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Erstes Reitturnier im Rhein-Kreis sein Beginn der Corona-Pandemie

Pferdesport : Im Rhein-Kreis wird wieder geritten

Genau 110 Tage hat der „Lockdown“ aller Reitturniere im Rhein-Kreis Neuss gedauert, nun geht es vorsichtig wieder los. Bis Ende August stehen drei Veranstaltungen auf dem Programm, beginnend am Wochenende mit einem Dressurturnier auf Gut Altwahlscheid.

Der Sieg von Frederik Knorren wird in die Historie eingehen. Der Springreiter vom RV Würselen, mit seinem Stall im niederländischen Bocholtz beheimatet, gewann am 15. März den Großen Preis, die letzte und höchstdotierte Springprüfung bei den Gut Neuhaus Indoors.

Es war ein Sonntagnachmittag, an dem Hausherr Frederic Tillmann argwöhnisch den „Corona-Liveticker“ verfolgte. Denn beinahe stundenweise wurde an jenem Wochenende das öffentliche Leben in Deutschland heruntergefahren, Sport- und andere Veranstaltungen abgesagt oder während des laufenden Betriebs abgebrochen. Der RC Gut Neuhaus um die Familie Tillmann hatte Glück, die „Indoors“ gingen ordnungsgemäß zu Ende – und als letzte Sportveranstaltung im Rhein-Kreis für beinahe drei Monate in die Geschichtsbücher ein.

Wenn Dennis Tolles am Freitag (3. Juli) die Tore zu seiner Hofanlage Gut Altwahlscheid im Rheinbogen zwischen Grimlinghausen und Uedesheim für ein Late-Entry-Dressurturnier öffnet, sind genau 110 Tage vergangen. Der Vorsitzende der Kutscherfreunde W&W Grimlinghausen, die als Veranstalter auftreten, ist der erste im Rhein-Kreis, der es wagt, nach den Lockerungen der Corona-Schutzverordnungen ein Turnier anzubieten. „In den letzten Wochen gab es im Rheinland bereits die ersten Turniere. Allerdings waren das alles Springturniere,“ sagt Tolles. In der Dressur war der Teilnehmerkreis auf einige Profis beschränkt, „die ihre jungen Pferde vorstellen konnten. Für die Amateur-Turnierreiter gab es bisher noch keine Veranstaltung – das wollten wir ändern,“ so Tolles.

Die Resonanz zeigt, dass er damit nicht so falsch liegt: Die meisten Prüfungen, die von Freitag bis Sonntag auf dem Zeitplan stehen, waren schnell ausgebucht. Durch ein wenig „Umplanung“ wurden weitere Startmöglichkeiten geschaffen. „Natürlich können wir im Augenblick kein normales Turnier veranstalten, sondern werden uns darauf beschränken, unter Beachtung des mit der Stadt Neuss abgestimmten Hygienekonzeptes einen Leistungsvergleich der Reiterinnen und Reiter zu ermöglichen,“ erklärt  Tolles.

Der Hausherr auf Gut Altwahlscheid orientiert sich damit an den Leitlinien, die die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) zum Re-Start des Turnierbetriebs herausgegeben hat. Darin heißt es unter anderem: „Auf die Durchführung von Siegerehrungen, Platzierungen und weiteren Zeremonien im herkömmlichen Sinne sollte verzichtet werden. Die Bekanntgabe der Rangierung über Lautsprecher und der Upload der Ergebnislisten sind ausreichend. So können sich die Teilnehmer unmittelbar nach ihrem Start und der Versorgung des Pferdes auf den Heimweg machen. Auf einen Aushang der Ergebnisliste an der Meldestelle sollte wenn möglich verzichtet werden, um Menschenansammlungen zu vermeiden“.

Beim Dressurturnier an diesem Wochenende sind deshalb auch keine Zuschauer zugelassen, stattdessen gibt es einen Livestream im Internet (www.its-turnierservice.de). Ob das auf den folgenden Turnieren auch so sein wird, weiß Axel Hebmüller nicht: „Ich denke, die Veranstalter werden sich kurzfristig daran orientieren, wie sich die aktuelle Situation darstellt, die sich ja laufend ändert,“ sagt der Präsident des Kreis-Pferdesportverbandes Neuss, der den Neustart natürlich begrüßt: „Schön, dass es wieder losgeht, wenn auch in überschaubarem Rahmen.“

So haben sich mit dem Reiterverein Gut Kruchenhof (Springturnier vom 6. bis 9. August) und dem RV St. Georg Büttgen (Dressurturnier auf dem Pannenbäckerhof am 15. und 16. August) noch zwei weitere Veranstalter aus der Deckung gewagt. „Wir werden alle Vereine, die in diesem Jahr noch ein Turnier veranstalten, im Rahmen unserer Möglichkeiten unterstützen,“ kündigt Hebmüller an. Auch mit einem bescheidenen Zuschuss in finanzieller Hinsicht, schließlich fehlen ohne Zuschauer auch die bei Reitturnieren nicht ganz unbeträchtlichen Einnahmen aus der Gastronomie.