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Basketball: Ex-Jockey spielt Rollstuhl-Basketball

Basketball : Ex-Jockey spielt Rollstuhl-Basketball

Seit einem schweren Reitunfall im Mai 2009 auf der Rennbahn in Köln-Weidenpesch ist Peter Heugl querschnittsgelähmt. Doch der inzwischen 42 Jahre alte Sportler nahm sein Schicksal an. Er unterrichtet mittlerweile in der Kölner Jockeyschule und ist für einen Internet-Wettanbieter tätig.

Im Mai 2009 hat sich das Leben des aus Wien stammenden Jockeys Peter Heugl in wenigen Sekunden dramatisch verändert. Bei einem Trainingsgalopp auf der Rennbahn in Köln-Weidenpesch überschlug er sich mit der Stute Navira und trotz der sofort von Trainer Waldemar Hickst eingeleiteten Maßnahmen mit Rettungshubschrauber und einer Not-OP in der Uni-Klinik blieb nach der Fraktur des sechsten Brustwirbels und einer Lungenquetschung am Ende eine Querschnittlähmung und der Rollstuhl.

Der 42-jährige Sportler nahm sein Schicksal an. Nach 400 Siegen im Rennsattel unterrichtet er mittlerweile in der Kölner Jockeyschule, ist für einen Internet-Wettanbieter als Berater tätig und dreimal in der Woche spielt er Rollstuhl-Basketball. Über den ebenfalls nach einem Unfall querschnittgelähmten Jockey-Kollegen Peter Gehm kam er zur TG Neuss. Gehm hat mittlerweile den Verein gewechselt, spielt klassenhöher in Bonn. Peter Heugl aber kommt mit seinem PKW ständig zum Training und zu den Spielen der Landesliga-West in die verwunschen liegende Sporthalle der TG Am Kirschbäumchen in Weckhoven, wo aufgrund der geringen Abstände an den Seiten zur Wand kein Handball mehr gespielt wird, aber für den Rollstuhl-Basketballsport reicht es doch noch.

Obwohl: Peter Heugl braucht die Hilfe eines Mannschaftskameraden, weil er "zu breit" ist für den direkten Eingang auf das Feld. Es muss erst ein Rad an dem Spezial-Rollstuhl abgeschraubt werden, ehe es losgeht. Aber das nimmt man im Team mit Gelassenheit, auch die Hilfe aus dem Auto wird geräuschlos geleistet und eben schnell noch ein Reifen aufgepumpt. Bis zu 5000 Euro kostet das rollende Sportgerät mit einem Gewicht von rund zehn Kilogramm.

Der Sport mit dem Rollstuhl, dem Basketball und den Würfen auf die Körbe ist erheblich komplizierter als vermutet. Heugl gesteht auch ein: "Meine Mitspieler brauchten schon Geduld. Außerdem war ich überhaupt kein Mannschaftssportler. Damit habe ich aufgehört, als ich mit 15 Jahren beim Heeressportverein Wien Fußball gespielt habe, aber nur 39 Kilogramm wog." Es folgte dann die Ausbildung zum Jockey und später die Übersiedlung nach Deutschland. Seinen Job bei Trainer Waldemar Hickst hatte er erst zwei Wochen vor dem Unfall angetreten. Im Rollstuhl-Basketball sind gemischte Teams üblich und bei den fünf Spielern pro Mannschaft dürfen auch zwei Nichtbehinderte mitmachen. Zimperlich geht es weder im Training noch in den Spielen zu und das Regelwerk ist in groben Zügen dem normalen Basketball angeglichen. Man darf den Ball keineswegs einfach auf den Schoß nehmen und losrollen. Das wird als Schrittfehler gepfiffen.

(NGZ/jco)