Fechten : Fechter gehen leer aus

Zum ersten Mal seit 2007 sind die deutschen Säbelfechter bei einer Europameisterschaft ohne Einzelmedaille geblieben. Bester aus dem Quartett des TSV Bayer Dormagen war im italienischen Legnano auf Platz sechs der Weltranglistenerste Nicolas Limbach. Morgen folgt der Teamwettbewerb.

Der Arbeitstag von Bundestrainer Vilmos Szabo (Dormagen) bei den Europameisterschaften der Fechter war gestern früher als erwartet zu Ende. Viel früher sogar. Als Letzter seiner bislang vom Erfolg so verwöhnten Säbelfechter verabschiedete sich Nicolas Limbach im Viertelfinale aus dem Turnier. Dass im Einzel damit zum ersten Mal seit fünf Jahren keine Medaille heraussprang, brachte Szabo nicht unbedingt aus der Fassung. "Das ist kein Beinbruch", bilanzierte er nüchtern. "Der Fokus liegt auf Olympia."

Nico Limbach, der trotz des für seine Verhältnisse ausgesprochen bescheidenen Abschneidens Erster der Weltrangliste bleibt, hatte sich in der K.-o.-Runde zunächst gegen den Belgier Seppe van Holsbeke (15:12) und den Ukrainer Dmytro Boyko (15:9) durchgesetzt. Auch im Viertelfinale lag er gegen den Franzosen Bolade Apithy vorne, am Ende jedoch gewann der Elfte der Weltrangliste knapp mit 15:13. "Das kann passieren", nahm TSV-Trainer Olaf Kawald den Vize-Weltmeister in Schutz: "Der Apithy ist schon 'ne echte Hausnummer. Außerdem ist das mit der Trainingsplanung eine ziemliche Bastelei. Der Höhepunkt ist ja erst am 29. Juli in London."

Zweitbester Dormagener in Italien war Max Hartung auf Platz elf. Sein persönliches Highlight hatte der Vorjahresdritte bereits in Runde eins, als er den routinierten Ungarn Aaron Szilagyi, immerhin die Nummer sieben der Weltrangliste, mit 15:14 aus dem Turnier warf. Dafür ließ er sich kurz darauf von Aliaksandr Buikevich mit 5:15 förmlich verprügeln. "So hoch darfst du eigentlich nicht verlieren", monierte Kawald, sah sich aber wieder einmal bestätigt: "Gegen den Weißrussen will kein Fechter gerne antreten. Der ist richtig unangenehm. Gegen den hat bei den letzten Olympischen Spielen auch Nico Limbach mit 14:15 den Kürzeren gezogen." Benedikt Wagner verpasste durch die 13:15-Niederlage gegen den Rumänen Tiberiu Dolniceanu das Achtelfinale. Dies sei zwar ebenfalls kein Beinbruch, sagte Kawald, etwas mehr als Platz 19 hätte es aber schon sein dürfen, fand er. EM-Neuling Matyas Szabo schied in der Runde der letzten 64 mit 11:15 gegen den Ungarn Tamas Decsi aus und belegte Rang 39.

Im Mannschaftswettbewerb am Sonntag erwartet Kawald deutlich mehr Emotionen, "denn dabei geht es auch um wichtige Punkte für die Setzliste bei Olympia." Bereits heute ermitteln die Säbeldamen ihre Einzel-Europameisterin. Der TSV Bayer Dormagen schickt nur Stefanie Kubissa auf die Planche, ihre ebenfalls nominierte Vereinskollegin Anna Limbach ist gesundheitlich angeschlagen zu Hause geblieben. "Schon als sie angekommen ist, war sie leicht krank", erklärt Kawald. "Wir haben natürlich alles versucht, aber die Blutwerte waren so schlecht, dass uns der Arzt von einem Flug abgeraten hat."

(NGZ)