Jüchen : Einblick in kreatives Schaffen

Sechs Künstler aus Jüchen beteiligten sich am Wochenende am kreisweiten Projekt "Arbeitsplatz Kunst". Neben Haus Katz wurden private Werkräume geöffnet. Die NGZ besuchte zwei Standorte.

Keine Massenveranstaltung, aber diejenigen, die in Jüchen zur "Aktion Arbeitsplatz Kunst" kamen, waren interessiert. Keine Überraschung, dass Anne Behrens (76) am Samstagabend klagte: "Ich habe keine Stimme mehr."

 Anette Hützen-Gerresheim öffnet ihr Haus als "Arbeitsplatz Kunst" für Malerei-Interessierte.
Anette Hützen-Gerresheim öffnet ihr Haus als "Arbeitsplatz Kunst" für Malerei-Interessierte. Foto: M. Reuter

Unzählige Male hatte die Papierkünstlerin ihre Art zu arbeiten erklärt, hatte zur kleinen Schere gegriffen und, ohne die Gespräche zu unterbrechen, tolle Scherenschnitte gefertigt. Auf ihrem Tisch lag die Publikation des Internationalen Scherenschnittverbandes in Nürnberg: In diesem Heft wird das Schaffen der Gieratherin gewürdigt. Die Absolventin der Werkkunstschule Düsseldorf handelt im Sinne der Bauhaus-Tradition: "Kunst und Handwerk müssen zusammengehören." Sie verwendet für ihre Arbeiten auch die über 100 Jahre alten Hefte ihres Vaters aus dem Ingenieurstudium und Fundholz aus dem Regenwald. Aus 100 Zuckertüten machte die 76-Jährige, die noch jeden Tag künstlerisch aktiv ist, kleine Kunstwerke.

Ebenfalls in Haus Katz anzutreffen: Willy Hengstermann und Sylvia Kahler. Hengstermann, ebenfalls aus Gierath, hat gemeinsam mit den Mitgliedern der Neusser Künstlergruppe "Querschnitt" die Farbe Blau neu entdeckt. Stolz zeigte der 80-Jährige seine neuen Bilder. Das Besondere: Bildträger ist nicht Papier, sondern Polyester. Die Folge: Die Farbe zieht nicht ein, sondern trocknet an der Luft. Hengstermann steuert diesen Prozess, indem er das Bild während des Trocknens dreht. Der Absolvent der Werkkunstschule Düsseldorf hatte auch Fotos mitgebracht, aufgenommen mit seiner fast 60 Jahre alten Leica. Darauf hat er Strukturen, wie die Natur sie etwa nach leichtem Schneefall schafft, festgehalten.

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In der ersten Etage stellte Sylvia Kahler (53) aus. Sie hat zwar Kunst- und Textilgestaltung an der Pädagogischen Hochschule in Neuss studiert, arbeitet jedoch als Fotografin. Die meisten Bilder sind intensiv am PC bearbeitet worden. Das geht so weit, dass Sylvia Kahler ihr Lieblingsthema Architektur neu erschafft mit skurrilen Fantasiegebäuden. Schwere Gebäude verrückt sie durch "Photoshop" mit spielerischer Leichtigkeit.

Einige hundert Meter entfernt, auf der Weyerstraße 56, öffnet Anette Hützen-Gerresheim ihr Atelier — ein kleiner Raum, aber überall im Haus hängen ihre Bilder. Für den Besucher durchaus eine Herausforderung — die 55-jährige Autodidaktin lebt sich als Künstlerin ungehemmt aus. Feine mit Bleistift gemalt Porträts hängen neben "Energiebildern", es gibt Kaffeebilder mit Kaffeebohnen und Würfelzucker collagiert und jede Menge Landschaftsimpressionen zu sehen. So verleiht Anette Hützen-Gerresheim ihrer Liebe zum Menschen und zur Natur Ausdruck.

(NGZ)