Lokalsport: Expresszug rast mit Rekord auf Rang vier

Lokalsport: Expresszug rast mit Rekord auf Rang vier

Bei der Bahnrad-WM in Apeldoorn fährt Nils Schomber in der Mannschaftsverfolgung nur knapp an Bronze vorbei.

Schon seit 2002 wartet der deutsche Bahnvierer in der Mannschaftsverfolgung über 4000 Meter auf eine WM-Medaille. Auch bei den Weltmeisterschaften in Apeldoorn verpasste der BDR-Express Bronze, war im kleinen Finale in 3:56,594 Minuten aber weniger als zwei Sekunden langsamer als Europameister Italien. "Eine ganz starke Leistung", lobte Bundestrainer Sven Meyer seine Schützlinge.

Zu Recht, denn Felix Groß (Leipzig), Theo Reinhardt (Berlin), Kersten Thiele (Erfurt) und Nils Schomber stellten zudem einen neuen Deutschen Rekord auf, verbesserten die bisherige Bestmarke von den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro (3:56,903 Minuten) um gut drei Zehntelsekunden. Und das auf der nicht als besonders schnell bekannten Bahn in Apeldoorn. "Wir sind mit der Vorgabe Top-Acht reingegangen. Italien ist aktuell besser, das war das Optimum", sagte Reinhardt. Im Finale um Gold schlug Olympiasieger Großbritannien das Team aus Dänemark. Die Briten, 2016, angeführt von Superstar Bradley Wiggins, ganz nach oben aufs Podest geschwebt, hatten Deutschland im direkten Duell den Weg ins Finale verbaut. "Die waren für uns nicht zu schlagen", räumt Schomber ein. Der beim VfR Büttgen ausgebildete Wahl-Neusser war in der Qualifikation, die Maximilian Beyer, Groß, Thiele und Reinhardt in der Zeit von 3:57,447 Minuten auf Platz vier abgeschlossen hatten, ebenso geschont worden wie in Runde eins.

Im Kampf um Bronze schlug dann die Stunde des 23-Jährigen, dessen Leistung entscheidend dazu beitrug, die halbe Sekunde auf den Rekord gutzumachen. Gegen starke Italiener hielt er das Rennen mit seinen Kollegen lange offen, musste sich erst auf dem letzten Kilometer geschlagen geben. Den Vorstoß unter die Top-Vier hatte Schomber im Vorfeld für durchaus möglich gehalten, "als wir dann wirklich im kleinen Finale standen, hat mich das aber schon überrascht", gibt er zu.

Schließlich war die Vorbereitung alles andere als rund verlaufen, außerdem bastelt und feilt der Bundestrainer seit Platz fünf in Rio an der perfekten Formation für die im Sommer beginnende Qualifikation für Tokio 2020. So probierte Meyer in Apeldoorn den erst 19-jährigen Felix Groß als Anfahrer auf der Position eins aus. Mit durchschlagendem Erfolg, findet Schomber: "Felix hat einen Riesenjob gemacht."

Aufgrund der etwas problematischen Vorbereitung (schwerer Sturz im Sommer auf der Straße, Bundeswehrverpflichtungen) war der Neusser bei der WM vor Reinhardt auf Position drei zum Einsatz gekommen. Er geht freilich davon aus, dass er langfristig wie schon in Rio auf der "Königsposition zwei" Vollgas geben wird. Die musste er in den Niederlanden an Kersten Thiele abtreten. "Aber wenn bei mir die Form stimmt, ist das normalerweise meine Position", stellt er klar - und verabschiedete sich damit bis zum Höhentrainingslager in Mexiko (ab 2. April) in den Heimaturlaub.

In den nächsten Wochen dürfte der Sportsoldat häufiger in der kleinen Schrauberwerkstatt in Jüchen zu finden sein. Dort werkelt er gemeinsam mit seinem Bruder Max an einem seiner inzwischen drei Alfa-Romeo-Oldtimern herum. Die Restauration alter Schätzchen aus italienischer Produktion könnte irgendwann durchaus in eine berufliche Laufbahn münden, verrät er. Doch das ist Zukunftsmusik - für den Moment zählt nur Tokio 2020.

(NGZ)