Korschenbroich: Eine Stadt wünscht ihrem Pfarrer alles Gute

Korschenbroich : Eine Stadt wünscht ihrem Pfarrer alles Gute

Gestern verabschiedeten die Korschenbroicher Pfarrer Frank Josef van de Rieth. Nach zehn Jahren geht er und wird Seelsorger in Krefeld.

Bis nah vor die Eingangstüre drängten sich die Gläubigen, die keinen Sitzplatz mehr in der Kirche St. Marien Pesch bekommen hatten. Landrat Hans-Jürgen Petrauschke, CDU-Bundestagsabgeordneter Ansgar Heveling, uniformierte Schützen und schier unzählige Korschenbroicher in Zivil – sie alle waren gestern Morgen da, um noch einmal mit Pfarrer Frank Josef van de Rieth die Messe zu feiern. An Ostern wird der 46-Jährige die Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Korschenbroich verlassen, aus gesundheitlichen Gründen: Der Rücken spielt nicht mehr mit.

Am 1. Juli übernimmt er neue Aufgaben, als Krankenhausseelsorger, Seelsorger der Berufsfeuerwehr und Koordinator der Notfallseelsorge in Krefeld. Das bedeute "weniger Schreibtisch und mehr Bewegung. Damit bin ich ganz zufrieden", sagte er nach seiner offiziellen Verabschiedung im Pfarrheim von St. Marien. Wie kurz zuvor in der Kirche, standen auch dort die Gäste dicht gedrängt und hörten ihm zu. Van de Rieth blickte auf die zehn Jahre seines Wirkens in Korschenbroich zurück, die von einem Strukturwandel geprägt waren: Aus fünf eigenständigen Kirchengemeinden musste die Gemeinschaft der Gemeinden Korschenbroich geformt werden. Er nehme durchaus zufrieden seinen Hut und könne immer noch gut in den Spiegel schauen – "trotz und mit Schwächen und Fehlen, die ich sehr wohl auch sehe", sagte er zu Beginn seiner Ansprache. Der Pfarrer bedankte sich bei seinen Weggefährten, wie zum Beispiel den Mitarbeitern des Kirchengemeindeverbands: "Ich bin stolz darauf, dass wir mit Ihrer Hilfe in den zehn Jahren Umbruch keine einzige betriebsbedingte Kündigung aussprechen mussten." Froh sei er auch, "dass sich ein zutiefst brüderlicher Kontakt zu den evangelischen Pfarrern entwickelt hat". Er schlug aber auch kritische Töne an. "Wir binden in den Gruppen und Strukturen unserer Kirche viel zu viel Kraft nach innen, um uns zu verwalten, zu organisieren, über Eigenständigkeiten, Zuständigkeiten und Kompetenzen zu streiten." Er hätte sich gewünscht, "mehr für die Einheit der Christen in der GdG bewirken zu können" und gab zu: "Ich habe – bei allem Verständnis, das ich als Niederrheiner und traditionsverbundener Mensch habe – in den zehn Jahren sehr darunter gelitten, wenn Form und Traditionen wichtiger zu sein schienen als der Inhalt."

Zum Abschied überreichten Birgit Barth, stellvertretende Vorsitzende des GdG-Rates und Karl-Heinz Göris vom Kirchengemeindeverband Pfarrer van de Rieth ein Gemälde, das alle fünf Kirchen Korschenbroichs zeigt. Beide hatten sich zuvor in kurzen Ansprachen an ihn gewandt. Göris räumte dabei ein: Er wisse, dass Erwartungen und Belastungen an den Pfarrer herangetragen worden seien, die nicht gesund zu bewältigen gewesen seien. "Ich danke Ihnen für Ihre unermüdliche und engagierte Arbeit".

(NGZ)
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