Korschenbroich: Eine Ausstellung "Gegen das Vergessen"

Korschenbroich: Eine Ausstellung "Gegen das Vergessen"

29 Stolpersteine erinnern in Korschenbroich, Glehn und Pesch an die Schicksale jüdischer Familien. Mit einer Ausstellung im Kulturbahnhof wollen 30 Schüler die Schrecken der Vergangenheit am 9. November thematisieren.

Vom 9. auf den 10. November 1938 brannten die Synagogen – sie brannten in Deutschland, in Österreich, sie brannten in der Tschechoslowakei. Der 9. November ist der Tag, an dem organisierte Schlägertrupps jüdische Geschäfte und Gotteshäuser in Brand setzten, an dem tausende Juden misshandelt, verhaftet oder getötet wurden. In vier Wochen jährt sich der Jahrestag der Reichspogromnacht zum 75. Mal. 30 Korschenbroicher Jugendliche nehmen den Jahrestag zum Anlass, das Thema für Korschenbroich aufzuarbeiten.

Während im Kulturbahnhof das Schicksal jüdischer Familien aus Korschenbroich mit Hilfe von Ahnentafeln, Fotos, Dokumenten und Geschichtlichem zum Hoppbruch als Freizeitgebiet auf das Thema einstimmt, haben Realschüler und Gymnasiasten ein Rollenspiel einstudiert. "Wir befassen uns seit Wochen mit dem Thema", erzählt Eva Hermanns (44). Die Pädagogin aus Pesch leitet die Geschichtswerkstatt der Städtischen Realschule.

Die Schüler erzählen in der Ausstellung die Geschichten der jüdischen Familien in Korschenbroich und beleuchten deren Schicksal nach der Machtergreifung. Als Orientierung dienen die Stolpersteine, die in Korschenbroich, Glehn und Pesch vor den Häusern auf die ehemaligen Bewohner und deren Schicksal hinweisen. Sie wurden am 9. Oktober 2007 von Künstler Gunter Demnig an der Steinstraße 4 im Beisein von Schülern verlegt. Diese Stolpersteine erinnern an Kurt Winter und seine Stiefmutter Fanny. Sie lebten dort mit den Söhnen Kurt, Alfred und Herbert sowie der Tochter Grete und deren Ehemann Alfred Cohnen. 1941 wurde die Familie nach Düsseldorf-Derendorf gebracht und nach Riga deportiert.

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Die 29 Stolpersteine werden von den Realschülern und Gymnasiasten in den Herbstferien gereinigt und fotografiert. Fest steht schon jetzt: Die 14- bis 16-Jährigen, die sich in den Nachmittagsstunden zu dem freiwilligen Werkstattangebot der Realschule treffen, werden die Auftaktveranstaltung am Samstag, 9. November im Kulturbahnhof gemeinsam mit Museumsleiterin Nina Otten (33) gestalten.

Für Nina Otten ist die vierwöchige Ausstellung "Gegen das Vergessen" sowie die Zusammenarbeit mit Schülern der Friedensinitiative und dem Heimatverein Korschenbroich ein persönliches Bedürfnis: "Ich bin immer wieder aufs Neue schockiert, dass so etwas überhaupt passieren konnte." Und so betont sie mit Nachdruck: "Ein anderer Glaube, eine andere Herkunft oder eine andere Hautfarbe darf niemals dazu führen, dass Menschen schikaniert oder verfolgt werden."

Nina Otten erinnert aber auch an die Familie von Otto Klein (Hindenburgstraße), die als einzige Korschenbroich rechtzeitig verlassen konnte. Sie konnte sich über zahlreiche Umwege nach Argentinien retten.

(NGZ)
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