Fußball-Landesliga : Ein Weltenbummler kickt für Holzheim

Mohammad Hossein Ellahi ist gerade mal 23 Jahre alt, war aber schon auf vier Kontinenten aktiv. Er träumt immer noch davon, sein Geld als Profi zu verdienen. Zunächst will er aber der HSG in der Landesliga mit seinen Toren helfen.

Keine Frage, die Holzheimer SG ist eine gute Adresse im Amateurfußball der Region. Doch für einen 23-Jährigen, der noch davon träumt, sich einen Platz im Profifußball zu erkämpfen, ist die Johann-Dahmen-Sportanlage in dem Stadtteil von Neuss normalerweise nicht die erste Anlaufstelle. Aber genau dort ist Mohammad Hossein Ellahi nach einer vier Kontinente umfassenden Odyssee gelandet. Dass es so gekommen ist, würden manche Zufall nennen, er selbst bezeichnet es als Schicksal.

Als seine Karriere Anfang des Jahres wegen der Corona-Pandemie in Frankreich heftig ins Stocken geraten war, war es bei der Recherche über deutsche Amateurvereine nämlich die Eingabe in einer Internet-Suchmaschine, die ihm unter anderem die HSG ausspuckte. Als der erste Klick auf diesen Namen dann auch noch offenbarte, dass die Holzheimer vom Iraner Hamid Derakhshan trainiert werden, war Ellahi klar, dass ein Neustart in Deutschland nur dort infrage kommt. Schließlich hat er durch seine Mutter selbst iranische Wurzeln, ist dort geboren. Nach nur drei Monaten zog die Familie aber nach Australien um, wo sein Vater herkommt. Ellahi nahm jedenfalls Kontakt über ein Soziales Netzwerk zum HSG-Coach auf und erklärte ihm ein paar Tage später am Telefon seine Pläne. Schnell war ein Probetraining vereinbart, und der 23-Jährige setzte sich in einen Bus von Lyon nach Düsseldorf, wo er 19 Stunden später auch ankam.

Schon nach einem Training war den Holzheimern klar, dass sie den Stürmer gut gebrauchen können. Schließlich plagten sie sich schon früh in der Saison gerade in der Offensive große Verletzungssorgen. „Als ich gesehen habe, wie professionell bei der HSG gearbeitet wird, habe ich gewusst, dass ich dort richtig bin“, erinnert sich Ellahi und fügt ein dickes Lob für Hamid Derakhshan hinzu: „Er ist der beste Coach, mit dem ich je zusammen gearbeitet habe. Er fordert mich extrem, ich lerne aber auch viel. Nicht nur technisch, sondern auch taktisch.“ Ein Lob, auf das sich Derakhshan durchaus etwas einbilden kann. Schließlich hat es sein neuer Schützling schon mit etlichen Trainern der unterschiedlichsten Nationalitäten zu tun gehabt.

Zunächst spielte er von Kindesbeinen an bis zum 16. Lebensjahr in seinem australischen Wohnort Newcastle (160 Kilometer nördlich von Sydney), bevor er mit seiner Familie ins US-amerikanische Seattle umzog. Dort kickte er zu Beginn in der Nachwuchs-Akademie und später in der U23 der Seattle Sounders, deren erste Mannschaft in der Major League Soccer spielt. „Das war eine tolle Erfahrung, die in mir den Wunsch gestärkt hat, Profi zu werden“, erklärt Ellahi. Doch um dort weiterzukommen, hätte er ein Studium aufnehmen müssen. Weil er dazu aber noch nicht bereit war, eröffnete ihm einer seiner Trainer 2015 die Möglichkeit, zum ersten Mal nach Deutschland zu gehen. Er landete beim damaligen Sechstligisten SC Hanau in der Nähe von Frankfurt und war erstaunt, wie viele gute Spieler es schon auf diesem Niveau in Deutschland gibt.

 „Ich habe mir das zu einfach vorgestellt und gedacht, die nehmen mich sofort für die Bundesliga. Am Ende der Saison habe ich aber erkannt, dass ich den ganz großen Sprung noch nicht schaffe“, erinnert sich Ellahi. Da passte es ihm sehr gut, dass er Ende 2016 ein Angebot aus Singapur von den Tampines Rovers erhielt. Dort war er als Backup im Sturm eingeplant, kam aber trotz fleißigen Trainings nicht zum Einsatz und nahm Ende 2017 ein Angebot aus Indien vom Minerva Punjab FC an. Weil er aber auch dort nicht glücklich wurde, zog es ihn Anfang 2018 zurück nach Australien, wo er unter anderem für die Albion Park White Eagles kickte. „Ich hatte aber immer noch im Hinterkopf, es noch mal in Europa zu versuchen“, sagt Ellahi. Die Chance ergab sich dann, als er bei den Eagles eine Französin kennenlernte, die ihn Ende 2018 nach Lyon vermittelte, wo er letztlich bei einem kleinen Klub im Nachbarstädtchen Vaulx-en-Velin in der fünften Liga anheuerte. Dort lief es sehr gut, bis das Corona-Virus im Frühjahr 2020 auch den französischen Fußball zum Erliegen brachte. So schnappte sich Ellahi irgendwann seinen Laptop, mit dessen Unterstützung er den Weg nach Holzheim fand.

Den Traum vom Profifußball hat der 23-Jährige, der in einer WG in Weckhoven untergekommen ist, noch immer im Hinterkopf. Doch erzwingen will er ihn nicht mehr. „Ich denke schon, dass ich die 3. oder 2. Liga erreichen kann. Aber ich fokussiere mich aktuell auf Holzheim. Nur wenn ich dort gut Spiele, habe ich die Chance, irgendwann den nächsten Schritt zu machen“, sagt Ellahi. Aktuell ist es erneut das Corona-Virus, das ihn genau wie alle anderen Amateurfußballer ausbremst. So bleibt Ellahi nichts anderes übrig, als fleißig zu trainieren – und auf das Schicksal zu hoffen.