Basketball: Elephants und Bynum gehen getrennte Wege

Basketball: Elephants und Bynum gehen getrennte Wege

Der 35-Jährige US-Amerikaner verlässt den Basketball-Regionalligisten. Offiziell wegen seiner kranken Mutter. Aber das ist längst nicht alles.

Sie hatten all ihre Hoffnungen in ihn gesetzt. Mit John Bynum sollte der Basketball in Grevenbroich wieder zu alter Stärke kommen. Doch nach nur etwas mehr als fünf Monaten ist das Kapitel wieder beendet. Der 35 Jahre alte US-Amerikaner, der in dieser Saison zum dritten Mal für die Elephants auf Korbjagd ging, wird in der Schlossstadt nicht mehr auflaufen. Gestern gab der Regionalligist die Trennung von seinem Topspieler bekannt und bedankte sich für die "jahrelangen Verdienste". Obwohl es einige Schwierigkeiten gegeben habe, seien die Parteien nach einem klärenden Gespräch einvernehmlich auseinandergegangen.

Offiziell geht es darum, dass sich Bynum um seine erkrankte Mutter in der kalifornischen Heimat kümmern möchte — was er auch definitiv tun wird. Doch hinter den Kulissen wird es den ein oder anderen geben, der die Vertragsauflösung mit dem eigenwilligen Basketballer als Befreiung empfindet.

Schuld daran ist vor allem Bynum selbst, der sich auf und neben dem Platz zahlreiche Aussetzer leistete. Das beweist schon ein Blick auf die Zahlen. Vergangene Saison in Chemnitz war der Guard noch der zweitbeste Scorer sowie der beste Verteidiger der Zweiten Liga. Nun, zwei Klassen tiefer, zeigte er von all dem Talent nur noch wenig. In der Punkte-Statistik wird Bynum auf Platz 21 geführt und ist damit der schlechteste Amerikaner. Vor allem in den Topspielen gönnte sich ehemalige Bundesligaspieler (Bremerhaven und Trier) regelmäßige Auszeiten. Stellvertretend dafür steht sein Auftritt am vergangenen Wochenende in Schalke (73:91). Ganze sechs Punkte gelangen dem vermeintlichen Topspieler, dazu handelte er sich das fünfte technische Foul der Saison wegen Meckerns ein. Trainer Hartmut Oehmen sprach von einem "Totalausfall".

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Dazu zeichnete sich Bynum nicht gerade durch Trainingsfleiß aus. Einmal kam er gar ohne Sportsachen in die Halle und setzte sich auffallend desinteressiert und mit Kopfhörern in den Ohren auf die Tribüne. Seinen Trainerjob bei der zweiten Mannschaft, den er als Profi laut Vertrag übernehmen sollte, trat er gar nicht erst an. Zwischendurch hatte er per Facebook auch mal seinen Abschied aus Grevenbroich verkündet und alle Mitspieler aus der Freundesliste gestrichen. Wahrlich kein neues Phänomen. Irgendwann ist Bynum überall aus disziplinarischen Gründen aus dem Team geflogen.

Von einem grundsätzlichen Fehler, Bynum zurück zu holen, obwohl dessen Charakter hinlänglich bekannt war, will Oehmen dennoch nicht sprechen: "Nach dem Jahr in Chemnitz mussten wir zugreifen. Er ist der beste Basketballer, den Grevenbroich je gesehen hat", sagt der Coach und verweist auf die gestiegene Zuschauerzahl nach der Verpflichtung. Es wäre zu einfach, ihm allein die durchwachsene Saison des selbst ernannten Aufstiegsaspiranten anzukreiden. "Aber wir hätten uns neben den Marketingerfolgen auch gewünscht, dass er auf dem Platz glänzt." Das tat er nicht — und wird es auch nicht mehr tun.

(f95)
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