Theater-Arbeitsgemeinschaft des Gymnasiums begeisterte mit Inszenierung: "Ein Inspektor kommt": Ein junges Arbeiter-Mädchen trank Salzsäure

Theater-Arbeitsgemeinschaft des Gymnasiums begeisterte mit Inszenierung: "Ein Inspektor kommt" : Ein junges Arbeiter-Mädchen trank Salzsäure

Korschenbroich. Sie ist reich, anerkannt, und die Geschäfte laufen bestens: Familie Birling ist mit der Welt im allgemeinen, besonders aber mit sich selbst außerordentlich zufrieden. Im kleinen Familienkreis prostet man sich zu auf die Verlobung zwischen Tochter Sheila und Gerald Croft.

Korschenbroich. Sie ist reich, anerkannt, und die Geschäfte laufen bestens: Familie Birling ist mit der Welt im allgemeinen, besonders aber mit sich selbst außerordentlich zufrieden. Im kleinen Familienkreis prostet man sich zu auf die Verlobung zwischen Tochter Sheila und Gerald Croft.

Weil das der Sohn der einzigen Geschäftskonkurrenten Arthur Birlings ist, winkt mit der zu erwartenden Ehe vor allem eine Firmenfusion, das heißt: geringere Kosten, höhere Preise und beste Chancen auf dem globalen Markt. In die kleine, ach so idyllische Familienfeier platzt ein Polzei-Inspektor mit einer seltsamen Nachricht: Ein junges Arbeiter-Mädchen hat Salzsäure getrunken und ist vor wenigen Stunden im Krankenhaus gestorben. Ein hinterlassenes Tagebuch gibt Auskunft über die Etappen ihrer persönlichen Katastrophe. Fünf Ereignisse haben ihren Weg in den Abgrund geprägt, an jedem von ihnen - das bringt Inspektor Goole mit zielstrebigen Fragen ans Licht - war einer der Anwesenden entscheidend beteiligt.

Über die möglichen schlimmen Folgen kleiner eigensüchtiger Entscheidungen, über die Schuld, die aus egoistischem Eigennutz entstehen kann, hat John B. Priestley 1946 ein eindringliches, klares und spannendes Stück geschrieben, das ihm zu recht Weltruhm brachte. Unvermindert aktuell, ja brisanter denn je - das zeigte die Theater-AG jetzt mit ihrer aktualisierten Version von "Ein Inspektor kommt" - ist die zentrale Frage des Stücks 50 Jahre später. Unter der Regie von Asmus Ring gelang den sieben Akteuren eine temporeiche, packende Aufführung, mit der die angehenden Abiturienten an zwei Abenden ihr Publikum berührten und begeisterten.

Dabei wars ein Glücksfall, dass der Studienrat Ring die Inszenierung nicht nur mit pädagogisch gutem Willen, sondern mit professioneller Bühnenerfahrung betreute: Nebenberuflich ist er Schauspieler und tritt als Musik-Kabarettist auf Kölner Bühnen auf. Unter professioneller Hilfe konnten sich die erwachsenen Schüler deshalb mit den Rollen intensiv auseinandersetzen. Entsprechend erfrischend und glaubwürdig gelang jedem der Darsteller die eigene Rolle einfach toll: Thomas Baum war als Arthur Birling ein selbstzufriedener Patriarch, Christin Ewald seine zynische, kalt berechnende Gattin Sybil.

Romana Leuthardt als Sheila und Philipp Kohlbecher als ihr Bruder Eric zeigten die Fabrikantenkinder zwischen Verwöhnung und aufrichtiger Betroffenheit über die furchtbaren Folgen des eigenen Handelns. Frank Enders war ein Gerald Croft, der nicht boshaft, sondern gedankenlos Übles verursacht. Christina Heupts zeigte die forsche Inspektorin, die der sauberen Familie effektvoll die Rechnung präsentiert, und Christian Schmitz schließlich war der stets dienstbereite Butler James.

Exzellente Nutzung des Bühnenraums, sparsame und deshalb doppelt wirksame Lichteffekte, subtiles Umordnen des gutbürgerlichen Mobiliars, das die Gefährdung, Zerstörung bürgerlicher Fassade und den verzweifelten Versuch des "Wieder-Gerade-Rückens" in klare Bilder übersetzte: All dies machte aus dem Stück, für das sich die Schüler selbständig entschieden, eine exzellente, brisante Aufführung, die die gewohnten Kategorien von Schülertheater einfach weit hinter sich ließ. KaTse

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