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Radsport: Ein klarer Auftrag von den Fahrern

Radsport : Ein klarer Auftrag von den Fahrern

Die Radprofis möchten die "Tour de Neuss" nicht missen: Sowohl Sieger Christian Knees als auch Alessandro Petacchi und Danilo Hondo haben ihr Kommen für die nächste Auflage am 24. Juli 2013 bereits angekündigt. Das Problem des Neusser RV: Bis dahin die nötigen Geldgeber zu finden

Es war schon weit nach Mitternacht im Biergarten des Novotels am Rosengarten, als Richard Faltus eine Flasche Champagner entkorkte. Der Mann aus Prag, seit Jahren Stammgast bei der Tour de Neuss, stieß mit seinen Teamkollegen Tomas Medek und Ondrej Vobora und den als "Racing Students" von einem Straßenrennen zum nächsten eilenden Schwaben Andreas Feistel, Jonathan und Samuel Obländer "auf ein gutes Rennen" an.

Einen Tisch weiter herrschte unter den Organisatoren der Tour de Neuss gleichfalls Feierlaune: "Viel Arbeit, viel Lob, viele Zuschauer", hatte Stephan Hilgers schon an der Strecke in seiner unnachahmlichen Art ein Fazit unter die elfte Auflage gezogen. Während Sieger Christian Knees sich mit einem "bis zum nächsten Jahr" verabschiedete und auch die Lampre-Fahrer Danilo Hondo (4.) und Alessandro Petacchi (2.) ankündigten, am 24. Juli 2013 gerne wieder an der Startlinie zu stehen, entfuhr dem Vorsitzenden des Neusser Radfahrervereins ein Stoßseufzer: "Das wird wieder eine Menge Arbeit."

Mit der und sein kleines Team von offiziellen und weniger offiziellen Mitstreitern am besten gleich beginnen würde – so lange nämlich, wie die am Mittwoch allerorten herrschende Euphorie noch frisch ist. "Schön, wenn alle begeistert sind, aber in einem halben Jahr fängt für uns das Klinkenputzen wieder aufs Neue an", weiß Hilgers. Dennoch steht für ihn derzeit außer Frage, dass es die zwölfte Auflage geben wird. "Da haben uns die Fahrer ja auch einen klaren Auftrag erteilt", sagt der NRV-Vorsitzende. Denn für die, so Christian Knees, "ist die Frage nach dem Weitermachen eigentlich gar keine."

Der nicht mal 50 Mitglieder starke Radfahrerverein erweist sich Jahr für Jahr als Meister in der hohen Kunst des Improvisierens. Was für Außenstehende oft ein wenig chaotisch wirkt, macht einen großen Teil des Charmes der Veranstaltung aus, die – außer bei der Zusammenstellung des Programmheftes – bewusst auf das Einschalten von Marketing- oder Eventagenturen verzichtet. "Das Geld stecken wir lieber ins sportliche Programm", sagt Hilgers.

Trotzdem stünde ein zumindest auf mittelfristige Laufzeiten angelegtes Sponsorenkonzept dem NRV gut zu Gesicht. Das weiß auch der Vorsitzende: "Es kann ja nicht sein, dass wir jedes Jahr die Existenzfrage stellen müssen". Andererseits hält er das Klinkenputzen – "kötten gehen" nannte es sein verstorbener Vorgänger Friedhelm Hamacher – für immer noch besser als die Abhängigkeit von Großsponsoren.

Freilich ist fraglich, ob der NRV ohne sie sein ehrgeiziges Ziel für 2013 erreichen kann: Zusätzlich zum Fahrerfeld von Mittwochabend noch die wegen des olympischen Straßenrennens am Samstag fehlenden deutschen Top-Fahrer wie André Greipel und Tony Martin, in Neuss 2011 und 2010 siegreich, verpflichten zu können. Weil sich andere, allen voran Knees, Hondo und Petacchi, aber auch Fahrer wie Dominik Nerz (3.) oder der überraschend auf Rang fünf platzierte Deutsche Bergmeister von 2009, Andreas Schillinger, mächtig ins Zeug legten, hat sie am Mittwoch so richtig keiner vermisst.

Richard Faltus schon gar nicht. Der freut sich jedes Jahr, mit den "Großen" der Szene ein Rennen zu fahren. So sehr, dass er von den paar Euro Antrittsgeld auch schon mal einen Teil in eine Flasche Schampus investiert.

(NGZ)