Reitsport : Ein Wunderpferd ohne Allüren

Bereits zum zweiten Mal wählten die NGZ-Leser Arkansas mit überwältigender Mehrheit zum "Sportler des Monats". Morgen zeigt der 14-jährige Wallach in der öffentlichen Generalprobe für WM und WM auf dem Nixhof sein Können

Nach dem Olympia-Aus von Totilas und seinem am Pfeifferschen Drüsenfieber erkrankten Reiter Matthias Alexander Rath hat die Pferdesportwelt ein wenig abgelassen vom Hype um den schwarzen Rappen. Die Absatzzahlen der eigenen Fan-Kollektion des Zehn-Millionen-Euro-Hengstes von Paul Schockemöhle dürften in Aachen beim legendären CHIO vergangene Woche nicht gerade gestiegen sein. Viele Fachleute sind beruhigt vom neuen Trend. Springreiter Ludger Beerbaum hatte den Trubel um das vermeintliche "Wunderpferd" öffentlich kritisiert.

Seit Aachen ist Pferdesport (endlich) nicht mehr nur Totilas. Der Fokus liegt auf neuen Helden. Einer von ihnen: Arkansas, 14-jähriger westfälischer Wallach. Weltcup-Sieger. Europameister. Deutscher Meister. Und auf dem Neusser Nixhof für viele das ganz persönliche "Wunderpferd". Nicht unbedingt, weil er in allen Belangen als absolutes Allround-Talent der Pferdeakrobatik gilt.

Ganz im Gegenteil. "Am Anfang hatte er einen leichten Vierschlag", sagt Teammitglied Pauline Riedl. Bedeutet: Die Galoppade war alles andere als rund, fühlte sich von oben nicht so sanft und weich an, wie es sich der Voltigierer vorstellt. Auch jetzt noch gilt Arkansas nicht als Musterknabe des idealen Schwungs. "Er ist nicht einfach zu turnen, wenn man noch nie drauf war", weiß Trainerin und Longenführerin Jessica Schmitz. .

In Neuss blieb Arki trotzdem erste Wahl. Zum einen, weil die Bewegungsabfolge der Galoppade von außen auf die Wertungsrichter stets sehr harmonisch wirkt. Beleg: Arki erhielt in diesem Jahr bei allen Turnieren die besten Pferdenoten. Zum anderen, weil der 1,84 Meter große dunkelbraune Wallach mit dem größten Kämpferherz ausgestattet ist, das sich eine Voltigiermannschaft nur wünschen kann.

Nachdem das Pferd auf dem Weg zum internationalen Turnier in Krumke auf dem Anhänger schwer gestürzt war (die NGZ berichtete), ließ er sich trotz Hautabschürfungen, Schwellungen und Hämatomen während des Wettbewerbs nichts anmerken und sicherte den Neusserinnen die WM-Qualifikation.

Große Aufgaben stehen nun bevor. Ohne Berti, Bertram oder Beany (unter diesen Namen ist Arkansas in Neuss ebenfalls bekannt) geht beim RSV nur wenig. Das Tier — das "schon immer super lieb und brav war" (sagt Riedl) und auch ohne Sattel gern mal mit Pflegerin Sabine Berger ins Gelände schlendert, das auf der Koppel gern den Spaziergängern imponieren möchte und sich mit Kollege Cepin oft ausgiebig die Mähne krault — hat gute Chancen, die amtierenden Europameister in den nächsten Wochen auch noch zu DM- und WM-Titel zu tragen.

"Arkansas ist ein Weltklassepferd", erklärte jüngst Bundestrainerin Ulla Ramge. Die ist am Sonntag in der Starsky-Halle auf dem Nixhof zu Gast. Die Neusserinnen veranstalten ihre obligatorische Generalprobe. Sowohl die WM-Mannschaft als auch die für die E uropameisterschaft qualifizierten Neusser Junioren werden auftreten.

Zahlreiche weitere Championats-Teilnehmer nutzen ebenfalls die Chance, sich vor den Augen der Nationaltrainerin das nötige Selbstvertrauen für die anstehenden Meisterschaften zu holen. Mittendrin natürlich: Arkansas, das "Wunderpferd" vom Nixhof und nun bereits zum zweiten Mal NGZ-Sportler des Monats.

Info Der Trainingsgutschein im Wert von 50 Euro für die medicoreha in Neusseht an Petra Sosinska aus Neuss

(daka)