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Tennis: Ein "Schweinehund und ein Barfüßiger"

Tennis : Ein "Schweinehund und ein Barfüßiger"

Tennis-Bundesliga: Frederico Gil aus Portugal und der Italiener Gianluca Naso schlagen erstmals für BW Neuss auf.

Den vornehmen Besuchern im mondänen Monte Carlo Country Club fielen vor Schreck die Gambas von der Gabel: "Le salaud", dieser Scheißkerl und Schweinehund also, dies verkündete Publikumsliebling Gael Monfils ebenso anerkennend wie unfein nach seiner Zweisatzniederlage gegen Frederico Gil der Öffentlichkeit, "hat heute einfach von Minute zu Minute besser gespielt".

Auf der Suche nach alter Stärke: Frederico Gil aus Portugal sorgte 2011 für Furore. Foto: frei

Jener Gil, der in der kommenden Saison erstmals für Blau-Weiß Neuss in der Tennis-Bundesliga aufschlägt, hatte an jenem Donnerstagnachmittag im April 2011 seinen größten Sieg eingefahren. Im Achtelfinale des nach den French Open zweitwichtigsten Sandplatz-Turniers rang er Frankreichs Topstar, damals Nummer zehn der Welt, quasi beim Heimspiel nieder. Einen Tag später war zwar gegen Schottlands Idol Andy Murray Endstation, kurz darauf erreichte Gil aber als 62. seine beste Weltranglisten-Position.

Zwei Jahre später ist die Karriere des nun 28-Jährigen aus dem hübschen Sintra bei Lissabon ins Stocken geraten. Nummer 396 der Welt ist Gil derzeit, muss damit auch bei kleineren Turnieren in die Qualifikation. "Das ist seiner ein bisschen unwürdig", sagt Dietmar Skaliks. Der Geschäftsführer der "Blau-Weiß ProTennis AG" ist dennoch von den Fähigkeiten des Davis-Cup-Spielers überzeugt, lotste ihn deshalb an die Jahnstraße — als zweiten Portugiesen nach Rui Machado (2009/10).

Skaliks will dem hoch veranlagten Iberer dabei helfen, wieder sein Potenzial abzurufen: "Frederico tut mir derzeit etwas zu wenig." Gil soll in Neuss auch Selbstvertrauen tanken, um sich wieder ganz großen Aufgaben stellen zu können. Im Vergangenen Jahr erreichte er noch die dritte Runde der Australian Open, scheiterte an Jo-Wilfried Tsonga — bis heute Gils letzter Auftritt in einem Grand-Slam-Hauptfeld.

Einer seiner künftigen Mitspieler will dahin, wo Gil bereits war: "Mein nächstes Ziel sind die Top 150", sagt Gianluca Naso. Der 26-Jährige aus dem sizilianischen Trapani, derzeit Nummer 201 der Welt und ebenfalls eine Neusser Neuverpflichtung, ist eine Ausgeburt an Ehrgeiz. Auf dem Weg in die Weltspitze begab sich der 1,91-Meter-Hüne in die Hände von Trainerfuchs Fabio Rizzo, einer Art Nick Bolletieri Italiens. Und weil Rizzo mit der Beinarbeit seines Schützlings unzufrieden war, ließ er ihn fortan barfuß trainieren. Auf Asche. Eine schmerzhafte Lektion, die sich aber ausgezahlt hat: So flink wie derzeit war der Schlaks, dessen Vater Vincenzo bereits als Profi spielte, noch nie unterwegs.

"Wir planen für zwei Spiele mit ihm", sagt Skaliks. Die italienische Fraktion mit Naso, Filippo Volandri (ATP 114) und Flavio Cipolla (143) die größte in Neuss nach der deutschen. Kein schlechtes Omen, denn Blau-Weiß machte mit Spielern vom Apennin meist gute Erfahrungen: Kaum ein Legionär spielte so lange an der Jahnstraße wie Vincenzo Santopadre und Potito Starace.

Naso und Gil sind zwar neu in Neuss, kennen sich aber bestens: Viermal trafen sie auf der Tour bereits aufeinander, die letzten drei Duelle gingen an den Italiener. Zuletzt siegte Naso erst im Februar im chilenischen Vina del Mar — eben jenem Turnier, bei dem Rafael Nadel, der größte Spieler der je an der Jahnstraße auflief, sein Comeback startete, das vor sechs Tagen mit dem achten French-Open-Titel seinen vorläufigen Höhepunkt fand.

(NGZ/ac)