplette Vorbereitung mitgemacht und könnten den Sprung in den 18er-Kader schaffen.“

Eine erste Einschätzung  Für Gräber, der in seinem Job weiter von Marcin Pobuta unterstützt wird, steht schon jetzt fest: „Wir sind nicht nur breiter, sondern definitiv auch besser aufgestellt als zu Saisonbeginn 2019.“ Busse gibt sich indes betont defensiv: „Wir wollen schnell die notwendigen Punkte sammeln, um der Abstiegsrunde zu entgehen.“