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Fechter Matyas Szabo beendet Grand Prix in Orléans auf Platz zehn.

Fechten : Matyas Szabo fühlt sich einsam, aber nicht allein

Der Säbelfechter des TSV Bayer Dormagen tritt beim Grand Prix in Orléans zum ersten Mal ohne seine langjährigen Weggefährten Max Hartung, Benedikt Wagner und Richard Hübers an und ist am Ende auch mit Platz zehn zufrieden.

Platz zehn beim Grand Prix zum nacholympischen Restart im französischen Orléans. Alltag für Matyas Szabo. Und doch eine komplett neue Erfahrung für den seit vielen Jahren zur Weltklasse gehörenden Säbelfechter des TSV Bayer Dormagen. Denn an der Loire war er zum ersten Mal nach dem Karriereende seiner Teamkollegen, ach was, zum ersten Mal nach dem Karriereende  seiner Freunde Max Hartung, Benedikt „Peter“ Wagner und Richard Hübers quasi alleine auf die Planche gestiegen. „Nur 2016 bin ich bei einem Turnier mal ohne die Drei angetreten“, erinnert sich der 30-Jährige. Sie jetzt nicht mehr an seiner Seite zu wissen, sei schon komisch gewesen, bekennt er. „Im Moment fühlt sich das sehr einsam an, ist leider so.“

Über gut anderthalb Jahrzehnte hatte das Quartett vom Höhenberg Erfolg an Erfolg gereiht, war gemeinsam Welt- und Europameister geworden, vertrat Deutschland bei den Olympischen Spielen. Sein von den Kameras des öffentlich-rechtlichen Rundfunks festgehaltener Abgang nach der im Duell mit Ungarn so unglücklich verpassten Bronzemedaille war einer der unvergesslichen Gänsehautmomente der Sommerspiele von Tokio. Klar, dass Szabo Zeit braucht, um sich an die neue Situation zu gewöhnen. Natürlich auch im sportlichen Bereich. „Dabei hat sich im Training gar nicht so viel verändert“, sagt er. „Mit den Jungs, mit denen ich jetzt zusammen trainiere, trainiere ich schon seit fünf Jahren. Die sind halt nur deutlich jünger als ich. Die haben andere Themen, aber das ist ganz witzig.“ Auch das große Ziel bleibt gleich: Olympia. 2024 in Paris will Szabo wieder um Edelmetall fechten – sowohl im Einzel- als auch im Mannschaftswettbewerb. In der Einzelkonkurrenz hält er sein Schicksal in den eigenen Händen, so wie 2016, als in Rio de Janeiro der Teamwettbewerb der Säbelfechter nicht zum olympischen Programm zählte. Damals belegte er Rang fünf. Das Ticket mit der Mannschaft zu lösen, dürfte indes eine große Herausforderung werden. Denn während die Konkurrenten aus Ungarn, Korea, Italien, Frankreich und Russland personell nahezu unverändert in den nächsten Zyklus gestartet sind, steht der Deutsche Fechterbund vor einem kompletten Neubeginn. Das Gefühl, von seinen Freunden irgendwie im Stich gelassen worden zu sein, ist Szabo indes fremd. „Ich respektiere deren Entscheidung voll.“

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Jetzt sei es eben an jungen Athleren wie Raoul Bonah (Dormagen/23 Jahre) oder Frederic Kindler (Eislingen/23), sich zu beweisen. „Ich weiß nicht, ob ihnen das gelingt, aber sie müssen ihre Chance nutzen, gerade jetzt nach Olympia, wenn die Konkurrenz noch nicht wieder bei 100 Prozent ist.“ Das gilt auch für ihn. Nach seiner im Halbfinale gegen den späteren Olympiasieger Korea erlittenen Adduktorenverletzung war er erst Anfang Oktober wieder ins Training eingestiegen. Im Kopf noch die süße Erinnerung an den September-Trip durch Italien – von Südtirol bis Montepulciano in der Toskana und an der Westküste zurück bis Alba im Piemont. 15 Städte am Stück, eine traumhafter als die andere.

„Für den Aufwand, den ich betrieben habe, ist Platz zehn beim Grand Prix ganz okay“, findet der Ex-Weltmeister. Als bester deutscher Teilnehmer war er in souveräner Manier ins Hauptfeld der letzten 64 vorgestoßen. Dort bezwang er den Georgier Nicolas Rousset mit 15:11, und durch den 15:13-Sieg über den Franzosen Sebastien Patrice zog er ins Achtelfinale ein. Im Duell mit dem Georgier Sandro Bazadze musste er sich mit 8:15 geschlagen geben und räumt er: „Da habe ich nicht die richtigen Lösungen gefunden.“

Voll angreifen will Matyas Szabo nun erst wieder im neuen Jahr. Im Moment hat sein Praktikum bei der Bayer AG Vorrang. Zudem widmet er sich der Masterarbeit im Rahmen seines Studiums in International Business Management an der Hochschule Fresenius in Köln.