Jüchen : Erster Tag in der Sekundarschule

Jüchen ist die erste Gemeinde im Rhein-Kreis Neuss, an der gestern die neue Schulform Sekundarschule startete. Vor geladenen Gästen und Eltern brachten 103 Fünftklässler ihre Schulschiffe auf Kurs.

Georg Broens' Schiff heißt "Sekundarschule": Mit 103 Kindern, 13 Lehrern, einer Schulsozialarbeiterin und einem Hausmeister stach es gestern in See. Broens, Rektor der ersten Sekundarschule im Rhein-Kreis Neuss, gab am Nachmittag vor zahlreichen geladenen Gästen, den ersten Fünftklässlern und ihren Eltern als "Kapitän" das "Ahoi" für sein Schulschiff: "Jetzt beginnt der Aufbau der Sekundarschule!"

Foto: Berns, Lothar

"Jüchen hat das größte Schloss im Rhein-Kreis, das jüngste Gymnasium, den schlanksten Bürgermeister und jetzt auch die erste Sekundarschule": Mit einem Augenzwinkern wies Tillmann Lonnes, Schuldezernent des Rhein-Kreises Neuss, auf die Ausnahmerolle der kleinen Landgemeinde neben Städten wie Neuss, Grevenbroich oder Meerbusch hin. Gestern war Jüchen keine Ausnahme: Im Regierungsbezirk Düsseldorf starteten sieben Sekundarschulen und zwei Gesamtschulen; in Nordrhein-Westfalen waren es 42 Sekundarschulen und 20 Gesamtschulen. Für Thomas Hartmann, Abteilungsleiter für Schule bei der Bezirksregierung Düsseldorf, ist die kleine Gemeinde ein Vorbild: "Wir erleben hier einen ersten Schultag der besonderen Art."

Sekundarschule als Boot

Die 103 Sekundarschüler befestigten gestern bunte Papierboote mit ihrem Namen an einem blauen Netz — für Direktor Georg Broens ein Zeichen für das Selbstverständnis der neuen Schule: "Wir verstehen uns als Teamschule: Die Schüler steuern ihr eigenes Boot; ihre Lehrer als Lotsen und ihre Eltern begleiten sie auf dieser spannenden Reise."

Die ersten Eindrücke der ersten Sekundarschüler: "Die Schule ist schön", meint Erwin Kolke aus Jüchen, dessen Mutter "diese Schulform besser findet". Tim Wulfert, sein Klassenkamerad aus Hochneukirch hat den Eindruck, dass "das Gebäude schon sehr groß ist". Und Laura Lavruhin aus der 5c ergänzt: "Ich finde es gut, dass wir noch keine Hausaufgaben aufbekommen haben."

In dem ehemaligen Gebäude der Hauptschule an der Mühlenstraße 19 werden vier fünfte Klassen unterrichtet. "Nach langer Diskussion haben wir uns dafür entschieden, dass jede Klasse ein Kind mit Handicap aufnehmen wird", erläutert Georg Broens. Im kommenden Schuljahr werden dann die neuen Fünftklässler dazukommen.

Was die Gemeindeverwaltung für das Schulgebäude plant: den Umbau ohne Barrieren; zudem soll die Mensa größer werden. Bürgermeister Harald Zillikens hofft — mit Blick auf den Nothaushalt — auf Geld aus Düsseldorf: "Ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben, dass wir für die Inklusion noch finanzielle Unterstützung erhalten." Bisher hat die Gemeinde rund 100 000 Euro investiert, um das Gebäude für die Sekundarschule fit zu machen.

(NGZ/ac)