Leichtathletik : Ein Duell der Generationen

Im Kasseler Auestadion werden am Wochenende nicht nur die Deutschen Meistertitel der Leichtathleten vergeben, sondern auch die Fahrkarten zur WM im südkoreanischen Daegu. Im Stabhochsprung streiten sich die Dormagener Karsten Dilla und Björn Otto um eines der Tickets

Als Björn Otto im März des Jahres 2000 mit Platz sechs bei den Hallen-Europameisterschaften seinen ersten großen Erfolg feierte, war Karsten Dilla zehn Jahre alt. Mit Stabhochsprung hatte der Grimlinghausener noch nicht viel am Hut — gerade mal ein halbes Jahr zuvor hatte er sich überhaupt erst entschieden, seine Laufbahn als Linksaußen in der E-Jugend des SC Grimlinghausen gegen die als Leichtathlet beim TSV Bayer Dormagen einzutauschen.

Am Sonntag ab 15.50 Uhr treffen beide im Kasseler Auestadion im Kampf um den Deutschen Meistertitel der Stabhochspringer aufeinander. Und nicht nur das: Es geht auch um eine oder zwei Fahrkarten zu den Leichtathletik-Weltmeisterschaften, die vom 27. August bis 4. September im südkoreanischen Daegu ausgetragen werden.

Um dort dabei zu sein, müssen sich der 33 Jahre alte Björn Otto und sein elf Jahre jüngerer Kollege aber noch steigern. 5,72 Meter verlangt der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) von seinen WM-Fahrern, diese Höhe haben in diesem Jahr bislang nur Malte Mohr (LG Stadtwerke München, 5,81 Meter) und Raphael Holzdeppe (LAZ Zweibrücken, 5,72 Meter) übersprungen.

Karsten Dilla steht mit 5,62 Meter, die gleichzeitig persönliche Bestleistung bedeuten, gemeinsam mit dem derzeit verletzten Altmeister Tim Lobinger (München) in der Bestenliste, Björn Otto folgt mit 5,60 Meter direkt dahinter. Und weil Mohr und Holzdeppe in den vergangenen Wochen nicht mehr an diese Höhen herankamen, scheint der Titelkampf offen.

Um so mehr, als Karsten Dilla das Potenzial für die WM-Norm drauf hat. In Ostrava, wo er sich am Samstag mit 5,60 Meter die Silbermedaille bei den U23-Europameisterschaften sicherte, riss er 5,75 Meter nur um ein paar Millimeter. "Das war ärgerlich, denn den Sprung habe ich nur ganz knapp gerissen. Mir fehlte ein bisschen die Tiefe", meinte der 22-Jährige, der sich als Sportsoldat in der Sportfördergruppe in Köln-Wahn derzeit ganz auf den Stabhochsprung konzentrieren kann. Dort trainiert auch Alexander Straub (LG Filstal) — und den 28-Jährigen hält Karsten Dilla ebenso wie Björn Otto für seinen Hauptkonkurrenten im Kampf um die WM-Fahrkarte.

Der Routinier ist nach dem Ausfall von Lobinger (38) nicht nur der älteste Springer im Feld, sondern stellt auch die große Unbekannte dar. Fast ein Jahr hat Björn Otto wegen Beschwerden an den Achillessehnen pausiert, die Zeit genutzt, um sein Biologie-Studium mit dem Diplom abzuschließen. Dass sich der 33-Jährige Mitte Juni beim Meeting in Cottbus gleich mit 5,60 Meter zurückmeldete, kam einigermaßen überraschend. Danach hat er mit 5,52 Meter in Biberach und am Dienstag vergangener Woche in Karlsruhe bestätigt, dass wieder mit ihm zu rechnen ist. So kann es zum Kampf der Generationen um das WM-Ticket kommen.

Als sich Karsten Dilla 1999 entschied, die Fußballschuhe gegen Spikes einzutauschen, war Björn Otto so alt wie der Grimlinghausener heute ist. Seine Besthöhe damals: 5,60 Meter. Acht Jahre später war Björn Otto bei 5,90 Meter angelangt. Karsten Dilla hat Ottos damalige Marke schon um zwei Zentimeter überboten. Am Sonntag will er noch ein paar draufpacken — am besten zehn..

(NGZ)