Reitsport : Eine nahezu perfekte Kür

Das "Team Neuss" ist gerüstet für die Europameisterschaften im Voltigieren, das zeigte gestern die öffentliche Generalprobe auf dem Nixhof. Auch Bundestrainerin Ursula Ramge war beeindruckt von der Kür

Seit sechs Wochen haben sie täglich geübt, jeweils zwischen drei und vier Stunden. "Mehr ging nicht", sagt Simone Wiegel beinahe entschuldigend, "ich muss ja schließlich arbeiten." Mehr war offensichtlich auch nicht nötig. Denn was die 25-Jährige, von den NGZ-Lesern zwei Mal in Folge zur "Sportlerin des Jahres" gewählt, und ihre sieben Mitstreiterinnen aus dem "Team Neuss" gestern Mittag vor mehr als 200 Zuschauern in der heimischen Starsky-Halle auf dem Nixhof boten, war Gruppenvoltigieren vom Allerfeinsten.

Auch wenn Simone Wiegele nach der öffentlichen Generalprobe jener Kür, mit der sie und das Team in anderthalb Wochen bei den Europameisterschaften im französischen Le Mans an den Start gehen werden, selbstkritisch einräumte: "Zwei, drei Kleinigkeiten können wir noch besser machen."

Das sah auch Ursula Ramge so. Eigens aus Warendorf nach Selikum gekommen, um nicht nur den letzten Auftritt der Gruppe vom RSV Grimlinghausen, sondern auch der für die kontinentalen Titelkämpfe qualifizierten deutschen Einzelvoltigierer in Augenschein zu nehmen, war die Voltigier-Bundestrainerin ansonsten voll des Lobes: "Da hat Simone Recht. Aber es waren wirklich nur ein paar Winzigkeiten, die noch verbessert werden können."

Ansonsten sieht sie den im vergangenen Jahr vom Verletzungspech arg gebeutelten Weltmeister von 2006 eindeutig auf dem Weg, seine Mission in Le Mans zu erfüllen. Und die heißt schlicht und einfach: Gold im Mannschaftswettbewerb. "Denn das ist die Krone unserer Sportart", findet Ursula Ramge. Dass sich Janika Derks (21), Milena Hiemann (14), Antje Hill (24), Mona Pavetic (8), Pauline Riedl (17), Madita Schramm (11), Elisabeth Simon (24), Simone Wiegele (25), Longenführerin Jessica Schmitz (30) und der 13 Jahre alte Arkansas in knapp zwei Wochen diese Krone in Europa aufsetzen werden, steht für sie fast außer Zweifel: "Jedenfalls dann, wenn sie diese Leistung von heute wiederholen." Hauptkonkurrenten sieht die Bundestrainerin in den Voltigierequipes aus Österreich und der Schweiz, Gastgeber Frankreich "hat in diesem Jahr erhebliche Pferdeprobleme und wird nicht mithalten können. Aber jeder Wettkampf muss erst einmal geturnt werden."

Das weiß auch Simone Wiegele. Die Grevenbroicherin, im vergangenen Jahr Weltmeisterschaftsdritte im Einzelwettbewerb, verzichtete ebenso wie Vize-Weltmeisterin Antje Hill zugunsten der Gruppe auf ihre Chance im Einzel. Nach Le Mans reist die 25-Jährige trotzdem nicht des Goldes wegen: "Wir schauen nicht auf die Medaillen, wir wollen einfach nur unsere beste Leistung zeigen."

Dafür haben sie fast ein dreiviertel Jahr trainiert, zuerst drei, vier Mal pro Woche, zuletzt täglich. Aus Spaß am Voltigieren, denn Aufwandsentschädigungen oder Preisgelder gibt es beim "Turnen auf dem Pferd" keine. "Deshalb", sagt Simone Wiegele beinahe entschuldigend, "muss ich ja arbeiten."

Info Ein Interview mit Voltigier-Bundestrainerin Ursula Ramge lesen Sie in der morgigen Ausgabe

(NGZ)