1. NRW
  2. Städte
  3. Rhein-Kreis
  4. Sport im Rhein-Kreis

Galopp: Erfolg lässt sich nicht immer vererben

Galopp : Erfolg lässt sich nicht immer vererben

Sadler's Well ist eine Legende im Galopprennsport, der Hengst zeugte zahlreiche Weltklassepferde. Doch nicht allen Nachkommen wurde der Erfolg in die Wiege gelegt – so wie Pagan Warrior, der morgen beim Finale in Neuss startet.

In besten Zeiten zahlten Züchter für einen Sprung ihrer Stute zum Weltklassevererber Sadler's Wells bis zu 350 000 Euro. Wohlgemerkt: für einen Sprung dieser Vererber-Legende, die am 26. November 2011 im irischen Coolmore-Stud im biblischen Pferdealter von 30 Jahren friedlich einschlief.

Was aber hat dieses Jahrhundertpferd mit den sieben Rennen zu tun, die morgen ab 14.30 Uhr auf der Neusser Galopprennbahn stattfinden? Es ist das Finale der laufenden Wintersaison, im Mittelpunkt steht der Endlauf um den Preis der Perlenkette, die Andrea Glomba (34) aus dem Saarland nach zwei Siegen in den Rennen zuvor bereits sicher hat. Sie reitet in diesem Rennen den fünfjährigen Wallach namens Pagan Warrior. Frei übersetzt: der Naturkrieger.

Beim Namen Pagan Warrior schließt sich der Kreis zu jenem Sadler's Wells mit seinen weltweit erfolgreichen Nachkommen auf allerhöchstem Niveau. Wie aber verirrt sich der Nachkomme eines solchen Pferdes in ein Rennen, in dem es um die Siegprämie von 2 000 Euro geht?

  • NHV-Coach Gilbert Lansen.
    Handball-Regionalliga : Ratinger eine Nummer zu groß für Neusser HV
  • SVG-Coach Erkan Akan.
    Fußball- Kreisliga A : SVG stürmt an die Tabellenspitze
  • Holzheims Tom Nilgen ließ sich auch
    Fußball-Landesliga : HSG gewinnt klar in Kleinenbroich

Es ist auch die Geschichte eines Lebewesens, bei dem die Vaterschaft und die übrige Verwandtschaft nicht zwingend Qualität und Erfolg garantiert. Gerade im Sport sind solche Fälle nicht selten, Beispiele würden Seiten füllen, wo Söhne und Töchter von Spitzensportlern niemals das Niveau der Eltern erreichen. Die Vorgeschichte von Pagan Warrior bis zum Auftritt in Neuss hat der Internet-Dienst Turf-Times akribisch ermittelt. Das Pferd stammt aus dem letzten Jahrgang des tollen Vaters. Möglicherweise war es mit der Vererbungskraft zu diesem Zeitpunkt nicht mehr ganz so prickelnd. Zahlreiche sehr nahe Verwandte von Pagan Warrior liefen aber schnell und waren auf den Auktionen auch teuer. Für eine Schwester von Pagan Warrior zahlte ein Agent im Jahre 2007 bei der Tattersalls-Auktion in Newmarket 2,5 Millionen Euro. Das war damals Weltrekord, doch eine Rennbahn hat Liffey River nie betreten. So teuer war Pagan Warrior dann nicht mehr, doch immerhin zahlte der Trainer Clive Cox auch noch rund 50 000 Euro für ihn. Die Ausbeute: vier Starts, immer weit geschlagen und vor allem langsam. Nach einem neunten Platz im "Spiffing Crabbie's Alcoholic Ginger Beer Handicap" am 26. September 2011 auf der hierzulande kaum bekannten Rennbahn Ffos Las am Rande eines zugeschütteten Tagebaus in der walisischen Grafschaft Carmarthenshire hatten die Besitzer und der Trainer den Kanal voll.

Einen Monat später kaufte ihn der für solche Fälle prädestinierte mehrfache deutsche Championtrainer Christian von der Recke für rund 2000 Euro auf der Auktion in Doncaster und verkaufte ihn weiter an den Trainer Uwe Schwinn im saarländischen Beckingen. Auch dort war Geduld angesagt, doch in der saarländischen Beschaulichkeit ohne Rennstress und viel Zuneigung wurde dann doch noch ein Sieger aus dem Mauerblümchen. Schwinn vor dem ersten Perlenketten-Rennen: "Man sollte Pagan Warrior nicht unterschätzen. Der kann mehr." Geglaubt hat ihm das niemand so recht und deshalb gab es am 3. Februar 2013 nach 14 Versuchen ohne Erfolg auch eine Siegquote von 104:10, als Andrea Glomba den ersten Schritt zum Perlenketten-Gesamtsieg legt. Morgen will sie den Hattrick schaffen. Wenn der Naturkrieger nicht streikt.

(NGZ)