Fechten : Fechter auf Olympia-Mission

Aus heimischer Sicht sind bei der EM in Sheffield alle Augen auf Nicolas Limbach gerichtet. Der Weltranglistenzweite will Edelmetall einbringen. Noch wichtiger ist im Hinblick auf London 2012 indes der Mannschaftswettbewerb.

Anna Limbach und Stefanie Kubissa sind schon seit gestern in England. Für die beiden Säbelfechterinnen des TSV Bayer Dormagen wird es bei den kontinentalen Titelkämpfen bereits morgen Ernst. Die Herren der Schöpfung haben dagegen noch Zeit bis Samstag, Nicolas Limbach, Max Hartung und Benedikt Wagner machen sich daher erst morgen per Flieger auf den Weg nach Sheffield.

Der größte Druck lastet natürlich auf den Schultern von Nicolas Limbach. Der 25-Jährige ist in Topform und in der Weltrangliste als Zweiter zurzeit der bestplatzierte Athlet des Deutschen Fechterbundes. Vor ihm liegt nur der Russe Alexej Yakimenko. Drei Weltcupturniere in Folge beendete der Vize-Europameister von 2010 zuletzt auf dem Siegertreppchen, was Bundestrainer Vilmos Szabo zu dem leicht nachvollziehbaren Schluss bringt, "dass er bei der EM ohne Zweifel zu den Favoriten zählt".

Wagner verdrängt Beisheim

Wichtiger noch als Edelmetall im Einzel ist jedoch das Abschneiden im Teamwettbewerb am Dienstag. Hier geht es für Nicolas Limbach, Max Hartung, Benedikt Wagner, der seinen Vereinskollegen Benedikt Beisheim aus dem EM-Kader verdrängt hat, und Björn Hübner (Tauberbischofsheim) nämlich um die Startplätze für die Olympischen Spiele 2012 in London. Nur die ersten Vier der Weltrangliste sind im nächsten Sommer sicher dabei, dazu kommt pro Kontinent noch ein fünftes Team. Im Moment belegen die deutschen Säbel-Herren hinter Italien und Russland den dritten Platz, auf Rang vier folgen die Rumänen. Bleibt das so bis nach den Weltmeisterschaften im italienischen Catania (8. bis 16. Oktober), darf Deutschland neben der Mannschaft drei Einzelstarter (plus Ersatzmann) nach London schicken.

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Doch der Wettbewerb ist knüppelhart, "da kann jeder jeden schlagen", mahnt TSV-Fechtkoordinator Olaf Kawald. Beim Weltcup-Turnier Ende Juni in New York hatte sich Deutschland im kleinen Finale gegen Italien durchgesetzt und damit hinter Rumänien und Russland den dritten Platz eingefahren.

Bei den Damen gibt es bei Olympia im Säbelfechten keinen Mannschaftswettbewerb, die von ihren Trainern Eero Lehmann und Dan Costache begleiteten Stefanie Kubissa und Anna Limbach können sich also vorrangig auf ihre Einzelstarts konzentrieren. Kawald: "Für beide wäre eine Platzierung unter den besten 16 ein wichtiger Schritt Richtung London." Während die leistungsmäßig auf Berg- und Talfahrten spezialisierte Kubissa (26) zu den arrivierten Kräften im deutschen Team gehört, gelang Limbach (21) beim Weltcup-Turnier in New York mit ihrem achten Platz ein spektakuläres Comeback. "Damit hat sie die Tür nach Olympia aufgestoßen", sagt Kawald: "Anna ist immer für eine Überraschung gut." Die 21-Jährige, die in den USA studiert und trainiert, hatte sich den Feinschliff für die EM am Dormagener Höhenberg geholt.

(NGZ)