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Korschenbroich: "Ewiger" Schützenkönig seit 50 Jahren im Amt

Korschenbroich : "Ewiger" Schützenkönig seit 50 Jahren im Amt

Er war der letzte Schützenkönig der Dorfgemeinschaft Scherfhausen und dankte formal nie ab: Helmut Gläser und sein kurioses Jubiläum.

Streng formal gesehen ist Helmut Gläser (75) der dienstälteste Schützenkönig im weiten Umkreis. 2013 könnte er eigentlich sogar sein 50-Jahr-Jubiläum als König feiern: Weder hat er 1963 abgedankt, noch gab es bei der seit Mai von Josef Heckmanns geleiteten Dorfgemeinschaft Scherfhausen jemals einen Nachfolger für deren letzten König. "Eigentlich bin ich es noch immer", meint Helmut Gläser scherzhaft. Das im Juni gefeierte Dorffest gab es bis 1963 nicht nur im Drei-Jahres-Turnus, sondern jährlich. Es war eine Kirmes, zu der auch ein Schützenkönig gehörte. Der kam meist aus den Reihen von Scherfhausener Zügen des heute von Hubert Tokloth geführten Schützenvereins Glehn.

Blick ins Geschichtsbuch: Helmut Gläser war vor 50 Jahren Schützenkönig in Scherfhausen. Als Königin stand ihm Ehefrau Else zur Seite. Foto: ON

So ist es auch bei Helmut Gläser gewesen. Gemeinsam mit Offizier Hermann-Josef Krapohl gehört Spieß Helmut Gläser zu den beiden noch verbliebenen Männern der ersten Stunde, die 1955 den Jägerzug "Waidmannsheil" gründeten. "Vielleicht schaffen wir ja noch das 60-Jahr-Jubiläum", blickt Gläser bereits auf das Glehner Schützenfest 2015 voraus. "Früher gab es sechs bis sieben Züge aus Scherfhausen, heute sind es nur noch drei", erinnert er an die Zeiten, als es dort noch einen eigenen König gab.

Ermittelt wurde dieser auf ungewöhnliche Weise. "Ich kam aus dem Urlaub zurück und wurde mit dem Königssilber empfangen. Das Los war auf mich gefallen", berichtet Gläser. Seinem Amtsantritt stand ein Hindernis entgegen, das heutzutage seltsam anmutet: Helmut Gläser ist evangelisch. Heute ist das auch in katholischen Bruderschaften kein Problem mehr, aber vor einem halben Jahrhundert war es ein heißes Eisen. Bis in Gläsers Zug hinein, wo er die Abstimmung, ob er sein Amt überhaupt antreten solle, knapp mit 5 zu 3 Stimmen gewann.

Alte Fotos zeigen den König aus dem "kleinen" Scherfhausen gemeinsam mit dem damaligen Glehner König Heinrich Gau und anderen Galionsfiguren des dortigen Schützenvereins: Johann Schneider war damals Präsident und August Heidemann Kassierer des Schützenvereins. Auch in der Kleinenbroicher St.-Sebastianus-Bruderschaft marschierte Helmut Gläser zeitweilig mit. Sein Schwiegervater war dort zweimal König, während sein Sohn Thomas Jungschützenkönig war.

Unvermindert geblieben ist seine Verbindung zu seinem Scherfhausener Jägerzug und zu den Glehner Schützen, mit deren 2012 verstorbenem Chef Udo Brockers er befreundet war. Dass es mit den Scherfhausener Königen 1963 ein Ende fand, lag daran, dass die Gaststätte Poschen als "Hauptstandort" der Dorfgemeinschaft in eine Werkstatt umgewandelt wurde.

(NGZ)