Korschenbroich: Ein Schütze, Sänger und Politiker

Korschenbroich : Ein Schütze, Sänger und Politiker

Kaum einer hat so viele und so hohe Ehrenämter ausgeübt wie Hermann-Josef Kronen. Jetzt, mit 74 Jahren, denkt der engagierte Korschenbroicher daran, in einigen Bereichen etwas kürzer zu treten. Vielen Vereinen wird das Engagement des Sebastianer-Ehrenpräsidenten fehlen.

Hermann-Josef Kronen schätzt sich realistisch ein: "Ich bin nicht der Typ, der den ganzen Tag vor der Flimmerkiste sitzt." Davor bewahrt ihn neben Haus und Garten vor allem die Fülle an Ehrenämtern, die er zum Teil schon seit 50 Jahren ausübt. Er hat stets viele Aufgaben übernommen und dabei jede einzelne mit großer Sorgfalt erledigt — ein Glücksfall also für jeden Verein, dem er einen Teil seiner Freizeit zur Verfügung stellt.

Nach einer Rückenoperation war Hermann-Josef Kronen jetzt in der Niederrhein-Klinik. In Polohemd und Trainingshose spricht er für ihn so untypische Sätze wie diesen: "Ich muss einiges an ehrenamtlichem Engagement zurückführen, vor allem aus gesundheitlichen Gründen." Und er fügt schnell hinzu: "Es hat schon Spaß gemacht." So möchte er im kommenden Jahr nicht mehr für das Amt des Kassierers beim Deutschen Roten Kreuzes Korschenbroich kandidieren.

48 Jahre lang hat er diesen Job jetzt gemacht. Als junger Mann hatte er sich auch in den Vorstand der St.- Katharina-Junggesellen-Bruderschaft wählen lassen. Später wurde er bei den Sebastianern Präsident und hat dieses Amt erst nach 16 Jahren abgegeben. Dafür hatte er damals den Vorsitz der St.-MatthiasBruderschaft niedergelegt, ohne sich jedoch dort ganz zurückzuziehen: "Ich leite jetzt die Buswallfahrt, bin selber 25 Mal zu Fuß nach Trier gepilgert."

Das Mitglied des Männergesangvereins "Cäcilia" Korschenbroich hat sich auch mit großem Elan in die Kommunalpolitik eingebracht, war 20 Jahre lang Ratsmitglied. Kaum zu glauben, dass sich der verheiratete 74-Jährige, der zuletzt als Organisationsleiter bei der Sparkasse Neuss gearbeitet hatte, die mögliche Langeweile als Rentner fürchtete. Er entdeckte deshalb die Holzschnitzerei für sich und ging auch dieses Hobby mit enormer Gründlichkeit an: Hermann-Josef Kronen belegte so manchen VHS-Kursus, seine Werke können sich sehen lassen.

Damals, als er in den Ruhestand trat, ahnte er noch nicht, dass es in Korschenbroich einmal eine Bürgerstiftung geben würde. Längst sitzt er dort im Vorstand. Der Ehrenpräsident der Sebastianus-Bruderschaft, der das Bundesschützenfest in Korschenbroich im Jahre 2004 maßgeblich mit organisiert hatte, der sich um seinen Gemüsegarten ebenso kümmert wie ums Haus, musste dieses Jahr aus gesundheitlichen Gründen darauf verzichten, bei "Unges Pengste" mit zu marschieren. Er wird jetzt öfter mal Nein sagen müssen. Was im Laufe der Jahrzehnte fast schon zu einem Markenzeichen wurde — "um komplizierte Lösungen" herbeizuführen.

(NGZ)
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