Tod des ehemaligen Stadtdirektors macht betroffen: „Ein Macher im positiven Sinne“

Tod des ehemaligen Stadtdirektors macht betroffen : „Ein Macher im positiven Sinne“

Von Ruth Wiedner und Volker Koch Wie ein Schock lag am Montag die Nachricht vom plötzliche Tod des ehemaligen Stadtirektors über der Stadt. Die meisten Bürger erfuhren erst durch die NGZ, dass Willi Esser im Kampf gegen eine heimtückische Krankheit der Unterlegene war. Alfons Kranz, ein langjähriger Weggefährte von Willi Esser, wusste über die Schwere der Krankheit nichts. "Die Todesnachricht hat mich sehr betroffen, er ist viel zu früh gestorben", sagte der Kreistagsabgeordnete und frühere NGZ-Verlagsleiter. Ein typisches Bild: Willi Esser beim Korschenbroicher City-Lauf hier mit Interview-Partner Alfons Kranz.

Von Ruth Wiedner und Volker Koch Wie ein Schock lag am Montag die Nachricht vom plötzliche Tod des ehemaligen Stadtirektors über der Stadt. Die meisten Bürger erfuhren erst durch die NGZ, dass Willi Esser im Kampf gegen eine heimtückische Krankheit der Unterlegene war. Alfons Kranz, ein langjähriger Weggefährte von Willi Esser, wusste über die Schwere der Krankheit nichts. "Die Todesnachricht hat mich sehr betroffen, er ist viel zu früh gestorben", sagte der Kreistagsabgeordnete und frühere NGZ-Verlagsleiter. Ein typisches Bild: Willi Esser beim Korschenbroicher City-Lauf hier mit Interview-Partner Alfons Kranz.

"Vielleicht ist es für seine Frau Marianne ein kleiner Trost zu wissen, Willi Esser war ein außerordentlich tatkräftiger und ideenreicher Mann, der uns allen in Erinnerung bleiben wird." Im Gespräch mit der NGZ erinnerte sich Kranz an viele Begegnungen und meinte beim Stichwort Stiftung Sport: "Als die Idee aufkam, haben wir uns - Willi Esser, Klaus Dieter Salomon und Dieter Patt - gefunden und die Stiftung aus der Taufe gehoben."

Aber auch die Niederrhein-Klinik sprach Kranz an, mit der sich Willi Esser schon zu Lebzeiten ein Denkmal gesetzt hat. Für Kranz war gestern eines ganz klar: "Willi Esser wird der Stadt sehr fehlen." Während der Glehner Kreistagsabgeordnete bereits am Sonntag beim Schützenempfang der Ehrengäste mit der traurigen Nachricht konfrontiert wurde - Präsident Udo Brockers hatte sofort mit einer Gedenkminute reagiert - erfuhr Stadtkämmerer Bernd-Dieter Schultze vom Tod Essers aus der NGZ.

Schultze, gerade aus dem Sommerurlaub zurück, meinte dann verhalten: "Ich war völlig überrascht, dass es so schlimm war." Schultze kam 1975 in die Stadtkämmerei und begleitete Esser bis zu dessen Ausscheiden im Oktober 1999. Er trauert um seinen ehemaligen Chef, der bei einem Vierteljahrhundert Zusammenarbeit zum Freund wurde: "Die Nachricht war für viele Mitarbeiter der Stadtverwaltung ein Schock." Und anerkennend stellt Schultze fest: "Er hat als ,der Chef' für die Stadt Gewaltiges geleistet."

Historischer Moment im Dezember 1973: Bürgermeiser Hoeren beglückwünscht den neuen Amtsdirektor Willi Esser (links).

Schock für die Stadt Willi Esser hatte stets ein festes Ziel vor Augen: Er wollte "seine" Stadt auf allen Ebenen voran bringen. So lässt sich auch das besondere Verhältnis zu Vereinen und Organisationen begründen. Für die Vereinsvertreter stand Esser stets parat, war ein kumpelhafter Ansprechpartner mit offenem Ohr. Er forderte von ihnen aber auch Eigenverantwortung: Damit war es in der Regel ein Geben und ein Nehmen.

Sollte etwas erweitert oder renoviert werden, brauchte man nicht lange warten: Esser setzte durch, dass die Stadtverwaltung das Material zur Verfügung stellte, die Vereinsvertreterer allerdings in Eigenleistung die Umsetzung garantierten. Beispiele dafür gibt's genügend. Ein Motto, mit dem der gebürtige Hackenbroicher über die Jahre hin gut gefahren ist, frei nach der Devise: "Habe ich mich selbst eingebracht, weiß ich die Dinge anders zu schätzen."

Aber auch die Wirtschaftsförderung und ein gut funktionierender Einzelhandel waren dem Mann aus Pesch dabei stets wichtig. Sein Verhältnis zum früheren Werbering-Vorsitzenden Hans Bolten und seinem Nachfolger Armin Kloeters war daher in der Sache stets zielorientiert, konstruktiv und freundschaftlich. "Willi Esser war jemand, der da war, wenn man ihn brauchte, den man immer anrufen konnte, wenn man was wissen wollte", versuchte Kloeters das erfolgreiche Miteinander zu beschreiben.

Am Beispiel Korschenbroicher Kunstfrühling stellte Kloeters offen fest: "Den Kunstfrühling hätte es nicht gegebenen, wenn Willi Esser nicht damals noch für die Stadt die Beteiligung und zudem sein eigenes Engagement zugesagt hätte." Essers motivierende Worte hat Kloeters noch im Ohr: "Das machen wir, packen wir's an." Für den Werbering-Vorsitzenden gibt es in Korschenbroich "keinen anderen, der sich für die Stadt so eingesetzt hat" wie Willi Esser.

