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Korschenbroich: Eine Herberge für die Weihnachtskrippe

Korschenbroich : Eine Herberge für die Weihnachtskrippe

Die Geschichte von der Geburt Jesu ist derzeit im Kulturbahnhof besonders lebendig: Bis zum 20. Januar stellt Künstler Heinz Schichel dort selbst gebaute Krippen aus. Auch Sammlerstücke sind zu sehen.

Das neugeborene Jesuskind ist kaum so groß wie ein Fingernagel. Auch Josef und Maria sind winzig — die ganze Krippe hat gerade mal ungefähr die Ausmaße eines dicken Daumens. In einer Nussschale spielt diese Weihnachtsszene im Miniaturformat, hinter dem Vitrinenglas im Kulturbahnhof Korschenbroich. Das filigrane Werk ist Teil der neuen Ausstellung "Ihr Kinderlein kommet... Zur Krippe her kommet", die dort noch bis zum 20. Januar aufgebaut bleibt.

Krippen stehen derzeit im Kulturbahnhof im Mittelpunkt: Krippenbauer Heinz Schichel – hier mit Nina Otten (oben) – zeigt 13 seiner Arbeiten. Foto: A. Baum

Die Nuss-Krippe gehört zu den kleinformatigen Sammlerstücken in der Ausstellung. Darüber hinaus zeigt der Kleinenbroicher Krippenbauer Heinz Schichel 13 seiner Arbeiten. Die größte ist eine Passionskrippe, die den Weg Jesu mit 55 Figuren von der Geburt bis zur Auferstehung illustriert. "Das ist die einzige Passionskrippe in NRW", betonte Museumsleiterin Nina Otten bei der Ausstellungseröffnung. Vor allem in Tirol werde diese Art des Krippenbaus noch gepflegt.

Guckkastenkrippen wie im 18. Jahrhundert, die Krippe in einer Laterne, in einer Streichholzschachtel, in einer Baumwurzel — verschiedene Darstellungen der biblischen Geschichte hat Nina Otten für den Kulturbahnhof zusammengetragen. Eine Papierkrippe aus Bolivien ist ebenso zu sehen wie eine Holzkrippe aus Jerusalem und eine Krippe, die nur aus beschrifteten Holzklötzen besteht. Die Figuren sind aus Wachs und Kunststoff, Holz und Pappmaché.

"Die Idee ist, zu zeigen, wie vielfältig Krippen sind", erläuterte Nina Otten. Im Bekanntenkreis hat sie einige der Krippen aufgetrieben. Auch Figuren ihrer eigenen, an barocken Vorbildern orientierten Krippe hat sie in die Vitrine gestellt. Am auffälligsten sind jedoch Heinz Schichels Arbeiten. Seit 16 Jahren baut der Kleinenbroicher Krippen aus Materialien wie Holz und Styrodur, Tapetenleim, Sägemehl und Farbe. In Kleinenbroich, Neuss und Dormagen hat der 69-Jährige bereits eine Auswahl seiner Werke ausgestellt. In Korschenbroich feiert er jetzt Premiere. Krippenbau sei für ihn ein Hobby, ein Ausgleich zum Alltag, erzählte der Künstler. Allein an der Passionskrippe arbeitete er 160 Stunden, inspirieren ließ er sich bei den Passionsfestspielen in Oberammergau.

Originalgetreu sei ja die Darstellung der Geschichte in orientalischer Kulisse, erklärte Nina Otten — doch daran hält sich Baumeister Schichel nicht bei jeder Krippe. Da gibt es zum Beispiel jene, in der das Jesuskind in verschneiter Landschaft unter LED-beleuchtetem Sternenhimmel im Stall schläft. Und eine, die einer tatsächlich existierenden Steinhütte in Südtirol nachempfunden ist. "Die Vielfalt der Krippenkultur ist faszinierend", findet Nina Otten. Und sie ist althergebracht: Bis ins Frühchristentum reicht ihre Geschichte zurück.

(NGZ/ac)