Jüchen : Ein Eismann für Generationen

Giuseppe Simari stammt aus einem kleinen Dorf in Kalabrien, wanderte 1970 nach Deutschland aus, fand acht Jahre später in Jüchen seinen Traumberuf in einer Eisdiele. Hier bedient er drei Generationen von Gästen.

Wohlgerundete Formen, immer zuverlässig — schon ihre Anwesenheit lässt Giuseppe Simari (57) strahlen. Der gebürtige Italiener lässt nichts auf seine 50 Jahre alte Eismaschine kommen: "Von ihr würde ich mich nie trennen. Auch wenn es mittlerweile schwer ist, Ersatzteile zu finden."

Direkt neben ihren modernen Kollegen versprüht das Gerät in zartem Cremeton der Marke "Carpigiani" nostalgischen Charme in der Edelstahl-dominierten Produktion des Eiscafés Stasi. "Bei mir haben Generationen von Jüchenern Eis gegessen", sagt Siamri. Die Kinder von einst sind erwachsen, kommen heute mit ihren Enkeln.

Jeden Tag vier Kugeln Eis

Dass Giuseppe Simari das Leben in einem kleinen kalabrischen Dorf gegen Jüchen tauschte, hätte er sich nie träumen lassen. Nachdem er nach Deutschland ausgewandert war, übernahm Simari unterschiedliche Jobs in Frankfurt, in Duisburg und im Sauerland. "Per Zufall lernte ich Giuseppe Stasi kennen, der in Jüchen ein Eiscafé führte. Er bot mir Arbeit an", erinnert sich Simari. Er kam erst mal zur Probe, setzte sich an das Steuer des Eiswagens, lernte mehr über die Herstellung der kühlen Leckerei — und hatte seinen Traumberuf gefunden.

1984 verkaufte Giuseppe Stasi seine Eisdiele; jetzt war Giuseppe Simari der Chef, auch wenn der Name unverändert blieb. Der heute 57-Jährige führt das Geschäft zusammen mit seinem Neffen Giovanni Mazza und Mario Lavia. In Giovanni Mazza wiederholt sich die Geschichte seines Onkels: Als Jugendlicher kam auch er nach Jüchen, zunächst probeweise in den Betrieb seines Onkels und blieb.

Giuseppe Simari kann sich keinen anderen Beruf vorstellen und das nicht nur, weil er selbst gerne Eis isst. "Ich komme so auf meine drei bis vier Kugeln am Tag", erzählt der Italiener mit den grauen Schläfen lächelnd. Fachmessen besuchen, immer wieder neue Eissorten ausprobieren — das ist es, was ihm an seiner Arbeit gefällt. "Und ich bin mein eigener Chef", sagt der verheiratete Familienvater. Dabei sei sein Tag recht lang: Er beginnt morgens um 9 Uhr und endet selten vor 23 Uhr. Zeit für Hobby bleibe da kaum.

Manchmal vermisse er schon die Zeit für die Familie, besonders für die beiden Enkel. Ihr widmet sich Giuseppe Simari dann während der Winterpause. Und wenn Kinder, Jugendliche oder Familien regelmäßig ihre Eisportionen holen, dann freut sich der Wahl-Jüchener, plaudert mit ihnen und gehört fast zur Familie.

(NGZ/rl)