Bei ihnen liefen die organisatorischen Fäden für den ersten Korschenbroicher Kunstfrühling im Mai 2000 zusammen (v. l.): Werbering-Vorsitzender Armin Kloeters, der früherer Stadtdirektor Willi Esser und Ideengeber Hans Bolten bei einem Treffen im November 1999.

Und auch Bürgermeister Heinz Josef Dick ließ gestern über sein Presseamt mitteilen: "Die Stadt verliert eine herausragende Persönlichkeit." Seine Verwaltungskarriere startete Willi Esser im Jahre 1969 als Gemeindedirektor der ehemaligen Gemeinde Norf, 1973 wechselte er zum damaligen Amt Korschenbroich. Ab 1975 war er dann zunächst als Gemeindedirektor und ab 1981 als Stadtdirektor im Korschenbroicher Rathaus tätig.

Bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand (Oktober 1999) nutzte er die fast 26 Jahre an exponierter Stelle, um "seine" Stadt mit Engagement und innovativen Idee zum Erfolg zu führen. Das sicher zeitintensive Amt des Stadtdirektors hinderte Willi Esser indes nicht an vielen weiteren Funktionen weit über die Korschenbroicher Stadtgrenzen hinaus. Die größte Leidenschaft des ehemaligen Sprinters - Esser lief zu seiner aktiven Zeit die 100 Meter in 10,9 Sekunden - war der Sport.

"Keiner hat sich so um die Sportszene insgesamt im Kreis in den vergangenen zwei Jahrzehnten verdient gemacht wie Willi Esser", meint Volker Staufert, der wie Esser sechs Jahre an der Spitze des Kreissportbundes (KSB) stand. Dessen aktueller Vorsitzender, Dieter Welsink, bedauert: "Persönlich habe ich Willi Esser leider viel zu Motivator in Sachen Sport wenig gekannt. Aber was er für den KSB und den Sport überhaupt bewegt hat, war vorbildlich. Mit ihm verlieren wir nicht nur einen Motivator in Sachen Sport, sondern auch einen wichtigen Moderator, der ständig um Ausgleich bemüht war, ohne die Sache aus den Augen zu verlieren."

Zwei aus dem KSB-Vorstand unter Essers Vorsitz (von 1984 bis 1990) gehören auch heute noch diesem Gremium an. Dieter Aldenhoff, mittlerweile zweiter Vorsitzender, erinnert sich an ein Bild mit Symbolcharakter: "Wenn er in die Vorstandssitzungen kam, zog er stets das Jacket des Stadtdirektors aus und krempelte die Ärmel hoch. Das hat er dann auch im übertragenen Sinne getan: Die Ärmel aufgekrempelt."

Ähnlich sieht es der langjährige Geschäftsführer Heinz Peter Breiden, von Essers Vorgänger Philipp Meuter in den KSB-Vorstand geholt: "Willi Esser verstand es hervorragend, andere zu motivieren. Wie er Dinge angepackt und vermittelt hat, das hatte für mich stets Vorbildcharakter, daran habe ich mich orientiert. Er war ein Macher im positiven Sinne." Das sieht auch Eberhard Hücker so. "Willi Esser ist für mich immer der Macher gewesen", sagt der Präsident der Stiftung Sport und Geschäftsführer des Neusser Zeitungsverlages.

Als ehemaliger Kreisdezernent und Stadtdirektor von Essers Heimatstadt Dormagen kreuzten sich ihre Wege seit 1976 nicht nur beruflich. Für Hücker waren drei Dinge besonders beeindruckend: "Andere hatten Ideen, Willi Esser setzte sie um. Dabei hat er nie die wirtschaftliche Komponente aus dem Auge verloren. Und wie er sich nach seiner Pensionierung weiter engagiert hat, verdient Respekt." Hücker denkt da insbesondere an den Internationalen City-Lauf, den es ohne Willi Esser wohl nicht gäbe.

Aber den es ohne ihn weiter geben soll: "Das ist Versprechen und Verpflichtung zugleich", sagt Hans-Peter Walther. Der Sportamtsleiter und City-Lauf-Macher trägt besonders Versprechen und Verpflichtung schwer am Verlust seines Mentors: "Er hat mir nahegestanden wie ein Vater. Durch ihn ist Korschenbroich meine Heimat geworden", sagt der gebürtige Sachse, der seit ein paar Wochen von der schweren Krankheit wusste: "Willi hat aber nie gesagt, wie es tatsächlich um ihn bestellt war, wenn ich ihn im Krankenhaus besucht habe. Dass es letztlich so schnell gegangen ist, hat aber keiner von uns gedacht."

Auch nicht Herbert Missalla. Der ehemalige Leichtathletiktrainer und Hauptgeschäftsführer des TSV Bayer Dormagen dürfte neben Essers Ehefrau Marianne einer derjenigen sein, die Willi Esser am längsten kannten. Schließlich gehörte der gebürtige Hackenbroicher 1960 zu den Gründungsvätern der Leichtathletik-Abteilung des TSV. "Ich habe einfach nur geheult", macht der 69-Jährige kein Hehl daraus, wie nahe ihm die Nachricht vom Tode seines langjährigen Weggefährten ging. Eine Gefühlsregung, die viele ähnlich empfunden haben mögen - innerhalb und außerhalb Korschenbroichs.

(NGZ)
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