Lokalsport : Eine Hausnummer in Europa

Nichts geht mehr beim 24. Quirinus-Cup. Mit knapp 200 Mannschaften ist das traditionell an den Pfingsttagen angesetzte Turnier längst an seine Grenzen gestoßen. Dabei rennt der europäische Handball-Nachwuchs dem ausrichtenden Neusser HV die Bude ein.

"Im Februar", weiß der ein letztes Mal für die Gestaltung der Spielpläne zuständige Jochen Kallenberg zu berichten, "hätte ich leicht 40 zusätzliche Mannschaften unterbringen können". Doch dazu hätte es eben auch weit mehr als der im Moment zwölf zu unterhaltenden Hallen bedurft - vom ehrenamtlich arbeitenden Personal mal ganz abgesehen.

Doch auch die aktuell rund 2800 Sportler machen das am Freitag beginnende Turnier wieder zu einer echten Hausnummer auf internationaler Ebene. Geradezu atemberaubend ist die Besetzung im Wettbewerb der weiblichen B-Jugend: Als wären die Mädels aus den anerkannten Handball-Hochburgen Dunaferr (Ungarn) und Magdeburg (heimste im Vorjahr als erfolgreichster Verein den Super-Quirinus-Cup ein) nicht schon alleine mehr als genug für die gewiss nicht schwache Auswahl des Neusser HV, kommt es noch eine Spur härter für die Gastgeberinnen.

Denn um einen Platz auf dem Treppchen bewerben sich auch der polnische Meister SMS Gliwice und die Talente des norwegischen Titelträgers Baekkelagets SK. Wie stark die Handballerinnen aus Oslo sind, erlebte Teresa Eich in ihren acht Monaten in Skandinavien hautnah mit. "Dort wird ein schneller, technisch sehr sauberer Handball gespielt", sagt die 17-Jährige. Inzwischen ist sie wieder am Rhein, spielt für den Neusser HV, dessen Finaleinzug "schon einer Sensation gleich käme", findet Chef-Organisator Wolfgang Spangenberger.

Nicht viel anders sieht die Sache im männlichen Bereich aus. Wer etwa in der B-Jugend unter die besten Vier will, muss sich gegen Klassehandballer aus Island (Haukar und Vikingur Reykjavik), Tschechien (Dukla Prag), Slowenien (RK Pivovarna Lasko Celje), der Ukraine (Brovari Kiew), Ungarn (Honved Budapest) und natürlich Deutschland (HSG Düsseldorf, SG Nickelhütte Aue) behaupten.

Hartes Brot, weiß Julian Schmidt. Der 16-Jährige stand mit dem NHV zwei Mal im Finale, "leider haben wir beide verloren", und kennt deshalb die Konkurrenz. "Dukla Prag zum Beispiel kommt immer mit Riesenbrocken. Die spielen einen anderen Handball als wir in Deutschland, gehen viel härter zur Sache." Da sind die Kontakte abseits des Spielfeldes schon wesentlich angenehmer. "Wir sind mit Aue gut befreundet und auch mit den Mädels aus Leipzig", verrät Schmidt mit einem genießerischen Lächeln.

Auch Benny Daser, mit der HSG Düsseldorf 1992 zum ersten Mal beim Quirinus-Cup und sogar mal zum besten Spieler der A-Jugend gewählt, schätzt die einmalige Atmosphäre besonders der Endrunde in der Stadionhalle. "Das ist das absolute Highlight. Wenn die Nationalhymne gespielt wird, laufen einem schon Schauer den Rücken herunter." Mittlerweile ist der 25-Jährige Trainer bei der HSG, doch noch immer hat das Turnier für ihn höchsten Reiz. "Handball auf diesem Spitzenniveau bekommst du in dieser Ballung sonst kaum einmal zu sehen."

Darum ist es gut, dass sich der Neusser HV, der bei der Ausrichtung wieder auf die bewährte Unterstützung durch die TG Neuss, den TSV Bayer Dormagen, TSV Norf, die SG Zons und die HSG ART 77/90 Düsseldorf bauen kann, mit einem der Anwohner, auf dessen Initiative hin das Turnier um ein Haar gekippt wäre, inzwischen geeinigt hat. NHV-Vorsitzender Holger Trappen drückt das so aus: "Wir haben einen Status Quo gefunden."

Dennoch wirbt er um Verständnis für die Jugendlichen: "Vollkommen geräuschlos kann man so ein Turnier einfach nicht ablaufen lassen. Im vergangenen Jahr hat's sonntags geregnet, da stellte sich das Problem nicht. Doch wenn es jetzt über Pfingsten richtig warm werden sollte, können wir es den Jugendlichen doch nicht verbieten, sich draußen aufzuhalten."

(NGZ)