Handball : Ernst schafft es ins Allstar-Team

Wenn Handball-Drittligist TSV Bayer Dormagen in der kommenden Woche mit der Saisonvorbereitung beginnt, hat Trainer Jörg Bohrmann zwei frisch gebackene Europameister im Kader: Simon Ernst und Moritz Preuss gewannen mit Deutschland den Titel bei der U 18.

Es mutet schon ein bisschen paradox an: Im gleichen Jahr, in dem der Dormagener Männnerhandball mit dem Verlöschen des DHC Rheinland seine schwärzeste Stunde erlebt, feiert der Nachwuchs seine bisher größten Erfolge.

Nach dem Gewinn der Deutschen B-Jugendmeisterschaft durch den TSV Bayer setzten Simon Ernst und Moritz Preuss am Sontagabend noch einen drauf. Der 18 Jahre alte Mittelmann und der ein Jahr jüngere Kreisläufer wurden mit der deutschen Nationalmannschaft durch einen 30:29-Sieg nach Verlängerung (14:13, 26:26) über Schweden U18-Europameister (die NGZ berichtete).

Ernst steuerte fünf, Preuss einen Treffer zum Erfolg der von Klaus-Dieter Petersen und Christof Armbruster trainierten DHB-Auswahl bei. "Der Erfolg ist auch eine Bestätigung für unser Konzept. In Dormagen erhalten junge Spieler schon früh Verantwortung. Diese haben die beiden auch im Nationalteam übernommen", sagt Jörg Bohrmann.

Der 43-Jährige, der selbst in der Bundesliga für SG Wallau-Massenheim, TV Niederwürzbach und den TuS Nettelstedt spielte und als Trainer die Dormagener B-Jugend zum Titel führte, startet am kommenden Montag mit der Saisonvorbereitung des neuformierten Drittliga-Teams. Mit im Kader: die beiden frisch gebackenen Europameister. "Wir freuen uns, dass wir in der Dritten Liga auf diese beiden Top-Talente zählen können", sagt Bohrmann. Simon Ernst soll dabei die Verantwortung auf der Mittelposition übernehmen — dass er das kann, bewies er bereits in den letzten Zweitligaspielen des DHC Rheinland. Und bei der EM trumpfte der 18-Jährige, der vor drei Jahren vom TV Birkesdorf zum TSV Bayer wechselte, so stark auf, dass er zusammen mit Abwehrchef Marcel Engels (SG Kronau/Östringen) ins Allstar-Team berufen wurde. "Diese EM hat wahnsinnig Spaß gemacht, wir sind als Team zusammengewachsen und haben erlebt, was bei einem solchen Turnier alles passieren kann", meinte Ernst. Schließlich hatten die Deutschen in der Vorrunde von ihrem späteren Finalgegner mit 29:20 noch eine Lehrstunde erhalten.

"Ich freue mich sehr für die Jungs, dass sie sich diesen Traum, für den sie hart gearbeitet haben, erfüllen konnten", meinte Bundestrainer Petersen. Und Heiner Brand, in seiner neuen Funktion als Manager des Deutschen handball-Bundes beim Finale auf der Tribüne befand: "Wir haben Spieler, die die Erfahrung eines Wettkampfs auf diesem Top-Niveau und den Druck eines solchen Turniers kennen und daraus in der Zukunft schöpfen können."

Wie lange der TSV Bayer Freude an seinen Talenten haben wird, hängt wesentlich von der Perspektive des Dormagener Handballs ab. Petersen jedenfalls ist überzeugt: "Von einigen Spielern dieses EM-Teams werden wir in der Zukunft ganz sicher in der Bundesliga noch hören."

(NGZ)