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Fatih Cinar, Sportlicher Leiter des KSK Konkordia Neuss, im Interview.

Interview mit Fatih Cinar : „Die Ringer-Matte ist unser Paradies“

Der Sportliche Leiter des Erstligisten KSK Konkordia Neuss ist schon jetzt Feuer & Flamme für die neue Saison.

Allen Unkenrufen zum Trotz, selbst in Fachkreisen hatte es nach der Anfang November abgebrochenen Saison 2020/2021 durchaus Zweifler gegeben, die Ringer-Bundesliga könnte am 4./5. September wieder mit voller Kapelle in die bis zum 18. Dezember gehende Hauptrunde starten. Bis zum Stichtag am 15. Januar haben sich 26 Mannschaften verpflichtend für eine Teilnahme entschieden, darunter auch die Vereine, die im Vorjahr das Angebot des Deutschen Ringer-Bundes (DRB) wahrgenommen hatten, als Reaktion auf die Corona-Pandemie ohne verbandsrechtliche Sanktionen auszusetzen. Auch der im Oktober nach achtjähriger Abstinenz mit riesigem Elan in die Eliteklasse zurückgekehrte KSK Konkordia Neuss will wieder dabei sein. Mit welchen Ambitionen, verrät Fatih Cinar, in Personalunion 2. Vorsitzender und Sportliche Leiter der Neusser Kraftsportler.

Herr Cinar, die Enttäuschung nach dem Saisonabbruch im Herbst war groß, immerhin hatte der KSK bis dahin mit seiner jungen Mannschaft in den Kämpfen gegen die Wrestling Tigers Rhein-Nahe und den ASV Mainz 88 mächtig überzeugt. Wie sieht es jetzt in Ihnen aus, mit der realistischen Aussicht, dass es weitergeht?

FATIH CINAR Wir sind einfach nur glücklich. Das ist für uns eine sehr, sehr emotionale Angelegenheit. Wir brauchen den Wettkampf – die Matte ist unser Paradies.

Haben Sie mit den Planungen denn schon begonnen?

CINAR Wir sind mittendrin. Wir wollen mit 25 Ringern in die Saison gehen und sind da auch schon recht weit. Zwar haben wir noch nicht alle Unterschriften der Jungs, aber das liegt an Corona, wegen des Lockdowns können wir uns mit ihnen im Moment nicht treffen. Natürlich könnten wir das auch anders regeln, aber wir machen das lieber Face-to-Face. Wir wollen mit den Leuten gemeinsam am Tisch sitzen. Aber bislang hat uns auch noch keiner für die Saison abgesagt ...

... bis auf den erst kurz vor der vergangenen Saison verpflichteten Ex-Wittener Daniel Sartakov.

CINAR Stimmt. Ihn hätten wir gerne behalten. Aber zum einen ist uns die Summe, die er verlangt, zu hoch. Zum anderen hat er mir gesagt, dass, wenn im RSV Rotation Greiz ein Verein aus seiner Heimat in der Bundesliga ringt, er wohl dahin zurückkehren werde. Das kann ich voll verstehen.

Aber im Kader stehen zahlreiche Talente mit einem deutschen Pass. Die stehen bei der oft zahlungskräftigeren Konkurrenz doch sicher hoch im Kurs. Kann der KSK zum Kreis der Junioren-Nationalmannschaft gehörende Eigengewächse wie Deni Nakaev oder die Bellscheidt-Brüder Samuel und Aaron tatsächlich halten?

CINAR Klar, gerade diese Jungs, dazu gehört auch der international für Belgien ringende Ayub Musaev, sind bei den Topjägern sehr begehrt. Aber wir gehen in Neuss einen eigenen Weg und setzen zu 100 Prozent auf unsere Leute. Das macht sonst kein Verein in dieser Liga. Dazu ein Beispiel: George Ramm, Freistilspezialist aus England und Dritter der Junioren-EM, würde gerne zu uns kommen. Aber in der Gewichtsklasse bis 66 Kilogramm habe ich schon Ayub Musaev – und ein eigener Ringer hat immer Vorrang, selbst wenn er schwächer wäre als der exportierte Mann. Das wissen unsere Ringer und ist für sie ein starkes Argument, in Neuss zu bleiben.

In Ilyas Abdurashidov steht trotzdem schon eine Neuverpflichtungen für die Gewichtsklasse bis 57 Kilogramm fest. Was ist zu ihm zu sagen?

CINAR Er ist erst 16, hat dreimal für Belgien an den Europameisterschaften der Kadetten teilgenommen. 2017 war er Neunter, 2018 Zwölfter und 2019 Zehnter. Er kommt auf Empfehlung von Ayub Musaev. Die beiden sind in einer Trainingsgruppe und können nun gemeinsam aus Belgien anreisen. Das ist ein großer Vorteil.

Was ist sonst noch personell geplant?

CINAR Wir brauchen in der Gewichtsklasse bis 75/80 Kilogramm noch einen Ersatz für Lom-Ali Eskiev, der in der kommenden Saison zwei, drei Kämpfe im Mixed Martial Arts hat und uns darum nur eingeschränkt zur Verfügung steht.

Können Sie da schon Vollzug melden?

CINAR (lacht) Wir arbeiten dran. Wenn wir keinen finden, muss eben der Fatih ran! Ich bin auf jeden Fall gemeldet. Ich werde Mitte Februar 37 Jahre alt, habe aber gerade meine Ernährung umgestellt und bin schon von 91 auf 84,5 Kilogramm runter. Zur Saison werde ich 77 Kilogramm haben, könnte also in 75 und 80 Kilogramm einspringen. Für die Mannschaft tue ich alles – außerdem gibt es eine Strafe von 250 Euro, wenn du eine Klasse nicht besetzen kannst. Ich bin fit, das habe ich mit Erich Marjalke bei den Masters und im Aufstiegskampf der Landesliga gegen Witten-Annen gezeigt.

Die Identifikation mit dem Verein ist beim KSK eben traditionell groß. Bestes Beispiel dafür ist Hermann J. Kahlenberg, der zwar 2012 nach fast vier Jahrzehnten an der Spitze den Vorsitz abgegeben hatte, aber als Ehrenvorsitzender auch mit bald 76 Jahren noch unverzichtbar ist.

CINAR Ich kenne den Hermann jetzt seit 30 Jahren und kann darum sagen: Ohne ihn geht es nicht voran. Dieses Know-how hat keiner, er ist einfach der Mann. Die Zusammenarbeit mit ihm klappt super, ich möchte ihn als Berater an meiner Seite nicht missen.

Die Debüt-Saison im Oberhaus, so kurz sie auch war, hat gezeigt, dass der KSK mit seiner jungen Mannschaft absolut wettbewerbsfähig ist. Was haben Sie sich für das zweite Jahr vorgenommen?

CINAR Um drin zu bleiben, müssen wir in der Gruppe Nordwest unter die besten fünf Mannschaften kommen. Das müssten wir schaffen, denn unser Ziel sind die Play-offs.

Rechnen Sie denn damit, dass die Saison 2022 trotz Corona mit der Endrunde abgeschlossen wird?

CINAR Klar, wir hoffen, dass die Liga in diesem Jahr komplett stattfinden kann. Auch wenn der KSV Witten und der RC CWS Düren-Merken schon angekündigt haben, dass sie nach der Saison in der dann neuen 2. Bundesliga ringen wollen, haben sich zum Stichtag 15. Januar alle teilnehmenden Vereine festgelegt. Wir sind jedenfalls heiß und können es gar nicht erwarten, endlich durchzustarten.