Korschenbroich : Ein Dorf der Künstler

Raderbroich ist nicht Worpswede. Dennoch erinnern die Aktionen im idyllischen Straßendorf an die niedersächsische Künstlerkolonie: Neun Frauen stellen morgen auf dem Hoeren-Hof aus. Das Besondere, alle wohnen im Ort.

"Klein — aber fein", so lässt sich Raderbroich für Außenstehende definieren. "Natur pur" — trifft es auch. Die Ortschaft, ein über 1,5 Kilometer langgestrecktes Straßendorf, erfreut sich in Künstlerkreisen immer größerer Beliebtheit. Drei Konzertpianisten suchen im Ort die Ruhe, über ein Dutzend Kunstschaffende lassen sich von der Dorf-Idylle inspirieren. Unter dem Titel "Art Roerbrook" gewähren morgen neun von ihnen auf dem Hoeren-Hof Einblick in ihr aktuelles Schaffen. Die Künstlerinnen sprühen nicht nur vor Kreativität, sie verbindet auch die Anschrift "Raderbroich". Bis auf eine Malerin wohnen alle im Umkreis von 500 Metern. Lediglich Sonja Kreutzer (36) fliegt heute eigens für die Aktion aus der Schweiz ein. "Die Landschaftsgärtnerin versteht sich aber immer noch als Raderbroicherin", freut sich Peter Hoeren über die Verbundenheit zum Ort.

Für Peter Hoeren ist es Verpflichtung (61), sein Geburtshaus, den elterlichen Hof, mit Leben zu füllen. Sechs Kunstausstellungen, Mundartabende und Konzerte beleben bis zu zwölfmal im Jahr den großzügigen Innenhof des fränkischen Vierkanthofes aus dem Jahre 1752. "Raderbroich entwickelt immer mehr den Charakter eines Künstler-Dorfes. Was ich dazu beisteuern kann, werde ich tun", stellt er engagiert im Gespräch mit der NGZ fest.

Für Dorotty Mengel ist Raderbroich längst zur Heimat geworden. Die 46-Jährige, in Budapest geboren, hat über zehn Jahre mit ihrer Familie in Spanien gelebt. Dort hat sie auch ihre künstlerische Ausbildung absolviert. In Raderbroich kann sie sich als Malerin kreativ ausleben.

Die Ruhe und die Beschaulichkeit der Ortschaft weiß auch Ulla von Hasselt zu schätzen. Die Ärztin, mit Praxis in Korschenbroich, liebt es, großflächig und farbenfreudig zu malen. Für sie ist Raderbroich ein reiner Kraftort zum Auftanken — für ihre Patienten und für ihre Acryl -Malerei. Die Konzentration der Künstler erklärt die 67-Jährige mit der Ruhe der Ortschaft: "Raderbroich strahlt Schönheit aus, vermittelt Harmonie. Das zieht kreative Menschen an."

Mit der Bildhauerin Gisela Schmachtenberg-Scherlitzki (69) ist morgen von 11 bis 20 Uhr auch eine KiK-Künstlerin im Hoeren-Hof vertreten. Sie arbeitet zweigleisig: einmal in ihrem Atelier in Neuss, zum anderen lässt sie sich von der Fachwerk-Romantik ihres unter Denkmalschutz stehenden Hauses inspirieren. Für Peter Hoeren ist es schon jetzt ein Erfolg, gleich neun Künstlerinnen spontan für "Art Roerbrook" begeistert zu haben. Allerdings weiß er schon jetzt: "Beim nächsten Mal bleibt die Ausstellung für mehrere Tage aufgebaut."

(NGZ)