Handball : Fans protestieren gegen HBL

In einem offenen Brief wenden sich 28 Handball-Fanclubs aus Erster und Zweiter Liga, darunter "TSV-Fanpower 09" aus Dormagen, an die Handball-Bundesliga. Ihre Sorge: Die "Regelungswut" nehme dem Sport die Emotionen

Sie nennt sich gerne selbst "die stärkste Liga der Welt". Die Fans des TuS Nettelstedt-Lübbecke haben der Handball-Bundesliga (HBL) jetzt ein neues Etikett verpasst: "die stillste Liga der Welt".

Doch nicht nur die ostwestfälischen "Red Devils" machen ihrem Unmut über die "Regelungswut" der HBL lautstark Luft: 28 Fanklubs aus 20 Vereinen der Ersten und Zweiten Liga, darunter "TSV Fanpower 09" aus Dormagen, haben sich jetzt in einem offenen Brief an die HBL-Geschäftsstelle gewandt. Ihre Sorge bringt Georg Weidmann vom Fanclub "Evergreen" aus Göppingen, der den Brief initiiert hat, auf den Punkt: "Die Fanclubs wollen und werden nicht mehr länger untätig zusehen, wie der Sport, den wir lieben und der zu einem großen Teil von seinen Emotionen und der Nähe zu seinen Fans lebt, von Funktionären zunehmend sterilisiert wird. Auch die Akteure selbst haben immer größere Probleme, den ausufernden Regeln der HBL Folge leisten zu können und zu wollen."

Konkret stoßen (nicht nur) den Fans drei zur Saison 2011/12 neu in die "Durchführungsbestimmungen" der HBL aufgenommene Regelungen sauer auf: Spielfeld Das Spielfeld darf die ersten fünf Minuten nach Spielschluss nicht betreten werden. Hallensprecher Die Hallensprecher —diese Regelung gilt zunächst nur für die Erste Liga — dürfen nur noch Name und Trikotnummer eines Torschützen sowie den Spielstand nennen, Aufforderungen an die Zuschauer haben explizit zu unterbleiben. Schiedsrichter Alle an einem Spiel Beteiligten (Spieler, Trainer, Betreuer, Mannschafts- und Vereinsverantwortliche) dürfen sich 48 Stunden nach einem Spiel nicht über Schiedsrichter äußern. Verstöße gegen alle drei Regeln können mit Geldbußen bis zu einer Höhe von 5000 Euro geahndet werden.

Vor allem die letzte Bestimmung stößt bei Spielern und Trainern auf Kritik und Unverständnis: "Streng genommen darf ich die Schiedsrichter noch nicht einmal loben", sagt Richard Ratka, Trainer des DHC Rheinland. Sein Mannschaftskapitän Tobias Plaz fragt sich, "wie das zum Recht auf freie Meinungsäußerung passt? Schiedsrichter gehören genau so zu einem Spiel dazu wie wir Spieler. Dürfen wir demnächst auch 48 Stunden lang nicht kritisiert oder gelobt werden?"

So weit will die HBL wohl nicht gehen. "Es ist nicht unsere Absicht, den Handball zu sterilisieren", erklärte Geschäftsführer Frank Bohmann als Reaktion auf den Brief gegenüber dem Sport-Informations-Dienst (sid). Eine Rücknahme der Regelung schloss er, zumindest für diese Saison, aus, kündigte aber an, "in einen Dialog mit den Fans" zu treten. Falls er dafür Zeit findet. Denn wie der sid ebenfalls vermeldet, droht der HBL am Saisonende der Ausstieg ihres Werbepartners Toyota.

(NGZ)