Basketball : Fataler Wild-West-Stil

Nach über weite Strecken vogelwilder Spielweise unterlieg Basketball-Zweitligist TG Neuss dem Neuling Eintracht Braunschweig mit 73:77.

61:64 in Opladen, 52:59 gegen Hagen, 79:81 in der Verlängerung beim Aufsteiger TSV Krofdorf-Gleiberg und nun 73:77 (Halbzeit 45:34) in heimischer Halle gegen den Neuling Eintracht Braunschweig — die Zweitliga-Basketballerinnen der TG Neuss scheinen knappe Niederlage zu einer fatalen Angewohnheit zu machen. Weil das jedoch nicht nur mit fehlendem Glück zu erklären ist, bekennt inzwischen selbst die so ehrgeizige Neusser Trainerin Janina Pils: "Ich bin ratlos."

Stellvertretend für den zum Teil vogelwilden Auftritt der Gastgeberinnen war die Schlussphase der Partie: Mit noch genau zwei Minuten auf der Spieluhr trifft Connie James zum 73:72, im Gegenzug kontert Alysha Womack mit dem 74:73 für die Eintracht. Die beiden folgenden Neusser Angriffe verdirbt Aufbauspielerin Hannah Wischnitzki mit überhasteten Ballverlusten, auf der anderen Seite markiert Suska Berger das 76:73 für Braunschweig. Da ist noch eine Minute zu spielen. Nun bringt selbst James das Leder nicht mehr im gegnerischen Korb unter. Neuss muss foulen, um die Uhr zu stoppen. 30,5 Sekunden vor dem Ende nutzt Womack, für die schließlich 28 Punkte zu Buche stehen, einen ihrer beiden Freiwürfe zum 77:73. Die TG ist nun gezwungen, ihr Glück von jenseits der Drei-Punkte-Linie zu versuchen, doch sowohl Sarah Stock als auch Annika Klein treffen nur den Ring. Die sechste Niederlage in Folge, davon fünf in der Liga, ist perfekt.

Dass die Neusserinnen in den letzten gut fünf Minuten der Partie nur noch vier Punkte erzielten, spricht Bände über den Vortrag im Wild-West-Stil. Festzumachen ist der vor allem an den beiden Wischnitzki-Schwestern. Ihre größten Stärken — Mut, Frechheit und bedingungsloser Einsatz — sorgen im Angriff stets für viel Wirbel, führen jedoch zu ungesunder Hektik. Ihre ungestüme Spielweise funktioniert dann am besten, wenn sich ihr Team in der Defensive Ballgewinne sichert und damit die Verteidigung des Gegners in Unordnung bringt. Im gebundenen Angriffsspiel, dem so genannten Set-Play, verwirren sie ihre Mitspielerinnen indes. Nun wäre es ungerecht, die Niederlagenserie an einzelnen Spielerinnen festzumachen, denn auch gegen die extrem routinierten Braunschweigerinnen lag die TG zwischenzeitlich mit 35:21 (13.) und 43:29 (17.) vorne. Aber etwas mehr Ruhe in der Offensive würde sicher auch die lange Garde produktiver ins Spiel einbinden. Vor allem die eigentlich so treffsichere Julia Kleen geht am Zonenrand völlig unter — auch am Samstag gelangen ihr lediglich sechs Punkte, allerdings hatte sie auch nur fünf Versuche. Viel zu wenig für die als Leistungsträgerin auserkorene Kapitänin.

Für Pils steht jedenfalls fest: "Entweder die Mannschaft lernt daraus oder wir spielen gegen den Abstieg."

(NGZ)