Lokalsport : Es geht weiter

"Radfahrer" sind in einer Verwaltung nicht sonderlich beliebt. Das Neusser Rathaus bildet da eine Ausnahme. Hier stehen Radsportler ganz hoch im Kurs, seit Bürgermeister Herbert Napp sein Herz für publikumsträchtige Radsportereignisse entdeckt hat.

Deshalb hat sich der frühere Hockey- und aktuelle Golfspieler für eine Bewerbung seiner Stadt als Etappenort der Tour de France stark gemacht.

Den Zuschlag für die "Deutschland-Tour" hat Napp bereits bekommen. Die macht am 4. September, aus dem Sauerland kommend, in Neuss Station, als Zielgerade ist die Augustinusstraße auserkoren. Tags darauf startet das Peloton vom Markt Richtung Niederrhein auf die drittletzte Etappe.

Den genauen Streckenverlauf darf Hans Mietzen - beim Stadtpressesprecher laufen die radsportlichen Organisationsfäden im Rathaus zusammen - noch nicht verraten, der soll am 1. April bekannt gegeben werden.

Nur so viel: Am Donnerstagnachmittag wird der Tross voraussichtlich auf der Fleher Brücke den Rhein überqueren und über die B 9 durch Grimlinghausen und Gnadental Richtung Zielankunft rollen.

Am nächsten Morgen steht eine innerstädtische Runde auf dem Programm, "wegen der schönen Fernsehbilder wahrscheinlich über Kaiser-Friedrich-Straße und Drususallee," sagt Mietzen.

Einem erklecklichen Teil des Fahrerfeldes dürfte dieser Streckenabschnitt bekannt sein. Schließlich kämpfen sie hier seit sechs Jahren um den Sieg bei der "Tour de Neuss."

Deren siebter Auflage, traditionell für den Mittwoch nach der Zielankunft der Tour de France - in diesem Jahr der 30. Juli - im Radsportkalender eingetragen, scheint nichts mehr im Wege zu stehen.

"Wir wollen die Tour de Neuss im Sinne von Friedhelm Hamacher weiterführen", sagt Stephan Hilgers. Der Zweite Vorsitzende des Neusser Radfahrervereins (NRV) gibt zu, dass die "Macher" der Tour nach dem Tod ihres Vorsitzenden erst einmal einige Zeit gebraucht hätten, um sich zu sammeln und neu aufzustellen. Diese Phase sei abgeschlossen, ab sofort werde mit Hochdruck an der Neuauflage gearbeitet.

Das Wichtigste: "Der Finanzrahmen steht zu einem guten Teil", sagt Hilgers. So hat vor allem Haupt- und Titelsponsor SKg-Getränke sein Engagement wieder zugesagt.

"Wir sind von Anfang an dabei, deshalb stand das für uns außer Frage", erklärt Inhaber Jörg Schillings, der das Engagement auch unter einem zweiten Aspekt sieht: dem logistischen. "Bei dieser Großveranstaltung können wir zeigen, was wir drauf haben und uns für andere Events empfehlen."

Möglicherweise für die Deutschland-Tour. Die soll schließlich auch, auf dem Parkplatz vor der Stadthalle, ein Rahmenprogramm erhalten. Nicht der einzige "Synergieeffekt", den sich Herbert Napp von den beiden Radsport-Großereignissen erhofft.

"Dass wir uns überhaupt beworben haben, hat sehr viel mit dem Erfolg Ihrer Veranstaltung zu tun", stellt der Bürgermeister klar. "Dass wir auf die Begeisterung der Neusser anlässlich der Tour de Neuss verweisen konnten, hat sich sehr positiv auf unsere Bewerbung ausgewirkt", stößt Mietzen ins gleiche Horn.

Deshalb, kündigt Napp an, werde sich die Stadt logistisch wie finanziell "in gleichem Maße bei der Tour de Neuss engagieren" wie in den vergangenen Jahren. Auch der Sportausschuss hat in der vergangenen Woche 6 500 Euro aus dem Topf für herausragende Sportveranstaltungen für die Tour de Neuss zur Verfügung gestellt. Im Gegensatz zum Vorjahr, wusste Rolf Knipprath zu berichten, "ohne jede Diskussion."

Trotzdem soll das Thema Doping und Dopingprävention im Vorfeld der Tour de Neuss eine Rolle spielen. "Wir überlegen, wie wir uns in das 'Neusser Modell' einbringen können", sagt Stephan Hilgers. Schließlich wünscht sich Herbert Napp, dass man "Neuss in Zukunft nicht nur mit Radsport, sondern mit sauberem Radsport in Verbindung" bringt.

(NGZ)