Lokalsport: Ein prächtig aufgelegter Olympiasieger

Lokalsport: Ein prächtig aufgelegter Olympiasieger

Turner Fabian Hambüchen holte bei den Sommerspielen 2016 in Rio Gold am Reck. Bei der Abschlussveranstaltung der NGZ-Sportlerwahl verriet der 30-Jährige, wie er mit Druck umgeht und wie sein Buch den 1. FC Köln noch retten könnte.

Wenn das mal nicht der Beginn einer wunderbaren Freundschaft ist. Im Gespräch mit Fabian Hambüchen bei der Abschlussveranstaltung der "40. NGZ-Sportlerwahl des Jahres" in der Internationalen Schule (ISR) fragte Moderator Volker Koch mit Blick auf das im vergangenen Jahr veröffentlichte Buch des Olympiasiegers, "Den Absprung wagen: Stürzen, aufstehen, siegen lernen", augenzwinkernd: "Bezieht sich der Untertitel vielleicht auf den 1. FC Köln?" Die Antwort blieb der bekennende Fan der in der ersten Fußball-Bundesliga wieder mal verzweifelt, aber letztlich wohl vergeblich gegen den Abstieg kämpfenden Geißböcke jedoch schuldig. Stattdessen entgegnete er schroff: "Du bist schon ein fieser Sack!"

Natürlich war der 30-Jährige, bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio mit Gold am Reck dekoriert, nicht wirklich verstimmt. Denn in seiner ereignisreichen Karriere als Hochleistungssportler hat er ganz andere Krisen überstanden. Zum Beispiel bei Olympia 2008 in Peking und der als Niederlage empfundenen Bronzemedaille. "Ich war Weltmeister, der Topfavorit, um Gold zu gewinnen, hätte ich noch nicht mal perfekt turnen müssen. Aber ich war damals zu selbstsicher, zu selbstbewusst - und diesem Druck dann doch nicht gewachsen." Genau da setzte sein als Mental-Coach arbeitender Onkel Bruno Hambüchen an. Er lehrte seinen Neffen, sich nicht mit negativen Gedanken zu belasten. "Ich habe gelernt, mich nicht in Dinge hineinzusteigern, die ich nicht beeinflussen kann. Das ist etwas, was sich gut aufs alltägliche Leben übertragen lässt."

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Mit der Goldmedaille in Rio sieht er sein größtes Lebensziel erreicht, "dafür habe ich 25 Jahre gekämpft." Dass es ihn schon mit drei ans Reck zog, mag sich indes nicht jedem zu erschließen. "In diesem Alter wollte ich Müllmann werden", verriet Volker Koch und schob die Frage hinterher: "Warum macht man das?" Die konterte Fabian Hambüchen mit einer Gegenfrage: "Als ich vor zwei Jahr in Neusser Südpark im Rahmen meines Studiums an der Deutschen Sporthochschule die Prüfung zum Rettungsschwimmer ablegen musste, habe ich fast gekotzt und mich auch gefragt, warum macht man das? Die Turnhalle war halt schon immer mein Leben, meine Leidenschaft, mein Spielplatz." Entscheidend für den Erfolg sei neben harter Arbeit, Fleiß, Disziplin und der Bereitschaft, sich zu quälen vor allem Durchhaltevermögen.

So hält er es auch nach Abschluss seiner aktiven Karriere. Zuletzt war er für den TV-Sender Eurosport bei den Winterspielen in Pyeongchang im Einsatz - und vermied dabei im Gespräch mit den Athleten strikt folgende Frage: "Wie enttäuscht bist Du? Denn diese Frage hat mich selber so genervt ..." Dem Kickern des 1. FC Köln legt er im Übrigen tatsächlich die Lektüre seines Buches ans Herz. "Dann klappt das auch noch mit dem Klassenerhalt."

(NGZ)