Ein einst großes Derby in der Liga A: TuS Grevenbroich gegen VfR Neuss

Fußball : Es war einmal ein großes Derby ...

Zum Auftakt der Saison in der Kreisliga A empfängt der TuS Grevenbroich den VfR 06 Neuss.

Der VfR 06 Neuss setzt einen Fanbus zum ersten Saisonspiel der Fußball-Kreisliga A am Donnerstagabend (Anstoß 19.30 Uhr) beim TuS Grevenbroich ein. Im Preis von 17 Euro sei vor der Abfahrt am Drusushof um 18.30 Uhr „ein frisch gezapftes Bier“ enthalten, verspricht VfR-Präsident Yildirim Yilmaz. Ein Angebot, das den so umtriebigen Funktionär in der glorreichen Vergangenheit der beiden Klubs sicher teuer zu stehen gekommen wäre, denn dieses Duell war mal eine ganz große Nummer im Rhein-Kreis.

Peter Vogel hat sie miterlebt. Und darum hat der mittlerweile 66-Jährige, der dem TuS Grevenbroich trotz des immer noch unfassbaren Abstiegs als Trainer treu geblieben ist, in den vergangenen Tagen die alten, aber fein säuberlich abgehefteten Artikel aus der Neuß-Grevenbroicher Zeitung hervorgekramt. „Damals war das ein tolles Derby“, erinnert er sich in einer Mischung aus Wehmut und Stolz. „Da kamen auch schon mal 3000 Zuschauer.“ In der Verbandsliga war das, bis zur Wiedereinführung der Oberliga Nordrhein 1978 die höchste Amateurspielklasse in Deutschland – die Nummer drei nach Bundesliga und 2. Liga Nord/Süd.

Besonders gerne denkt Vogel an die Saison 1976/77 zurück. Vor seinem Wechsel zum MSV Duisburg, für den er mit den Nationalspielern Bernard Dietz, Rudi Seliger und Ronald Worm in der Bundesliga am Ball war, traf er mit dem VfR 06 noch einmal auf den alten Rivalen aus der Schlossstadt. Vor genau 2447 (zahlenden) Zuschauern kickten im inzwischen abgerissenen Stadion an der Hammer Landstraße Könner wie Schonz (im Tor), Kokesch, Clemens, Schlief, Geimer  und Vogel für Grün-Weiß, der TuS schickte Kapazitäten wie Reisdorf (im Tor), Poniatowski, Mostert, Lehmann, Krüppel, Krupp und Conrads aufs Spielfeld. Mann des Tages aber war Peter Vogel mit seinen Treffern zum 2:0-Sieg in der 36. und 64. Minute.

Bereits in den 1950er-Jahre sorgte das Derby für Zuschauerzahlen, von denen die Kassierer der Amateurvereine heute nur noch träumen können. So berichtete die NGZ am 5. Mai 1958: „An die 2500 Zuschauer dürften es gewesen sein, die sich an der Hammer Landstraße eingefunden hatten, um Zeuge des Lokalderbys unserer beiden Amateurligavertreter zu sein.“ Um Punkte spielten die Traditionsvereine, die sich gerade in unterschiedliche Richtungen entwickeln – nach seinem Neuanfang 2015 in der Kreisliga C kehrte der VfR in der vergangenen Saison in die höchste Kreisklasse zurück, während sich der TuS zum ersten Mal seit dem 2. Weltkrieg aus der Bezirksliga verabschiedete  – seit der Saison 2010/11 nicht mehr gegeneinander. Das Hinspiel gewann Grevenbroich am 3. September 2010 durch Treffer von Marcel Koch, Marcel Schauf und Tim Allroggen mit 3:0, zum Rückspiel am 20. Februar 2011 traten die vom später auch mal an der Erft tätigen Jörg Ferber trainierten Neusser nicht mehr an,  das Präsidium um Reinhard Josef Wendt hatte den mit Schulden in Höhe von rund 128.000 Euro belasteten Landesligisten nach nur 13 Partien vom Spielbetrieb abgemeldet.   

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