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Pfadfinder trafen sich am Schloss: Erinnerung an tragischen Unfall

Pfadfinder trafen sich am Schloss : Erinnerung an tragischen Unfall

Wenn sich die Pfadfinder in und um Schloss Liedberg treffen, nutzen sie die Gelegenheit, an eine Tragödie zu erinnern, die sich vor mehr als 70 Jahren in unmittelbarer Nähe des Schlosses ereignete und heute noch jedem heimatbewussten Liedberger bekannt ist.

Die in Liedberg bestens bekannten Heimatchronisten Matthias Ahrweiler und Josef Bongartz widmeten in ihrem Buch " Liedberg - Historisches in Wort und Bild" diesem Unglück mehrere historische Fotos nebst entsprechender Pressemeldung unter dem Titel " Das Einsturzunglück bei Liedberg". Dabei waren drei Düsseldorfer Pfadfinder tödlich verunglückt. Nur eine der Leichen konnte geborgen werden. Ein Kreuz erinnert heute an das Unglück In einer Düsseldorfer Pressemeldung heißt es: "Ein schreckliches Unglück, dem drei Menschenleben zum Opfer fielen, ereignete sich in der Nacht zum Sonntag in den unterirdischen Gängen des Schlosses Liedberg (Kreis Grevenbroich - Neuß ). Sechzehn Mitglieder der Kolonial-Pfadfindergruppe Düsseldorf veranstaltete am Samstagabend gegen 11 Uhr in der ,Alten Sandgrube' eine Sonnenwendfeier, die bis gegen zwei Uhr dauerte.

Darauf zogen die jungen Leute zum Schloss Liedberg und verschafften sich Eingang zu den zugeschütteten unterirdischen Gängen, in die sie etwa 800 bis 1 000 Meter weit bis zum so genannten Piratensaal vordrangen und nach einer kleinen Feier eine Urkunde vergruben." Plötzlich hätten sich erhebliche Mengen hängendes Gestein gelöst und seien unter lautem Krachen niedergestürzt. Hiervon wurden drei der Jungen begraben.Ein vierter wurde verschüttet, konnte aber noch aus den Erdmassen heraus geholt werden. Doch die Rettung der drei anderen war der Pfadfinder-Gruppe nicht möglich. Sie meldeten den Unglücksfall sofort den Bürgermeister. Die Freiwillige Feuerwehr wurde alarmiert und die Bergung der Verschütteten eingeleitet. Allerdings musste unter enorm schwierigen Bedingungen und unter größter Lebensgefahr gearbeitet werden.Tatsächlich gelang es, die Leiche des 14-jährigen Schreinerlehrlings Heinrich Pöstgens zu finden.

Inzwischen hatte sich jedoch die Einsturzgefahr derart vergrößert, dass die Bergungsarbeiten eingestellt werden mussten. Die Leichen des 16-jährigen Technikerlehrlings Albert Voigt und des gleichaltrigen Elektrikerlehrlings Paul Schneider wurden deshalb nicht geborgen. Es sei beabsichtigt, so endet der Bericht in der Presse, im Walde in der Nähe der mutmaßlichen Unglücksstelle ein Denkmal zu errichten. Von der Polizei würden außerdem Maßnahmen getroffen werden, die ein Einsteigen in die unterirdischen Gängen zukünftig unmöglich machten. Auch vor dem Unglücksfall war das Betreten der unterirdischen Gänge verboten. Heute erinnert ein eingezäuntes Steinkreuz über diesen Gängen auf das Unglück und die drei jungen Opfer vor 74 Jahren am 22. Juni 1930 im Felsenkeller. (pm)

(NGZ)