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Ex-Korschenbroicher Tom Wolf mit Konstanz vor Rückkehr in den Rhein-Kreis Neuss

2. Handball-Bundesliga : Leere Ränge bei Rückkehr in alte Heimat

Tom Wolf spielte drei Jahre für den TV Korschenbroich. Inzwischen läuft er für den Zweitligisten HSG Konstanz auf. Am Mittwoch gegen den TSV Bayer Dormagen kehrt er erstmals zu einem Punktspiel in den Rhein-Kreis Neuss zurück.

Eigentlich wäre Tom Wolf mit der HSG Konstanz schon im Frühjahr in seine alte sportliche Heimat zurückgekehrt, um erstmals seit seinem Abschied vom TV Korschenbroich im Jahr 2016 mal wieder ein Punktspiel im Rhein-Kreis Neuss zu bestreiten. Doch dann machte die Corona-Pandemie nicht nur den Handballern in der 2. Bundesliga einen Strich durch die Rechnung – es kam zum Saisonabbruch. Somit konnte dann auch das vorgesehene Gastspiel der Konstanzer beim TSV Bayer Dormagen nicht über die Bühne gehen. Doch auch wenn das Coronavirus die Republik immer noch fest im Griff hat, sieht es so aus, als sei Wolfs sportliche Rückkehr nur verschoben worden. Denn die HSG begibt sich am heutigen Mittwoch auf die rund 550 Kilometer lange Busfahrt, um sich am Höhenberg ab 19.30 Uhr mit den Dormagenern zu messen.

„So ein Spiel in der Heimat ist normalerweise etwas ganz Besonderes, weil viele Menschen kommen, die man kennt“, sagt Tom Wolf. Doch was ist in diesen Tagen schon normal. Im TSV-Bayer-Sportcenter erwartet beide Mannschaften jedenfalls wieder ein Geisterspiel, so dass es ganz allgemein nicht möglich ist, von den Rängen Emotionen aufzusaugen. Und im speziellen Fall von Tom Wolf muss er folglich auch auf die Unterstützung von Familie und Freunden verzichten. Und die wäre ganz bestimmt ziemlich üppig ausgefallen. Schließlich hat der inzwischen 26-Jährige mit dem Spezialgebiet Rückraum-Mitte viele Jahre im Handball der Region verbracht.

Nach seiner Jugend die längste Zeit verbrachte Tom Wolf zunächst beim TV Korschenbroich, wo er von 2013 bis 2016 in der 3. Liga aktiv war. „Das war eine super Zeit in einem tollen Verein, aber ich habe leider mehr auf der Tribüne gesessen als auf dem Feld gestanden“, erinnert sich Tom Wolf. Damals hing ihm ein unglaubliches Verletzungspech nach, unter anderem setzten ihn eine Achillessehnen-Operation und ein Wadenbeinbruch lange außer Gefecht. Weil er einfach nicht dauerhaft auf die Füße kam, fasste er in seinem dritten Jahr beim TVK einen schweren Entschluss. Mit einem Wechsel zum damaligen Oberligisten DJK Adler Königshof machte er zunächst mal zwei Schritte zurück, um zu gucken, ob es überhaupt noch Sinn hat, seinen Körper dauerhaft den Strapazen des Leistungshandballs auszusetzen.

 Tom Wolf (l.) mit seinem Vater Dirk und seinem Bruder Mats. In der Familie hat Handball schon immer eine große Rolle gespielt.
Tom Wolf (l.) mit seinem Vater Dirk und seinem Bruder Mats. In der Familie hat Handball schon immer eine große Rolle gespielt. Foto: Wolf

Im Nachhinein genau die richtige Maßnahme, um die Karriere wieder in Schwung zu bringen. Denn mit seinem Vater Dirk als Trainer und an der Seite seines drei Jahre jüngeren Bruders Mats, beide mittlerweile beim TV Korschenbroich im Einsatz, fand er offenbar ein Umfeld vor, dass im half, aus der Spirale von Verletzungen und Rehabilitation auszubrechen. „Da hatte ich viel weniger Druck und Zeit, um mehr für mich zu tun“, sagt Tom Wolf. Um mit seinem Bruder Mats, ebenfalls ein Mittelmann, gemeinsam auf dem Feld stehen zu können, wich er sogar in den linken Rückraum aus. Sein Vater Dirk gab ihm die nötigen Freiheiten. „Wir drei zusammen, das war schon etwas ganz Besonderes“, weiß Tom Wolf.

Kein Wunder, schließlich spielte Handball bei Familie Wolf aus Anrath von Anfang an eine große Rolle. Vater und Mutter standen selbst auf der Platte. „Mats und ich haben früh angefangen, unser Sport war immer unser Hauptthema“, sagt Tom Wolf. Als er bei den Adlern aus Königshof wieder regelmäßig spielen konnte, kam über einen Mannschaftskameraden der Kontakt zu André Melchert, aus Velbert stammender Sportlicher Leiter bei der HSG Konstanz, zustande. Dass er letztlich im äußersten Süden der Republik angeheuert hat, um Handball zu spielen, hat Tom Wolf nicht bereut. Direkt am Bodensee mit den Alpen in Sichtweite lässt es sich gut leben und studieren (Psychologie), der Verein wird familiär geführt und bietet Rückhalt. Da war es auch keine Katastrophe, als Wolfs erste Saison mit dem Abstieg endete. Gleich in der Spielzeit darauf gelang die Rückkehr in die 2. Bundesliga.

So ist auch eine Rückkehr in die alte sportliche Heimat möglich. „Mein erstes Spiel in Dormagen als Nicht-Korschenbroicher“, sagt Tom Wolf. Dass ihn keine Wegbegleiter aus alten Zeiten und auch keine Familienmitglieder, sondern leere Ränge erwarten, bedauert er zwar, nimmt es aber professionell: „Das ist nun mal die Situation, und wir müssen lernen, damit umzugehen.“ Auch kurze Treffen nach dem Spiel sind noch nicht geplant. Wenn, dann ist Spontanität gefragt. Jetzt gilt die volle Konzentration zunächst der Partie am Höhenberg, um die Rückkehr in den Rhein-Kreis möglichst mit dem zweiten Saisonsieg zu versüßen.