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Korschenbroich: Fehlende Pflegekräfte bereiten Sorge

Korschenbroich : Fehlende Pflegekräfte bereiten Sorge

Seit über einem Jahr gibt es in Kleinenbroich das Haus Timon speziell für dementiell erkrankte Menschen. Der Bedarf steigt zwar, doch es mangelt an freiwilligen Mitarbeitern im Bundesfreiwilligendienst und qualifizierten Fachkräften.

Der demografische Wandel schreitet voran. Gerade in Kleinenbroich gibt es dafür einen klaren Beleg – und der heißt Seniorenzentrum Haus Tabita. 2004 eröffnet, bietet es inzwischen 80 hilfs- und pflegebedürftigen Menschen eine Heimat. Sie leben in neun Hausgemeinschaften verteilt auf drei Wohnbereiche. Einer davon wurde speziell für dementiell veränderte Bewohner als geschützter Bereich ausgelegt. Weil die Nachfrage genau hiernach immer größer wurde, kam 2012 mit dem Haus Tabita eine neue Einrichtung hinzu. "Der Bedarf für dementiell veränderte Menschen nimmt immer mehr zu. Das Haus Tabita war bereits nach kurzer Zeit voll belegt", sagt Rainer Gerdau, Leiter des Seniorenzentrums.

Doch etwas bereitet Gerdau Sorgen: Die Plätze für den Bundesfreiwilligendienst (BFD), der 2011 den Zivildienst ablöste, sind noch nicht alle wieder besetzt. "Ende September und Anfang Oktober hören neun freiwillige Hilfskräfte bei uns auf, davon können zurzeit nur drei Stellen besetzt werden", beklagt der Leiter der Kleinenbroicher Einrichtung. "Dabei sind wir gerade bei der Arbeit mit dementiell Erkrankten auf diese Hilfskräfte angewiesen." Holger Kremer ist einer der BFDler, wurde durch seine Mutter auf die Altenpflege aufmerksam und blickt gerne zurück: "Das Jahr in Haus Tabita hat mir viel gebracht. Ich habe durch den täglichen Umgang mit den Senioren gelernt, besser auf Menschen eingehen zu können und viel geduldiger zu werden." Seit gestern neu dabei ist Fabian Beschoten (32). Er möchte die Zeit nutzen, sich beruflich zu orientieren und seine Einstellungsvoraussetzungen zu verbessern.

Einrichtungsleiter Gerdau hofft, dass sich noch weitere Interessierte melden. "Wir müssen so lange weitersuchen, bis wir jemanden finden", so Gerdau. Über kleinere Zeiträume können Praktikanten die Löcher stopfen, aber eine dauerhafte Lösung sei das nicht. "Der Bundesfreiwilligendienst ist nicht nur etwas für Abiturienten, sondern auch für ältere Semester, die in einer beruflichen Umbruchsituation stecken", sagt Gerdau.

Das Problem mit Arbeitskräften geht aber noch weiter. "Es gibt einen großen Mangel an Fachkräften in der Altenpflege. Hilfskräfte kann man recht schnell anlernen, aber Fachkräfte werden rar", sagt der Einrichtungsleiter. Für das Seniorenzentrum Haus Timon und Tabita bedeutet das in der Konsequenz: Viele ausbilden, um sich selbst die Fachkräfte heranzuziehen. Doch das bedeute für die angestellten Kräfte mehr Belastung, da sie den Nachwuchs anlernen müssen. Auch der Blick in die Zukunft verspricht wenig Besserung. "Die Situation verschärft sich in der Region noch dadurch, dass sich viele neue Einrichtungen im Bau befinden", sagt Gerdau. Trotz der hohen Nachfrage fehle es den Fachberufen im Bereich der Altenpflege an Attraktivität. "Diese Berufe sind nach wie vor unterbezahlt."

(NGZ)